Ausstellung im Heimatmuseum

Die Babytragetasche - eine Erfindung der Hoyaerin Johanna Pilz

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Malte Hornecker (links) und sein Bruder Eike zeigen im Heimatmuseum das Plakat, mit dem die Hoyaerin Johanna Pilz für ihre Erfindung, die Babytragetasche, warb. Der Dampfer „Reiher“, als Modell im Schaukasten, weist auf die besondere Rolle hin, die er in Zusammenhang mit der Erfindung spielte.

Hoya - Von Horst Friedrichs. Johanna Pilz wurde als Erfinderin der Babytragetasche berühmt. Erinnerungen an sie sind noch bis zum 5. März in der Ausstellung „Platz für Glück und anderes“ im Hoyaer Heimatmuseum zu sehen.

Schiffsanleger hatten Seltenheitswert an den Ufern der Weser: In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, als Hoyas schwimmendes Wahrzeichen, der „Reiher“, stromaufwärts und stromabwärts zog, herrschte am Flusslauf Natur pur. Der „Reiher“ war der Dienstdampfer des Wasser- und Schifffahrtsamts Hoya, das damals noch seinen Sitz in der Grafenstadt hatte. Zu den Passagieren, die gelegentlich auf dem schmucken Schiff mitfahren durften, gehörte Johanna Pilz, geborene Odenkirchen. Ihr Vater, Friedrich Odenkirchen, leitete das Wasserbauamt, wie es zu der Zeit hieß. Seine Tochter (1908-2009) wurde als Erfinderin der Babytragetasche berühmt.

Friedrich Odenkirchen und seine Mitarbeiter nutzten den „Reiher“ hauptsächlich für Inspektionsfahrten im Zuständigkeitsbereich zwischen den benachbarten Wasserbauämtern Minden und Verden. Dank seiner besonderen Bauart diente das Schiff im Winter sogar als Eisbrecher. Im Sommer allerdings gingen manchmal auch Familienangehörige und Gäste mit an Bord, und es verstand sich, dass Pausen an Land eingelegt wurden. Solche Landgänge ins Grüne, wenn der „Reiher“ außerhalb menschlicher Ansiedlungen das Ufer ansteuerte, erforderten Geschick und einen intakten Gleichgewichtssinn. Denn als Gangway diente ein einfaches Brett, und Kapitän und Matrose hielten eine Stange als Geländer.

Gangway als unüberwindbare Hürde

Auf diese Weise von Bord zu gehen, war für die junge Johanna stets eine ihrer leichtesten Übungen gewesen. Dann aber, 1931, nach ihrer Heirat und der Geburt ihres ersten Kinds, sah sie sich unvermittelt einer unüberwindbar scheinenden Hürde gegenüber: Wie, in aller Welt, sollte sie einen Kinderwagen über dieses schmale Brett bugsieren, ohne dass sie und die kleine Margret ein unfreiwilliges Bad im Weserwasser nahmen?

Bei diesen Überlegungen der unternehmungslustigen Beamtentochter schlug die Geburtsstunde der Babytragetasche. Johanna Pilz erfand das praktische Transportmittel für Kleinkinder aus der persönlichen „Not“ heraus. Denn die Fahrten mit dem Weserdampfer, einschließlich „Rahmenprogramm“, wollte sie auch als Ehefrau mit Mann und Kind auf keinen Fall missen.

Weil sie gelernte Krankenschwester, Säuglingsschwester und Hebamme war, kannte Johanna Pilz sich ohnehin mit den Bedürfnissen junger Mütter aus. Und nun, angesichts der eigenen Erfahrungen, entdeckte sie die Marktlücke, die ihrem Erfolg als Unternehmerin den Weg ebnen sollte.

Als Patent angemeldet und 1937 anerkannt, trat die Babytragtasche – damals noch ohne verbindendes „e“ geschrieben – ihren Siegeszug durch Deutschland und die Welt an.

Nach dem Krieg setzte Johanna Pilz ihre Arbeit mit der Babytragetasche fort und produzierte zusätzlich weitere nützliche Dinge für die Frau und Mutter, etwa die praktische Regenschutzdecke für Kinderwagen. Es verstand sich, dass Johanna Pilz mit ihren Produkten gleich auf der wiedereröffneten Leipziger Messe vertreten war.

Zum Ausstellungsende eine Modenschau

Ihre Messepräsenz brachte der Unternehmerin, mittlerweile Mutter von drei Kindern, etliche zukunftsträchtige Kontakte ein, die letztlich auch ihren geschäftlichen Erfolg ausweiteten. Nicht von ungefähr ergab sich eine enge Zusammenarbeit mit der berühmten Puppenmacherin Käthe Kruse, und eine geradezu logische Folge war, dass es bald auch eine Puppen-Babytragetasche von Johanna Pilz gab.

Noch heute gibt es ein umfangreiches Angebot an Babytragetaschen, hinzugekommen sind starke Konkurrenzprodukte, so vor allem die Bauch-, Rücken- und Hüft-Babytragen nach dem Rucksackprinzip.

Die Finissage der aktuellen Taschen-Ausstellung „Platz für Glück und anderes“ findet am Sonntag, 5. März, statt. Um 15.30 Uhr beginnt an diesem Tag im Museum (Im Park 1) eine Modenschau, gefolgt von einem Taschentausch.

www.museum-hoya.de

www.johannapilz.de

Quelle: kreiszeitung.de

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