Blüten statt Hundehausen

Wilhelmstraße blüht auf: Aktion für Insekten

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Ursula Laux hat die Initiative gestartet.

Nienburg - Von Johanna Müller. Wenn Ursula Laux mit Eimer, Schaufel und Harke unterwegs ist, wird es in der Wilhelmstraße wieder etwas bunter. Seit Wochen pflanzt sie, jätet Unkraut und sät neue Blumen rund um die dort stehenden Bäume.

„Mir geht es darum, Nahrung für Insekten zu bieten und auch unser Umfeld zu verschönern“, sagt die Ärztin im Ruhestand, die auch von zunehmenden Hundehaufen am Wegesrand genervt ist. Unterstützt wird die 81-Jährige von den Anliegern – zumindest teilweise.

Ende Januar hat Ursula Laux den Entschluss gefasst, eine Initiative für mehr Blumen in der Wilhelmstraße zu starten. Also schrieb sie die Haushalte und ansässigen Büros an. „Ich selbst wohne zwar nicht in der Wilhelmstraße, aber um die Ecke. Ich ärgere mich täglich über den häufig durch Hundekot verdreckten Zustand der potenziellen Pflanzflächen, auf denen wir Nahrung für lebenswichtige Insekten schaffen könnten“, schrieb Ursula Laux in dem Brief, den sie an die Häuser zwischen dem Goetheplatz und der Abzweigung zur Uhrlaubstraße verteilte.

Anlieger helfen

Nach und nach erhielt sie Reaktionen auf ihr Rundschreiben, die überwiegend sehr positiv ausfielen. Einige Anwohner haben ihr Geldspenden für die Bepflanzung der sogenannten Baumringe rund um die Linden gegeben. Die Ausgaben liegen bei etwa 10 Euro pro Einheit, die sie für Blumenerde und Pflanzen oder Samen ausgibt.

Gerne haben auch einige Anliegerinnen die Patenschaft für jeweils einen Ring übernommen und kümmern sich selbst um die Bepflanzung und Pflege. „Es wäre schön, wenn sich noch mehr beteiligen“, sagt Laux, deren Initiative auch auf deutliche Ablehnung gestoßen ist. Besonders aber wenn es nun noch wärmer wird und wenig regnet, braucht sie Hilfe. Dann wäre es schön, wenn die Anwohner selbst zur Gießkanne greifen.

Noch schöner wird die Wilhelmstraße durch die Frühlingsblüher. 

Dies hat Jens Rühe bereits getan. Der Prokurist der Verkehrsgesellschaft Landkreis Nienburg mbH (VLN) und sein Team unterstützen die Aktion gerne. „Die Straße persönlicher zu gestalten, ist eine tolle Idee. Wir arbeiten gerne an der Wilhelmstraße, die jetzt noch schöner ist“, sagt Rühe, der für sein Büro direkt eine Gießkanne gekauft hat, nachdem Laux die Blümchen gepflanzt hatte. 

Wilhelmstraße jetzt noch schöner 

Das Unternehmen mit Sitz an der Wilhelmstraße 30 liegt eigentlich nicht in dem von Laux zunächst bedachten Projektbereich, dort hat sie aber durch private Kontakte Unterstützer gefunden. Auch vor der Apotheke am Bahnhof blüht es daher bereits. Stolz ist sie darauf, dass in diesem nördlichen Bereich der Straße nun auch vereinzelt Menschen mitmachen, mit denen sie noch gar keinen Kontakt aufgenommen hat. So finden sich etwa Blumen vor einer Anwaltskanzlei sowie der Massagepraxis von Eike David, die gemeinsam mit ihrer Mutter zur Schaufel gegriffen hat. „Ich hatte schon länger überlegt, dort etwas zu pflanzen“, sagt David.

Sie hofft, dass unter den Bäumen durch diese Aufwertung künftig weniger Hundehaufen landen. Ohne zu wissen, wer die anderen Frühlingsblüher in die Erde gesetzt hatte, beteiligte sie sich daher. „Wenn jeder ein bisschen mitmacht und etwas beisteuert, ist das eine tolle Sache“, sagt David, die auch an der Wilhelmstraße wohnt.

