Medienkompetenztag am JBG

Warum „Big Data“ alle angeht - ein Beispiel aus der Schule

Hoya - Von Michael Wendt. „Big Data“? Inhaltlich und sprachlich ist dieser Begriff aus der Informationstechnologie weit von unserem täglichen Leben entfernt – oder nicht? Nein! Das erfuhren die Schüler zweier zehnter Klassen des Johann-Beckmann-Gymnasiums (JBG) Hoya diese Woche an einem konkreten Beispiel. Am Medienkompetenztag beantworteten sie die Frage, welche Vor- und Nachteile eine Datenkarte für Schüler mit sich brächte.

Damit könnten sie Stundenplan und Notenübersicht ständig in der Hosentasche tragen und in der Mensa gleich die richtige Mahlzeit (etwa vegetarisch oder glutenfrei) erhalten und bezahlen. Andererseits wüsste die Schule anhand der Karte möglicherweise, wann und wie lange ein Schüler auf der Toilette ist.

Der Medienkompetenztag ist eine für die Schulen kostenlose Veranstaltung der Initiative „erlebe IT“ des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). Schirmherr in der Region ist der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig aus Kirchdorf. Er war zu Gast am JBG und betonte, es werde keine Werbung für die Bitkom-Mitglieder gemacht. Knoerig lobte das Programm des Kompetenztags ebenso wie Studiendirektor Michael Timm, der den Tag am JBG koordinierte.

Knoerig lobt Engagement des JBG

Knoerig hatte die Schulen in der Region über das Angebot der Bitkom informiert, und das JBG hatte zugeschlagen. „Ein Kompliment an die Schule, dass sie das in den Unterrichtsplan aufgenommen hat“, lobte Knoerig. Grundsätzlich sei das Interesse der Schulen eher gering. Dabei halte er die Vermittlung von Medienkompetenz heute für zwingend nötig. „Es geht dabei um bewusste Datennutzung und das Wissen, wie Datennutzung im Hintergrund funktioniert. Schließlich kann heute jeder Fernseher zum Abhörgerät werden“, sagte Knoerig.

Michael Timm: „Wir Lehrer nutzen uns als Informanten der Schüler ab. Es ist immer gut, wenn jemand von außen kommt.“ Deshalb sei es auch so toll, dass sich Axel Knoerig den Fragen der Schüler stellte. „Sie erkennen, welche Themen Axel Knoerig politisch begegnen und dass sie wichtig sind“, ergänzte Workshop-Leiter Thilo Lübker von der Initiative „Erlebe IT“.

Doch zurück zu „Big Data“, der massenhaften Datenspeicherung anhand derer Google errät, wann eine Benutzerin schwanger ist, Microsoft WLan-Passwörter an Freunde eines Wlan-Betreibers übermittelt oder Facebook weiß, ob sich in der Nähe eines Benutzers „Freunde“ von ihm aufhalten.

„Es geht heute nicht um Verbote“

„Es geht heute nicht um Verbote von irgendwelchen Angeboten. Wir wollen die Schüler für das Thema sensibilisieren“, erklärte Michael Timm. Diese Sensibilisierung geschah am Beispiel einer „School Card“.

Das Szenario: Die Schule plant, eine solche einzuführen. Die Schüler mussten vorschlagen, was darauf über sie gespeichert werden sollte. „Name und Alter ist da noch das Harmloseste“, sagte Michael Timm. Auf der Karte gespeicherte Gesundheitszeugnisse und Bewegungsprofile sind da schon heikler, mal ganz zu schweigen von auf Lehrer-Karten gespeicherten Klassenarbeiten, Notenspiegeln und Zugangsberechtigungen.

Aufgeteilt in Pro- und Contra-Parteien gestalteten die Schüler abschließend eine Diskussion in Form einer TV-Talkshow. Ein Aufreger: der Ortungs-Chip der Karte. Die Schule sollte keinesfalls wissen, wo sie sich rumtreiben, fanden einige Schüler. Anderen war’s egal. „Auf Facebook machen wir uns eh schon transparent“, war ihr Motto. Man merkte ihnen aber an, dass sie am Ende des Kompetenztags diese Aussage mehrheitlich nicht wirklich vertraten, sondern nur die ihnen angedachte Talkshow-Rolle Karten-Befürworter spielen.

Quelle: kreiszeitung.de

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Politik

Simbabwes Präsident Robert Mugabe zurückgetreten

Simbabwes Präsident Robert Mugabe zurückgetreten
Technik

Angespielt: "Star Wars Battlefront II" im Test

Angespielt: "Star Wars Battlefront II" im Test
Gesundheit

Krass: Sieben User setzten sich auf Alkoholentzug - das passierte

Krass: Sieben User setzten sich auf Alkoholentzug - das passierte
Politik

USA schicken fast 60.000 Flüchtlinge aus Haiti zurück

USA schicken fast 60.000 Flüchtlinge aus Haiti zurück

Meistgelesene Artikel

Autor Klaus-Peter Wolf gewährt in Hoya Einblicke in sein Leben

Autor Klaus-Peter Wolf gewährt in Hoya Einblicke in sein Leben

Unklare Rauchentwicklung beim Chemiewerk in Steyerberg

Unklare Rauchentwicklung beim Chemiewerk in Steyerberg

Was passiert am Schloss und an der Deichstraße?

Was passiert am Schloss und an der Deichstraße?

Nienburg hat ein Problem mit Ganztagsschulen

Nienburg hat ein Problem mit Ganztagsschulen

Kommentare