VSR: Brunnenwasser im Landkreis Nienburg stark belastet

Rekord: 190 Milligramm Nitrat pro Liter

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Der VSR-Gewässerschutz fordert eine Nährstoffbilanz für Biogasanlagen.

Landkreis. Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat der Verein VSR-Gewässerschutz bei den Brunnenproben festgestellt, die im Rahmen der Informationsveranstaltung am 7. August in Nienburg und am 26. September in Loccum beim Labormobil abgegeben wurden.

In jeder sechsten untersuchten Probe lag die Nitratkonzentration einer Mitteilung des Vereins zufolge oberhalb des Grenzwerts der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. Insgesamt 183 Wasserproben aus privat genutzten Brunnen nahmen Lina Remme, Mitarbeiterin im Bundesfreiwilligendienst, und Projektleiter Harald Gülzow aus dem Raum Nienburg, Rehburg-Loccum, Stolzenau und Diepenau für die Untersuchung entgegen. Die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz fanden bei den Untersuchungen 190 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Müsleringen. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer auch in Nordel mit 88 Milligramm pro Liter (mg/l), in Essern (126 mg/l), in Leese (145 mg/l), in Loccum (118 mg/l), in Winzlar (110 mg/l), in Rehburg (87 mg/l), in Husum (111 mg/l), in in Schessinghausen (75 mg/l), in Erichshagen (174 mg/l) und in Wohlenhausen (93 mg/l) fest.

Das Wasser ist wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet. Besonders wichtig ist laut Mitteilung außerdem, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt wird.

Es bestehe die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Diese können beim Absterben zum Fischsterben führen. Beim Bewässern mit nitratbelastetem Grundwasser müsse man bei der Düngung bedenken, dass es durch das Gießwasser zu einer zusätzlichen Nitratzufuhr kommt.

Der VSR-Gewässerschutz kritisiert, dass bei großen gewerblichen Biogasanlagen im Gegensatz zu Massentierhaltungen die den Betrieb verlassenden Stickstoffmengen auch in Zukunft nicht transparent und kontrollierbar seien. Damit können die gewerblichen Biogasanlagen weiterhin ganz legal zu einer erheblichen Belastung des Grundwassers beitragen. Gewerbliche Biogasanlagen verfügten meistens über keine eigenen landwirtschaftlichen Flächen. Daher sei es gerade dort nötig, dass die Nährstoffe, die in den Betrieb kommen und diesen verlassen, kontrollierbar sind. Aus landwirtschaftlichen Betrieben von nah und fern werden Gülle, Mais und andere Rohstoffe zur Energiegewinnung angeliefert – bereits hier sei die Menge der Nährstoffe, die in die Biogasanlage gelangen, nicht klar. Die nach der Gärung anfallenden Reststoffe, sogenannte Gärreste, würden wiederum an Landwirte abgegeben und von diesen auf den Feldern zur Düngung eingesetzt. „Ohne Klarheit über die wirklichen Stickstoffmengen, die diese Anlagen verlassen, können die Landwirte auch in Zukunft zu große Mengen Stickstoff über die Felder entsorgen“, fürchtet Gülzow. Erst wenn auch der Biogasbetreiber beim Handel mit Gärresten die Nährstoffmengen angeben müsse, komme es zur Transparenz, welche Stickstoffmengen auf den Feldern zur Düngung eingesetzt werden. Der VSR-Gewässerschutz fordert entsprechend, dass gewerbliche Biogasanlagen eine Nährstoffbilanz aufstellen müssen. Der Bürger habe ein Recht auf sauberes Wasser.

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