Wie Lego in XXL

Windpark Bruchhagen-Nendorf kurz vor der Fertigstellung 

Der 155 Meter hohe Raupenkran bringt einen Rotor in Position.
+
Der 155 Meter hohe Raupenkran bringt einen Rotor in Position.

Die ersten Windmühlen laufen bereits erfolgreich im Probebetrieb. Spätestens Anfang Mai sollen alle 14 Windenergieanlagen im Windpark Bruchhagen-Nendorf ans Netz gehen. Über 40.000 Haushalte können sie dann mit Strom versorgen.

  • Besondere Herausforderung: Transport der 75 Meter langen Rotorblätter
  • Schwankungsbreite von bis zu zweieinhalb Metern an der Nabe
  • Neuer Windpark spart 70.000 Tonnen CO2 im Jahr ein

Hoysinghausen - von Leif Rullhusen. Ausgerechnet das, was sie sonst unbedingt brauchen, bremste ihre Fertigstellung in den vergangenen Tagen aus. „Für den Aufbau der Windenergieanlagen brauchen wir Windstille“, berichtet Projektleiter André Meyer. Bei der steifen Brise Anfang der Woche war ein Einsatz der 155 Meter hohen Raupenkräne unmöglich.

Meyer leitet den Bau des Windparks Bruchhagen-Nendorf zwischen Uchte und Steyerberg. 14 Windräder baut die Firma Westwind Energy aus Kirchdorf dort derzeit. Die ersten Anlagen laufen bereits im Probebetrieb. Spätestens Anfang Mai sollen alle fertiggestellt sein und ans Netz gehen. Zusammen erzeugen sie dann 56 Megawatt in der Stunde. „Ein paar gute Windtage hatten wir schon. Da haben die ersten Anlagen ihre Leistung schon deutlich unter Beweis gestellt“, erklärt Meyer stolz. Im Jahr kommen so rund neun Millionen Kilowattstunden zusammen. „Damit können gut 40.000 Haushalte mit Strom versorgt werden“,verdeutlicht Lars Langeleh, bei Westwind verantwortlich für Finanzierung und Vertrieb. „Pro Anlage ergibt sich daraus eine CO2-Einsparung von 5000 Tonnen.“ Mit der Fertigstellung des Parks werde der Landkreis Nienburg zum Exporteur von Windenergie. Die insgesamt 200 Meter hohen Mühlen ergänzen einen bereits bestehenden Park mit zehn Anlagen.

Fertig für die Montage: Die drei, jeweils 75 Meter langen Rotorblätter.

Schwierigster Teil liegt hinter dem Bauprojekt

Es gibt noch leistungsfähigere Anlagen. Da sich der Windpark Bruchhagen-Nendorf aber in der Einflugschneise des Fliegerhorstes in Wunstorf befindet, dürfen die Windräder eine maximale Höhe von 200 Metern haben. Diese Vorgabe nutzen die 14 Windmühlen immer dann komplett aus, wenn sich einer ihrer drei Flügel am höchsten Punkt befindet.

Auch wenn der Wind die Montagearbeiten einige Tage aufgehalten hat, liegt der schwierigste Teil hinter dem Bauprojekt. „Wenn die einzelnen Teile auf der Baustelle angekommen sind, ist die größte logistische Hürde geschafft“, erklärt Projektleiter Meyer. Immer wieder müssen extrem schwere oder große Bauteile transportiert werden. Eine besondere Herausforderung war die Anlieferung der jeweils 75 Meter langen und 19 Tonnen wiegenden Rotorblätter. Jeder der 42 Flügel wurde einzeln in einem Stück auf einem Spezial-Sattelschlepper herangeschafft. Enge Kurven und Ortsdurchfahrten werden bei Länge zu nahezu unpassierbaren Nadelöhren.

Projektleiter André Meyer erklärt, wie die Stahlröhre montiert wird.

