Vorstand: Keine betriebsbedingten Kündigungen

Volksbank Nienburg schließt zehn Filialen

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Aufgrund der Digitalisierung hat der Publikumsverkehr in den Volksbank-Filialen deutlich abgenommen.

Landkreis - Von Leif Rullhusen. Fortschreitende Digitalisierung, anhaltend niedrige Zinsen und zunehmende Regulierungen setzen die Banken unter massiven Druck. Die Nienburger Volksbank reagiert auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen jetzt mit der Schließung zahlreicher Filialen.

Mindestens zehn Standorte verschwinden innerhalb eines guten Jahres – acht davon befinden sich im Landkreis Nienburg, zwei in der Region Hannover. Zudem wandelt das Kreditinstitut drei personenbesetzte Geschäftsstellen in SB-Standorte um. Statt persönlicher Beratung gibt es dort künftig Terminals. Unter Umständen könnten drei derzeitige SB-Standorte darüber hinaus ersatzlos dem Rotstift geopfert werden. Betriebsbedingte Kündigungen schließt die Bank trotz dieser Maßnahme definitiv aus. „Wir werden das über Fluktuation lösen“, erklärt Vorstand Markus Strahler. Selbstverständlich werde sich aber der Personalbestand der Volksbank verringern. Um wie viel, sagt er nicht.

In knapp zwei Monaten schließen die ersten Filialen

Bereits in knapp zwei Monaten, am 29. Mai, wird die Volksbank die Kreis-Nienburger Geschäftsstellen in Steimbke, Leese, Raddestorf und Husum sowie die SB-Stellen in Estorf und Nendorf schließen. Am 31. März kommenden Jahres folgen die Geschäftsstellen in Loccum, Haßbergen, Liebenau und im Nienburger Leintor. Die drei zuletzt genannten Filialen baut die Volksbank zu SB-Standorten um. Die SB-Standorte in den Heka-Einrichtungswelten sowie zwei Supermärkten in Hagenburg und Wunstorf überprüft das Unternehmen und schließt sie gegebenenfalls.

Nachbarn mit den gleichen Problemen: Die Sparkassse verkündete bereits vor einem Jahr, dass sie zahlreiche Filialen schließen wird. Die Volksbank zieht jetzt nach

Damit dünnt die Genossenschaftsbank ihr Geschäftsstellennetz um nahezu die Hälfte aus. Die Zahl der SB-Standorte bleibt annähernd gleich. Zehn Geschäftsstellen sowie fünf oder sechs SB-Standorte werden den Kahlschlag im Landkreis Nienburg überstehen. Gegenwärtig sind es 18 Geschäftsstellen und fünf SB-Standorte.

"Nähe drückt sich auch im persönlichen Kundenkontakt aus"

„Wir besitzen weiterhin eine gute Erreichbarkeit“, ist Strahler dennoch überzeugt. Kein Weg zu einer Filiale sei für die Kunden weiter als zehn Kilometer. Zudem sei Nähe mehr als nur die geografische Entfernung. Sie drücke sich auch durch persönlichen Kundenkontakt, durch kundenfreundliche Öffnungs- und Beratungszeiten aus. Sehr viel Kundenkontakt finde über elektronische Medien sowie per Telefon statt. So könnten Kunden unter anderem Überweisungen telefonisch tätigen, sogar ohne Online-Banking zu nutzen.

„Die niedrigen Zinsen begrenzen unsere Investitionsmöglichkeiten. Deshalb müssen wir zielgerichtet investieren“, begründet Strahler den rigiden Schritt der Volksbank. In den vergangenen Jahren seien die Zinsüberschüsse sukzessive zurückgegangen. „Das können wir nur durch Kostenreduzierungen kompensieren. Und die seien nur noch durch Einsparungen im Personal- und Verwaltungsbereich möglich.

Filialschließungen: "Volksbank ist kein Trendsetter"

Auch sei die Nienburger Volksbank mit der Schließung von Filialen kein Trendsetter. Die Volksbank Aller-Weser schloss Ende 2017 drei Filialen und die Sparkasse Nienburg verkündete vor nahezu exakt einem Jahr das Aus von elf ihrer 22 Geschäftsstellen. „Wir passen uns dem Nutzungsverhalten unserer Kunden an“, erläutert der Volksbank-Vorstand Strahler. Dieses Argument untermauert er mit Zahlen. In den vergangenen acht Jahren seien zum Beispiel die bedienten Bartransaktionen in den Geschäftsstellen von rund 300000 auf 100 000 gesunken. Überweisungen würden die Volksbank-Kunden mittlerweile hauptsächlich per Homebanking erledigen. 500 000 solcher Transaktionen fanden im vergangenen Jahr elektronisch von zuhause aus statt. In 250 000 Fällen griffen die Menschen noch zu den klassischen Belegheftchen. Im Jahr 2010 sei das Verhältnis noch umgekehrt gewesen. Erst vor knapp 15 Monaten fusionierten die Volksbanken Nienburg und Steyerberg unter dem Digitalisierungs-, Regulierungs- und Zinsdruck. Die neue Größenordnung sollte durch die Bündelung von Ressourcen und Kapazitäten wirtschaftliche Synergien ausnutzen. Diese Einsparungen reichten augenscheinlich nicht aus.

Was aus den demnächst leer stehenden Immobilien wird, stehe noch nicht fest. Sie befinden sich größtenteils in Besitz der Volksbank. „Wir müssen für jeden einzelnen Standort ein passendes Konzept finden“, erklärt Strahler.

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