Seit 25 Jahren treffen sich Oldtimerfreunde aus den Nienburgs an der Weser und an der Saale

Als „wildes Campen“ noch nicht verboten war

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Schätzchen auf vier Rädern: Das Interesse brachte Nienburger und Nienburger zusammen.

Nienburg - Von Nikias Schmidetzki. Beinahe wäre der P70 ein mobiler Beweis für die Deutsch-Deutsche Freundschaft im Kreis Nienburg geworden. Es kam anders, der Beziehung zum „anderen“ Nienburg, dem an der Saale, tat das keinen Abbruch.

Gerd Neumann aus Rohrsen hatte das gute Stück einst im Gebiet der ehemaligen DDR entdeckt. Er war auf den Trabant-Vorgänger gestoßen, als er beruflich dort eingesetzt war. Als Oldtimerfan erstand er ihn und restaurierte das gute Stück drei Jahre lang. Langfristig begeistern konnte er sich dafür schließlich aber doch nicht. Zu ungewöhnlich war die Technik. Heute fährt er einen VW Porsche und ist damit europaweit unterwegs.

In die DDR war er schon gereist, bevor die Mauer gefallen war. 1989 zog es ihn mit dem Oldtimer-Club im Sommer nach Berlin. Mit dabei war damals auch der langjährige Vereins-Vorsitzende Hans-Jürgen Kern. Eine geteilte Stadt bekamen die Kreis Nienburger zu sehen. „Wir konnten uns gar nicht vorstellen, dass das ein halbes Jahr später alles vorbei sein sollte“, sagt Neumann heute.

Schätzchen auf vier Rädern: Das Interesse brachte Nienburger und Nienburger zusammen.

War es aber eben doch: Günter Schabowski, seinerzeit im Amt eines Regierungssprechers, erklärte am 9. November 1989, eine neue Regelung für Reisen ins westliche Ausland trete in Kraft. Das gelte, so beantwortete er eine Nachfrage, „sofort, unverzüglich“. Nicht bekannt war überall die Tatsache, dass diese Regelung offiziell nur in die eine Richtung – aus der DDR raus nämlich – Gültigkeit haben sollte. Als Neumann mit Familie nach Weihnachten 1989 in Bad Harzberg die Grenze überquerte, kontrollierte ihn niemand, gab ihm auch niemand einen Einreisestempel. Das brachte damals einen Grenzer wiederum bei der Ausreise leicht durcheinander, der nämlich drauf bestand, wenigstens die Ausreise zu quittieren. Das waren die holprigen Anfänge des Kontakts zur damaligen, und heute ehemaligen, DDR. Zum Karneval fuhren die Kreis Nienburger schließlich als Oldtimer Club in den Kreis Bernburg, in dem das Partnerstädtchen liegt, zur großen Ausfahrt.

Damals war "wildes Campen" noch nicht untersagt.

Seither gab es diverse Treffen des Nienburger Oldtimer Clubs und des Motorsportclubs Bernburg. „Es sind immer weniger geworden, die mitfahren“, sagt Neumann. Aber die Freundschaft lebe. Lebhaft erinnert sich Neumann an die frühen Treffen, an denen damals auch Kinder teilnahmen, die heute als Erwachsene die Städtepartnerschaft am Leben halten. Teppichböden in Geschäften, automatische Türen und Fast Food, das gar nicht gut ankam – das waren Eindrücke, die auf die Gäste wirkten, erzählt Neumann. Er denkt zurück an „wildes Campen“, bevor es verboten wurde, er blättert im Atlas mit dem Titel „Rasten und Reisen in der DDR“. Darin ist noch ein besonderer Ort vermerkt, so klein, man muss ihn suchen: „Haus Nienburg“ in der Gemeinde Huy hat zwar nichts mit den anderen Nienburgs zu tun, war aber trotzdem einen Halt wert.

Noch ein Nienburg? Aber nur ein sehr kleines, aber gar nicht weit von Nienburg/Saale.

Wenn die Treffen auch selten sind, die Freundschaft der Clubs besteht auch aus Hilfe. Beim Hochwasser 2013 sammelte der Oldtimer Club aus der Weserregion für die Freunde von der Saale – ganz unbürokratisch. Einige Nienburger von der Saale werden Ende März auch zu Gast bei den anderen Nienburgern von der Weser erwartet. Im Rathaus soll es einen Empfang anlässlich der 25-jährigen Partnerschaft geben. Zu diesem Anlass wird der BlickPunkt in loser Folge noch weitere Geschichten bringen.

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