Der Hoyaer Dr. Jan H. Witte veröffentlicht zwei Bücher zur Historie der Samtgemeinde

Wichtige Beiträge zur Regionalgeschichte

Er liest und schreibt gerne Bücher: Jan H. Witte aus Hoya brachte jüngst zwei neue Werke auf den Markt.  
Foto: Uwe Campe
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Er liest und schreibt gerne Bücher: Jan H. Witte aus Hoya brachte jüngst zwei neue Werke auf den Markt. Foto: Uwe Campe

Hoya – Gleich zwei Bücher mit lokal-geschichtlichem Bezug hat Dr. Jan H. Witte aus Hoya in kurzem Abstand veröffentlicht: Im November 2019 erschien das knapp 300 Seiten starke Werk „Hoya, Amt und Flecken im Dreißigjährigen Krieg“, dem nur ein halbes Jahr später auf mehr als 300 Seiten „Die Soldaten des Kreises Hoya im Ersten Weltkrieg“ folgte. Der heute 54-jährige ist in Bücken aufgewachsen und hat nach dem Abitur zunächst in Barme eine Offiziersausbildung durchlaufen, die er mit dem Rang eines Leutnants der Reserve beendete. Anschließend studierte er in Münster und Bayreuth Jura und Geschichte und ist heute als Justiziar beim Genossenschaftsverband in Hannover tätig.

Schon seit vielen Jahren setzt sich Dr. Witte in seiner Freizeit mit militär-historischen Themen auseinander und hat sich dazu in zum Teil aufwendigen Recherchen nicht nur profunde Kenntnisse angeeignet, sondern verfügt auch über umfangreiches Material in Form von Archivalien und Literatur. Dieses immense Wissen ist nach mehrjähriger Arbeit zunächst in das Buch über den Dreißigjährigen Krieg in und um Hoya eingeflossen. Seine Intention gibt er wie folgt wieder: „Mord und Totschlag, Plünderung und Pest, das ist die landläufige Charakteristik des Dreißigjährigen Krieges. Doch wie wirkte sich das Kriegsgeschehen zwischen Martfeld und Schweringen, zwischen Eystrup und Asendorf im Detail aus? Wie kam der Krieg an die Weser und wer kämpfte hier eigentlich wann gegen wen? Was lässt sich nach Ablauf von vier Jahrhunderten noch zu den Geschehnissen in Hoya und Umgebung herausfinden?“ Den Schlüssel zur Beantwortung dieser Fragen fand der Autor in den im Niedersächsischen Landesarchiv erhaltenen Akten und Urkunden, die ihm einen umfassenden Blick auf Akteure und Geschehnisse eröffneten, die längst dem Vergessen anheimgefallen sind. Diese Ereignisse und Zusammenhänge im zeitlichen Ablauf in fünf Kapiteln gleichermaßen anschaulich und instruktiv darzustellen, ist dem Verfasser auf spannende und lesenswerte Weise gelungen.

In dem im Mai dieses Jahres erschienenen Buch setzt sich Dr. Witte schwerpunktmäßig mit den Schicksalen der Soldaten aus dem Kreis Hoya im Ersten Weltkrieg auseinander. Dieser gilt zwar gemeinhin als reiner Stellungskrieg, tatsächlich bestand er für die Beteiligten aber aus einem ständigen Wechsel verschiedener Operationen. So waren Soldaten aus dem damaligen Kreisgebiet nicht nur in Belgien und Frankreich, sondern auch in Russland, den Alpen, auf dem Balkan, in Syrien und selbst in Übersee im Einsatz. Dabei kämpften sie bei der Infanterie, bei der Fliegerei und sogar bei der U-Bootwaffe.

Wie der Verfasser feststellte, dienten viele von ihnen gemeinsam im Infanterieregiment Nummer 74 in Hannover, das allein im ersten Kriegsjahr über Belgien nach Frankreich, von dort nach Galizien und dann wieder an die Westfront zog.

Grundlage für die Beschreibung vieler Einzelschicksale im Kriegsverlauf bildet neben Archivmaterial, wie beispielsweise heute auch online zugängliche Verlustlisten, insbesondere das im Heimatmuseum Hoya aufbewahrte sogenannte „Eiserne Buch“, ein weithin vergessener und unbekannter Foliant mit einem „genagelten“ Einband. Darin listen die 60 damaligen Ortschaften des Kreises Hoya ihre mehr als 1 000 Gefallenen und Vermissten auf. Wenngleich der Autor nicht explizit auf jedes Einzelschicksal eingeht, gelingt es ihm doch, anhand derjenigen Einheiten, in denen relativ die meisten Soldaten aus dem Kreis Hoya dienten und fielen, den Gang der damaligen Ereignisse nachzuzeichnen.

Beide Publikationen sind sehr informativ, aber auch gut und flüssig zu lesen. Sie stellen bedeutende und bislang fehlende Beiträge zur Regionalgeschichte dar. Mit ihren fundierten Angaben und Daten bilden sie eine wichtige Quelle für Heimatforscher, Familienforscher und letztlich alle an historischen Themen Interessierte. Darüber hinaus könnten sie aber auch wichtige Bausteine für eine bis heute fehlende umfassende Beschreibung der Historie Hoyas bilden, sowohl des Amtes als auch der Stadt.

Von Uwe Campe

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