Dr. Bernhard Fink verblüfft und unterhält mit Vortrag über Liebe und Evolution

Warum Männer mehr tanzen sollten

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Vermutlich träumt jeder davon, die Liebe seines Lebens zu finden. Die Frage ist nur: wie?

Nienburg - Von Julia Kreykenbohm. Sie verwendet viel Zeit vor dem Spiegel, um sich hübsch zurechtzumachen, und hat plötzlich unbändige Lust, shoppen zu gehen.

Er begleitet sie, sitzt stundenlang genervt vor Kabinen und fragt sich, warum er sich das eigentlich antut, wenn er doch gerade entspannt Fußball schauen könnte. Aus inniger Liebe zu seiner Partnerin? Vielleicht. Aber die Wissenschaft würde ihm eine Antwort darauf geben, die viel simpler und unromantischer ist: Sie hat ihre fruchtbaren Tage und ist dementsprechend aktiv, weil sie empfängnisbereit ist. Und er entwickelt eine Art von Gegenstrategie: Er ist so viel wie möglich an ihrer Seite, um zu verhindern, dass ein „fremdes Männchen“ sich an „sein Weibchen“ heranspielt und Vater der Nachkommen wird.

Menschen sind manchmal einfach tierisch! Vor allem, wenn es um die Liebe geht. Das konnten die Gäste des Vortrags von Dr. Bernhard Fink am Donnerstagabend im Quaet-Faslem-Haus in Nienburg lernen. Eingeladen hatte den Wissenschaftler von der Universität Göttingen das Museum Nienburg, das gerade die Ausstellung „Arrangierte Liebe“ zeigt. Fink referierte zu dem Thema „Drum prüfe, wer sich ewig bindet – Liebe und Evolution“. Da gab es viel zu lernen und auch zu lachen. „Seit unzähligen Jahren versuchen Menschen zu entschlüsseln, was Liebe eigentlich ist“, sagte Fink. Es gäbe viele Ansätze, doch keine Lösung.

Dafür bot Fink viele Beispiele, welche Strategien Menschen entwickelt haben, um einen passenden Partner zu finden und so den „Jungen“ ein möglichst optimales Aufwachsen zu ermöglichen. Er bezeichnet das als evolutionäre Psychologie. Die Vorfahren haben bestimmte Dinge getestet und die Erfahrungen sind, wenn sie in mehreren Generationen gemacht wurden, im Menschen haften geblieben. Auch die bei der Partnerwahl. „Das Paaren mit einem bestimmten Partner hinterlässt eine Art Spur.“ Demzufolge sollte man meinen, dass nach all den Jahrtausenden jeder Mensch kinderleicht das passende Gegenstück zu sich finden, beziehungsweise wissen müsste, von wem er sich besser fernhalten sollte. Oder?

Pustekuchen, sagt Fink. Das Schlüssel-Schloss-Prinzip funktioniere nicht aufgrund der biologischen Unterschiede der Geschlechter: „Das ist der Grundstein für Konflikte. Eine Frau kann immer sicher sein, dass sie Mutter ihres Kindes ist. Dafür kann sie nicht soviele Nachkommen haben. Männer können nie sicher sein, dafür aber viele Nachkommen zeugen.“ Das schafft Misstrauen bei beiden. Zudem überschätzen Männer die sexuellen Absichten von Frauen und Frauen wiederum unterschätzen die Bindungsbereitschaft von Männern. Und das das Weibchen in der Regel erwartet, dass das Männchen erst Bindungsbereitschaft signalisiert, bevor es zum Sex kommt, führe zu schamlosem Betrug – bei Menschen und Tieren, sagte Fink.

Er zeigte ein Bild zweier Fliegen bei der Paarung. Das Männchen bringe dazu einen Kokon mit, in dem Nahrung für die künftigen Nachkommen enthalten ist. Es signalisiert also Bindungsbereitschaft. Während das Weibchen den Kokon öffnet, begattet er sie. Das Perfide: In dem Kokon ist gar keine Nahrung, sondern sind Holzschnitzel. Und bevor das Weibchen den Betrug bemerkt, ist er schon wieder auf und davon. „Ich habe das Beispiel mal bei einem Vortrag kurz vor Weihnachten gebracht“, sagte Fink schmunzelnd. „Keine gute Entscheidung.“

Der Schönheitsindustrie machte der Wissenschaftler einen dicken Strich durch die Rechnung, denn „Attraktivität als Merkmal existiert nicht“. Die so viel beschworene Gesichtssymmetrie, die angeblich errechne, wie schön ein Gesicht ist, mache nur ein „paar Promille“ aus. „Wir suchen ehrliche Signale, die uns etwas über den anderen verraten. Das Problem ist, dass man viel fälschen kann, durch Schminke oder auch Chirurgie. Was man beispielsweise nicht fälschen kann, sind Körperbewegungen.“ Und ein deutliches Signal an alle Tanzmuffel: „Der Tanz von Männern vermittelt der Frau körperliche Kraft und sie schließen von ihm auf die Persönlichkeit des Mannes.“

Was wir als schön empfinden, sei nichts weiter als ein Vehikel, um eine Wahlentscheidung zu treffen, meinte Fink. Da man unmöglich alle Menschen kennenlernen könne, die einem begegnen, treffe das Gehirn eine Art Vorauswahl. „Evolutionäre Denkzwänge“, nennt Fink das und bezeichnet die Arbeit und die Universität als den besten „Markt“ für die Partnersuche. Außerdem verändere sich auch bedingt durch ihren Zyklus das Empfinden der Frau, welcher Mann attraktiv ist: An fruchtbaren Tagen zieht sie die „Machos“ vor, die signalisieren, sich gegen andere Männchen durchsetzen und sie und die Jungen versorgen zu können. In der übrigen Zeit fühlt sie sich mehr zum „femininen Typ“ hingezogen, der ihr eine stabile Partnerschaft verspricht.

Mit begeistertem Applaus verabschiedeten die rund 20 Gäste den Redner, von denen übrigens nur fünf männlich waren. Aber auch das, sagt Fink schmunzelnd, sei bei dem Thema völlig normal.

Quelle: kreiszeitung.de

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