Landvolk Mittelweser und Landkreis Nienburg geben Entwarnung

Weder Futter noch Fleisch sind Dioxin-belastet

Nienburg - Von Leif RullhusenNIENBURG · Tobias Göckeritz gibt auf der ganzen Linie Entwarnung: „Bei uns wurde nichts gefunden. Im Landkreis Nienburg gibt es weder mit Dioxin belastetes Futter noch Lebensmittel“, berichtete der Vorsitzende des Landvolkes Mittelweser gestern in einem Pressegespräch.

„Kein landwirtschaftlicher Betrieb unterliegt mehr Handelsrestriktionen“, ergänzt Dr. Franz Schreiner, Leiter des Fachbereichs für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung beim Landkreis. Er geht zudem davon aus, dass weitere Fälle mit Dioxin-verseuchtem Futter nicht mehr zu erwarten sind.

Seit Wochen hält der aktuelle Dioxin-Skandal das Land und natürlich auch die Landwirte im Landkreis Nienburg in Atem. Zeitweise waren in Niedersachsen 4 500 Betriebe vorsorglich gesperrt – auch in Nienburg. Erst vergangene Woche hatte eine zweite Welle mit möglicherweise belastetem Futter dazu geführt, dass 26 Schweinemast- und ein Hühnermastbetrieb im Landkreis Nienburg präventiv gesperrt wurden. „Rein rechnerisch hätte hier der Grenzwert überschritten sein können“, erklärt Schreiner. So wurde ein lokaler Futtermittelhersteller von der Firma Harles und Jentzsch, der Quelle der verseuchten Fette, beliefert.

Eine Futtermittelanalyse führte am Montag zu einem negativen Ergebnis. Die Belastung mit dem krebserregenden Stoff lag deutlich unter dem gesetzlichen Grenzwert. Parallel und unabhängig davon hatten die Landwirte in diesem Kreis bereits freiwillig mit Probeschlachtungen begonnen. Insgesamt 112 Schweine sollen so über die gesetzlichen Vorschriften hinaus auf Dioxin untersucht werden. Als „vertrauensbildende Maßnahme“ bezeichnet Schreiner die Aktion.

Mit einem Ergebnis rechnet Göckeritz am kommenden Dienstag. „Wir werden das Untersuchungsergebnis umgehend veröffentlichen“, verspricht der Landvolk-Vorsitzende. „Das kann aber nur negativ sein“, versichert er. Überhaupt hätten die Landwirte äußerst konstruktiv und kooperativ mit dem Veterinäramt zusammengearbeitet, lobt Schreiner.

▪ Schlachthöfe

▪ als Nutznießer

Das Lob und die Entwarnung hinsichtlich der Dioxin-Belastung lässt die betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe allerdings keineswegs durchatmen. Denn für die Landwirte ist die Krise noch lange nicht vorbei. Für viele beginnt jetzt der Kampf ums finanzielle Überleben. „Der Dioxin-Skandal hat zu einem massiven Preisverfall beim Schweinefleisch geführt“, erklärt Göckeritz. Um 23 Prozent sei er gesunken. „Für den Markt ist niemand verantwortlich. Die Zeche des Skandals zahlen also die landwirtschaftlichen Familien“, schimpft Göckeritz. Und die ist enorm, rechnet er vor. So mache ein Landwirt an jedem Schwein, das er derzeit verkauft, rund 25 Euro Verlust. Insgesamt produzieren die Landwirte im Landkreis rund eine Million Schweine, also etwa 19 000 in der Woche.

Damit belaufe sich der wirtschaftliche Schaden kreisweit Woche für Woche auf annähernd eine halbe Million Euro. „Teilt man diese Summe durch die 560 Schweinezüchter in Nienburg, ergibt das einen durchschnittlichen Verlust pro Betrieb von etwa 850 Euro in der Woche“, wartet der Landvolk-Vorsitzende mit drastischen Zahlen auf. Das mache kein Betrieb lange mit. Nutznießer der Situation seien die Schlachthöfe, die Schweinefleisch jetzt zum Schnäppchenpreis bekämen. „Die packen es sich in die Tiefkühltruhe und verkaufen es im Sommer als teures Grillfleisch.“

Quelle: kreiszeitung.de

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