Eine solche Eigeninitiative begrüßt Lutz Scheele, Gärtnermeister beim Baubetriebshof in Nienburg. Er und sein Team sind für die Grünflächen im Stadtgebiet zuständig. Dass Anwohner selbst mithelfen, um die Straßenzüge schöner zu gestalten, finden die Mitarbeiter toll. „Wir können das leider nicht überall leisten“, erklärt der Stadtgärtner. Um rund 622 000 Quadratmeter Park- und Gartenanlagen kümmert sich der Bauhof. Außerdem etwa 192 000 Quadratmeter sogenanntes Straßenbegleitgrün, auf dem sich Rasen- und Pflanzflächen befinden, fallen in die Zuständigkeit der städtischen Mitarbeiter. Von April bis November hat Scheele 5,5 Arbeitskräfte im Einsatz, die diese Streifen pflegen.

Nienburger Stadtgärtner begrüßt Engagement 

Viel Arbeit für den Baubetriebshof, der zusätzlich selbst Blumen in die Erde bringt. Zwischen 10 000 und 30 000 Zwiebeln pflanzen die Gärtner seit einigen Jahren pro Saison. „Immer so wie es passt, wenn die Pflanzen an der einen Stelle weniger wird, legen wir nach“, erklärt Scheele. Nienburgs Hauptstraßen seien dadurch bereits verschönert worden. Etwa an der Celler Straße sehen Passanten momentan gelbe Osterglocken oder verschiedene Tulpen. 

An der Celler Straße blühen momentan Tulpen, die der städtische Bauhof dort gepflanzt hat. 

Mittlerweile gehen die Stadtgärtner daher auch die Nebenstraßen an, erklärt Scheele. Immer wieder mal werde er von Anwohnern angesprochen, die gerne vor ihrem Haus einen Teil zum Aufblühen Nienburgs beitragen möchten. Die Initiative an der Wilhelmstraße steche aber heraus.

Wer selbst nun aktiv werden möchte, sollte sich mit dem Baubetriebshof in Verbindung setzen. In der Regel spreche nichts dagegen, sagt Scheele. Gerne bespricht er Details aber mit Anliegern. Etwa in der Nähe von Spielplätze sollte darauf geachtet werden, nichts Giftiges zu pflanzen.

Selbst Blumen in Nienburg pflanzen 

Ursula Laux würde sich freuen, wenn mehr Nienburger ihrem Beispiel folgen. Sie empfiehlt zum Sommer, für die Insekten spezielle Saatmischungen mit einheimischen Blumen zu verwenden. Im Fachhandel heißen diese etwa „Nützlingsparadies“ oder „Imkermischung“. 

Nienburg: Blumen für die Wilhelmstraße 

In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen.
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen. © Müller
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen.
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen. © Müller
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen.
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen. © Müller
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen.
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen. © Müller
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen.
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen. © Müller
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen.
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen. © Müller
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen.
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen. © Müller
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen.
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen. © Müller
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen.
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen. © Müller
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen.
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen. © Müller
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen.
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen. © Müller
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen.
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen. © Müller
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen.
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen. © Müller
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen.
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen. © Müller
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen.
In der Wilhelmstraße verschönern die Anwohner ihre Umgebung mit Blumen. © Müller
Blumen verschönern das Stadtbild: An den Hauptstraßen wie der Celler Straße hat die Stadt Blumenzwiebeln gepflanzt.
Blumen verschönern das Stadtbild: An den Hauptstraßen wie der Celler Straße hat die Stadt Blumenzwiebeln gepflanzt. © Müller
Blumen verschönern das Stadtbild: An den Hauptstraßen wie der Celler Straße hat die Stadt Blumenzwiebeln gepflanzt.
Blumen verschönern das Stadtbild: An den Hauptstraßen wie der Celler Straße hat die Stadt Blumenzwiebeln gepflanzt. © Müller
Blumen verschönern das Stadtbild: An den Hauptstraßen wie der Celler Straße hat die Stadt Blumenzwiebeln gepflanzt.
Blumen verschönern das Stadtbild: An den Hauptstraßen wie der Celler Straße hat die Stadt Blumenzwiebeln gepflanzt. © Müller

Auch für Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen eine Beschäftigung suchen, sei ein Engagement in diesem Bereich sinnvoll, sagt sie. So können weitere zur Verfügung stehende Flächen genutzt werden. Einen Asylbewerber, den sie unterstützt, hatte sie bereits dabei. Gerne habe er ihr geholfen – kein Wunder, findet Laux. 

Der Mensch müsse Kontakt mit der Natur haben. Das habe schon Goethe gewusst, der schrieb:
„Und frische Nahrung, neues Blut;
Saug’ ich aus freier Welt;
Wie ist Natur so hold und gut;
Die mich am Busen hält!“

Wer mitmachen möchte, erreicht Ursula Laux sie unter Tel. 05021/3295. Wer mitmachen möchte, erreicht Ursula Laux sie unter Tel. 05021/3295.

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