Polizei präsentiert Verkehrsunfallstatistik

Historisch wenig Verletzte im Landkreis Nienburg

Polizisten hängen ein Plakat auf.
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Geisterradler werden seit Kurzem mit einer Plakatkampagne wie dieser in Hoya angesprochen.

In der aktuellen Verkehrsunfallstatistik der Nienburger Polizei macht sich die Corona-Pandemie bemerkbar.

Landkreis - von Marc Lentvogt. Weniger Autofahrten in Folge der Pandemie hatten die Erwartung wachsen lassen, dass auch die Zahl der Unfälle sinkt. Die Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg hat nun die Daten für 2020 ausgewertet und nicht nur diese Annahme bestätigt, sondern festgestellt: 370 Unfälle mit verletzten Personen, das sind weniger als seit Gründung der Polizeiinspektion 2004 je verzeichnet wurden – ein historischer Tiefstand. Weniger erfreulich ist die Frage nach der Verkehrsmoral. Eine geringere Anzahl an Verkehrsunfallfluchten ist dabei positiv zu beachten, die Zunahme von Fahrten unter Alkohol- und Rauschmitteleinfluss ist hingegen besorgniserregend.

Pandemie ist nur ein Aspekt

Für die Polizeiinspektion zieht deren Leiter, Polizeidirektor Mathias Schröder, in der Verkehrsunfallstatistik grundsätzlich ein positives Fazit: „Das ist ein wirklich gutes Jahr für die Sicherheit auf den Straßen gewesen – bei allem Leid, das jeder Unfall trotzdem immer mit sich bringt.“ Die Pandemie möchte er dabei nur als einen Aspekt der positiven Statistik betrachten. Der andere: Präventionsarbeit. „Wir haben aber auch immensen Aufwand betrieben, aktiv für mehr Sicherheit im Verkehr zu sorgen.“ Zwölf Verkehrssicherheitswochen sind da als einige der größten Anstrengungen zu nennen.

Nachholbedarf an Präventionsveranstaltungen an Kindergärten und Schulen

Anderswo bestehe coronabedingt sicherlich Nachholbedarf, bestätigt Schröder: „Insbesondere haben wir die sogenannte ,verlorene Generation’, die jüngeren Menschen, im Blick. Zum einen besteht Nachholbedarf an Präventionsveranstaltungen an Kindergärten und Schulen, zum anderen sind aber auch die Älteren gefordert, Verantwortung zu übernehmen und Vorbild zu sein, und die Eltern, mit ihren Kindern das richtige Verhalten im Straßenverkehr zu trainieren.“ Zu den Veranstaltungen, die im vergangenen Jahr noch angeboten werden konnten, zählen eine „Busschule“ mit 140 Kindern einer Grundschule sowie vereinzelte Veranstaltungen. „Hier lohnt sich jede eingesetzte Stunde besonders!“, ist Mathias Schröder überzeugt.

Kurse für Menschen gehobenen Alters dringend notwendig

Auch Nutzerinnen und Nutzer von Rollatoren haben ein Präventionsangebot erhalten, die Statistik legt der Polizeiinspektion aber nahe, dass weitere Kurse für Menschen gehobenen Alters dringend notwendig sind. Insgesamt seien weniger Personen ab 65 Jahren 2020 im Straßenverkehr verletzt worden, die Zahl der Schwerverletzten (24) sei dabei aber gestiegen. Zusätzlich verzeichnet die Verkehrsunfallstatistik sechs Verstorbene aus dieser Altersgruppe. Als möglichen Grund nennt Schröder „wachsende Mobilitätsanforderungen“.

Mathias Schröder, Leiter der Nienburger Polizeiinspektion, und Nadine Eggers, Leiterin Einsatz, präsentieren die Verkehrsunfallstatistik 2020.

Fünf tödliche Fahrradunfälle - kein Opfer trug einen Helm

Mehr Eigenverantwortung erhofft die Polizeiinspektion sich von Fahrradfahrenden: Das Tragen eines Helms kann Leben schützen, das zeigt auch 2020, erklärt Inspektionsleiter Schröder: „Bedauerlicherweise kamen im vergangenen Jahr inspektionsweit fünf Radfahrende bei Verkehrsunfällen ums Leben. Von diesen fünf Personen trug keine einen Fahrradhelm.“

Zahl der Wildunfälle weiter zu hoch

Weiterhin zu hoch und vor allem durch die Aufmerksamkeit eines jeden einzelnen Verkehrsteilnehmers zu verhindern, ist die Zahl der Wildunfälle im Landkreis Nienburg. Die Polizeiinspektion attestiert sich gemeinsam mit der Kreisjägerschaft intensive Bemühungen, eine Verringerung der Zahlen zu erreichen, einfach sei das aufgrund vieler dicht bewaldeter Gebiete und dem damit einhergehenden Wildwechsel aber nicht: „Ich kann nur immer wieder an die Verkehrsteilnehmenden appellieren, durch vorausschauendes Fahren, angepasste Geschwindigkeit und erhöhte Wachsamkeit insbesondere an extra gekennzeichneten Strecken selbst Wildunfällen vorzubeugen“, so Schröder. Hilfe verspricht er sich von einer digitalen Warntafel, die die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr anzuschaffen plant.

Mehr Präventionsarbeit – wenn Corona das zulässt

Die Aussicht auf das laufende Jahr, stellt die Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg unter das Motto „Mehr“, so darf die Verkehrsunfallstatistik gelesen werden. Mehr Präventionsarbeit – wenn Corona das zulässt – , mehr Präsenz in den Sozialen Medien, mehr Bürgernähe über alle Generationen hinweg, mehr Angebote, die auch Nischenwissen bekannt machen. Unabhängig der Einflüsse auf das öffentliche Leben könne so erreicht werden, dass die Sicherheit im Straßenverkehr weiter zunimmt.

Unfallstatistik 2020 für den Landkreis Nienburg

Unfälle insgesamt: 2761 (Vorjahr: 3289, -16%)

Unfallfluchten: 498 (570, -12,6%)

davon aufgeklärt: 204 (244)

Unfälle mit Personenschäden: 370 (455,-18,7%)

dabei Schwerverletzte: 90 (100)

dabei Tote: 10 (4)

Verletzte Kinder: 18 (52, -65%)

davon Leichtverletzte: 17 (44)

davon Schwerverletzte: 1 (7)

davon Tote: 0 (1)

Fahren unter Alkoholeinfluss: 182 (175, +4%)

davon verunfallt: 46 (54)

Fahren unter Rauschmitteleinfluss: 112 (74, +51%)

davon verunfallt: 9 (3)

Fahrradunfälle: 123 (143, -14%)

dabei Leichtverletzte: 79 (88)

dabei Schwerverletzte: 18 (24)

dabei Tote: 3 (1)

Pedelecunfälle: 14 (17, -18%)

dabei Leichtverletzte: 8 (13)

dabei Schwerverletzte: 1 (2)

dabei Tote: 1 (1)

Geschwindigkeitsverstöße: 1083

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