„Zurückgewiesene Eltern erwachsener Kinder“ teilen ihre Qualen

Wenn Frage ohne Antwort Hirn und Seele martert

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Das ist das Logo der Selbsthilfegruppe „Zurückgewiesene Eltern erwachsener Kinder“.

Nienburg - Von Kurt Henschel„Was haben wir nur falsch gemacht?“ – Diese Frage bekommt keine Antwort, kann keine Antwort bekommen. Und weil das so ist, martert diese Frage Hirn und Seele derjenigen, die sich in der Selbsthilfegruppe „Zurückgewiesene Eltern erwachsener Kinder“ zusammengeschlossen haben. Nach dem Motto: „Geteiltes Leid ist halbes Leid.“

Etwa zwölf Personen gehören aktuell dieser Selbsthilfegruppe an. Im zweiwöchigen Rhythmus treffen sie sich donnerstags ab 19 Uhr im Sprotte-Begegnungszentrum am Lehmwandlungsweg 36 in Nienburg, um ihre jeweilige Gefühlslage zu besprechen und sich gegenseitig Mut zu machen. Gelegentlich ist auch eine Psychotherapeutin dabei, erklären die Ansprechpartner für diesen Zusammenschluss.

Sie wollen – wie die übrigen Mitglieder der Gruppe – anonym bleiben. Sie möchten ihre Hoffnung auf eine zwischenmenschliche Wiedervereinigung mit den „verlorenen Kindern“ sowie deren Nachkommen nicht gefährden. Und dennoch: Eine Hoffnung, dass sich ihr Verhältnis zu ihren erwachsenen Kindern, die ihre Eltern bereits unterschiedlich lange Zeit nicht beachten und sie als nicht existent betrachten, bessern könnte, ist so gut wie nicht mehr vorhanden.

„In Gesprächen arbeiten wir mit praktischer Lebenshilfe, emotionaler Unterstützung und Motivation im Umgang mit der Problematik, die zurückgewiesene Eltern erfahren“, steht im Flyer der Selbsthilfegruppe. Für Eltern sei es „oft zu persönlich und beschämend, wenn Kinder den Kontakt abbrechen“, steht weiter geschrieben. Und weil das so sei, so die Initiatoren der im Juni 2012 gegründeten Selbsthilfegruppe, sei dieses Thema so gut wie nicht öffentlich beziehungsweise sogar „tabuisiert“.

„Es gibt viele Eltern, denen es mit ihren erwachsenen Kindern wie uns ergangen ist“, erklären die Gruppen-Gründer. Viele Eltern trauten sich aber nicht, „sich im Beisein anderer zu öffnen“. Dabei säßen alle im selben Boot und hätten die Chance, sich in der Selbsthilfegruppe mit ebenfalls Betroffenen zu treffen, um „die Bewältigung der eigenen Problematik und den Umgang damit zu erlernen sowie Strategien für die Verarbeitung der belastenden Situation zu entwickeln“. In der Gruppe bestehe im geschützten Raum die Möglichkeit, sich mitzuteilen. Und in der Gruppe „finden die Betroffenen eher Gehör und Verständnis, weil sie Menschen mit ähnlichen Erfahrungen und Erlebnissen um sich haben“, so die einstigen Gründer des Zusammenschlusses für zurückgewiesene Mütter und Väter.

Die Selbsthilfegruppe „Zurückgewiesene Eltern erwachsener Kinder“ ist vernetzt mit „Kibis“ (Kontakt, Information, Beratung im Selbsthilfebereich) in Nienburg. Sie gehört damit zum umfangreichen „Paket“ der unterschiedlichsten Selbsthilfegruppen im Bereich des Landkreises Nienburg. Und was die von ihren erwachsenen Kinder zurückgewiesenen Eltern betrifft, so handelt es sich in der weiteren Umgebung um die einzige, die sich mit der schmerzhaften sowie zermürbenden Situation auseinandersetzt.

Selbstvorwürfe, Stress für die Seele, immer wieder die Suche nach der Antwort auf die Frage der Fragen. Die Mitglieder der Gruppe haben sich dazu entschlossen, dass ihr Leben nicht mehr von Schmerz geprägt sein soll. „Dabei hilft das Zusammensein“, so die Gründer der Gruppe, die nicht mehr dauerhaft grübeln und sich schuldig fühlen wollen. Schmerz, Wut, Verzweiflung und Trauer hätten sie durchlebt, seitdem sich ihr erwachsenes Kind von ihnen abgewendet hat. Auch an der Gesundheit habe das genagt, denn Ohnmacht mache krank. „Treffen Sie eine Entscheidung“, habe die Therapeutin geraten.

Die aktuellen Mitglieder der Gruppe haben sich entschieden: Sie haben sich zusammengetan und treffen sich regelmäßig. „Das hilft allen, die Situation besser zu ertragen“, erklären die Gründer der Gruppe. Sie würden gern auch die Betroffenen aufnehmen, die sich bisher nicht getraut haben. Antworten auf Fragen über die Gruppe gibt es unter Telefon 0 50 21 / 60 56 91.

Quelle: kreiszeitung.de

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