Schwerer Kopf gibt dem Turm seine Standfestigkeit

„Der Aufbau der Anlagen funktioniert dann ein bisschen wie Lego“, vergleicht Meyer. Ein Kran setzt die einzelnen Betonsegmente aufeinander. Fixiert werden sie lediglich durch Zapfen. Auf diese Weise wächst die Windkraftanlage Ring für Ring bis zu einer Höhe von 96 Metern. Darauf setzen die Spezialisten von Westwind zwei bereits vorgefertigte Stahlröhren. Den krönenden Abschluss bildet der 350 Tonnen schwere Kopf. „Er gibt dem Turm durch sein Gewicht erst die Standfestigkeit“, erläutert der Projektleiter. An der Innenseite der Betonelemente sichern zudem 23 vertikal verspannte Stahllitze – jede einzelne besteht aus 16 Stahlseilen – den Turm. Diese Konstruktion ermöglicht der Anlage eine Schwankungsbreite an der Nabe von zwei bis zweieinhalb Metern. „Normalerweise sieht man nicht, dass sich der Turm bewegt. Mit einer Ausnahme: Bei der Notabschaltung“, erzählt Meyer. Beim Test dieser Funktion, den jedes Windrad über sich ergehen lassen muss, werden die Rotoren aus vollem Lauf abgebremst. Meyer: „Der Turm neigt sich dann so stark, dass niemand freiwillig darunter stehen bleibt.“

Blick von unten in die 96 Meter hohe Betonröhre. Die schwarzen Linien sind die insgesamt 23 Stahllitze, die den Turm sichern.

Sparkasse hat neue Form der Bürgerbeteiligung entwickelt

Die Finanzierung des 85 Millionen Euro teuren Windparks übernimmt ein Bauherrenkonsortium, an dem auch die Kreissparkasse Grafschaft Diepholz als Hausbank beteiligt ist. Die hat für das Projekt eine neue Form der Bürgerbeteiligung entwickelt. Sie gibt ausschließlich für die in der Nachbarschaft des Windparks lebenden Bewohner einen mit vier Prozent fest verzinsten Sparkassenbrief heraus. Dessen Einzahlvolumen trägt zur Finanzierung des Projekts bei. Die Sparkassen-Mitarbeiter verteilen in der kommenden Woche Informationsbriefe an die berechtigten Haushalte. Den Sparkassenbrief können alle Bürger mit erstem Wohnsitz in den Gemarkungen Bruchhagen oder Nendorf, den angrenzenden Gemarkungen Hoysinghausen und Woltringhausen, der Ortschaft Stuckhausen und Flächeneigentümer in der Potenzialfläche „Windpark Bruchhagen-Nendorf“ erwerben. Ansprechpartner ist Tobias Sandmann, Leiter der Sparkasse Kirchdorf. „Damit fließt ein Teil der Gewinne aus dem Windpark an die Menschen, die mit der Anlage leben“, freut sich Walter Mattfeld, Sparkassen-Regionaldirektor für Sulingen.

Ortstermin (v.l.): Tobias Sandmann (Sparkassenleiter Kirchdorf), Lars Langeleh (Westwind), Karin Kothe (Leiterin der Firmenkundenbetreuung bei der Sparkasse für die Region Sulingen) und André Meyer (Westwind). 

Der Windpark in Zahlen

Windpark: 14 Enercon E-126 Anlagen

Leistung pro Windrad: 4 Megawatt

Gesamtleistung: 56 Megawatt

Höhe an der Nabe: 134,35 Meter

Maximale Höhe: 200 Meter

Gewicht eines Windrades: 1850 Tonnen

CO2-Einsparung pro Windrad: 5000 Tonnen im Jahr

Gesamte CO2-Einsparung: 70.000 Tonnen im Jahr

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr Sport

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB
Genuss

Diese Mikrowellentricks kennt kaum jemand - dabei sind sie wirklich praktisch

Diese Mikrowellentricks kennt kaum jemand - dabei sind sie wirklich praktisch
Mehr Sport

Sieg reicht nicht: Bayern-K.o. gegen Paris Saint-Germain

Sieg reicht nicht: Bayern-K.o. gegen Paris Saint-Germain
Boulevard

Trauerfeier für Prinz Philip am kommenden Samstag

Trauerfeier für Prinz Philip am kommenden Samstag

Meistgelesene Artikel

Corona im Landkreis Nienburg: Inzidenz steigt stark an

Corona im Landkreis Nienburg: Inzidenz steigt stark an

Polizei nimmt Tankstellenräuber in Loccum fest

Polizei nimmt Tankstellenräuber in Loccum fest

Aus Real in Nienburg wird Kaufland

Aus Real in Nienburg wird Kaufland

Landkreis Nienburg richtet fünf dezentrale Impfstellen ein

Landkreis Nienburg richtet fünf dezentrale Impfstellen ein

Kommentare