Geflüchtete und Ehrenamtliche berichten über persönliche Erfahrungen

„Wir versuchen alles, um in Deutschland zu bleiben“

Im Kulturwerk erzählten Geflüchtete über ihre persönlichen Erfahrungen und Hoffnungen. - Fotos: msa

Landkreis  - Der Bruder ermordet, ohne Zukunft, dafür falsche Versprechen: Sehr persönlich ist es am Mittwoch im Nienburger Kulturwerk zugegangen, als mehrere Geflüchtete über ihre Geschichte sprachen. Sie berichteten auch über ihre Ankunft im Landkreis Nienburg und die Schwierigkeiten, mit denen sie hier konfrontiert wurden.

Mit dabei war Nadim Dawalibi. Der Syrer betonte direkt, dass er und seine Landsleute nicht aus wirtschaftlichen Gründen den Weg nach Europa auf sich genommen hätten: „Ich bin geflohen, weil ich in meiner Heimat kämpfen musste und nicht lernen durfte.“ In seinem neuen Zuhause hat er die Chance ergriffen, sich weiterzubilden. Aus eigener Initiative habe er Deutsch gelernt und befindet sich momentan in einer Ausbildung zum Dachdecker.

Mehr als 100 Gäste waren im Kulturwerk dabei, um die Geschichten aus erster Hand zu hören. Organisiert wurde der Abend von der Flüchtlingshilfe Holtorf, den Begegnungscafés der Kirchengemeinden St. Martin (Nienburg) und St. Clemens (Marklohe) sowie der Flüchtlingsinitiative Liebenau. Unter den Gästen waren auch Karsten Heineking (CDU) und Helge Limburg (Die Grünen) sowie Landrat Detlev Kohlmeier.

Wilfried Möhlmann, der sich ehrenamtlich im St.-Martins-Café engagiert, sagte zur Begrüßung: „Seit 2015 haben wir uns der Aufgabe gestellt, den Menschen, die insbesondere aus dem arabischen Raum zu uns gekommen sind, Hilfe und Unterstützung beim Ankommen und der Integration in unsere Gesellschaft zu geben. Wir waren uns dabei immer bewusst, dass es der professionellen Unterstützung bedarf, um Sprache zu erlernen, Ausbildung und Arbeit zu finden.“ Möhlmann betonte auch, dass diese Menschen mit einem Versprechen nach Deutschland gelockt worden seien: „Wir schaffen das.“

Im Mittelpunkt standen die Berichte der Geflüchteten und der ehrenamtlichen Helfer: Naserjan Naseri aus Afghanistan, der mit seiner Familie in Marklohe wohnt, berichtete von seiner Angst vor einer Abschiebung. Der Grund: Sein Bruder sei in seinem Heimatland ermordet worden.

Der 23-jährige Rashid Murad, der seit zwei Jahren mit seiner Familie in Pennigsehl lebt und dort auch Fußball spielt, erzählte: „Ich habe bisher den Kontakt zu meinen Mitmenschen gesucht und mich kürzlich um einen Ausbildungsplatz als Krankenpfleger beworben.“ Er erwähnte auch: „Wir sind hier hergekommen, weil es im Irak viele Probleme gibt und wir keine Zukunft sahen.“ Der 23-Jährige teilt nicht die Meinung der Politiker, dass der Irak sicher sei. „Wir versuchen alles, um in Deutschland bleiben zu können.“

Aus Angst keinen Asylantrag gestellt

Bereits vor vier Jahren ist Wadizada Ahmaj aus Syrien nach Deutschland gekommen. Der 48 Jahre alte Familienvater hat einen Hochschulabschluss in Chemie und lebt in Nienburg, wo er vier Monate als Lehrer gearbeitet hat. „Ich gebe mir viel Mühe, um in meiner neuen Heimat eine Arbeit zu finden“, erklärt er. Einen Asylantrag hat der Syrer bisher allerdings nicht gestellt, aus Angst, dann nicht wieder in sein Heimatland zurückkehren zu können.

Ebenfalls über ihre Erfahrungen berichtete Audrey Leboho aus Zimbabwe, die als Bauzeichnerin in Liebenau arbeitet. Ihr Landsmann Bruce Tsoka studiert momentan und möchte gerne Hotelkaufmann werden. Die aus der Türkei stammende Meral Akyol, die seit rund 25 Jahren in Liebenau wohnt, ist als Sprachmittlerin tätig.

Moderiert wurde die Informationsveranstaltung von dem ehemaligen Nienburger Bürgermeister Peter Brieber. Er zeigte sich stark beeindruckt von den Deutschkenntnissen der Flüchtlinge.

Landrat Detlev Kohlmeier lobte die Unterstützer der ehrenamtlichen Paten. Diese Arbeit hätten hauptamtliche Mitarbeiter in den Kommunen nicht leisten können. Kohlmeier ging in seinen Ausführungen auch auf mögliche Abschiebungen von Flüchtlingen ein und betonte: „Wir sind nur die ausführende Behörde.“

Dank und Anerkennung gegenüber den ehrenamtlichen Unterstützer-Initiativen äußerte Helge Limburg. „Ihr alle habt gezeigt, dass ihr euch gut einbringen könnt, um zu helfen“, sagte der Bundestagsabgeordnete. Er sprach sich dafür aus, dass ausländische Zeugnisse und Berufsabschlüsse in Deutschland anerkennt werden. Außerdem wolle sich Limburg dafür einsetzen, dass es weiterhin keine Abschiebungen nach Afghanistan gibt. J msa

Quelle: kreiszeitung.de

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