Tierische Bewohner kommen zu Tage

Ausgrabungen in Wölper Burg begeistern Studenten

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Bella Shaw hat die Abdrücke von kleinen Katzenpfoten auf einem Lehmziegel gefunden. Sie hofft nun, dass dieser später im Nienburger Museum ausgestellt wird.

Erichshagen-Wölpe - Raus aus der Grabungsstelle und schnell das Smartphone geholt – diesen Fund muss Bella Shaw fotografieren. Die 22 Jahre alte Australierin freut sich über ihre Entdeckung: Zwischen gebranntem Lehm hat sie einen Ziegel entdeckt, auf dem Abdrücke kleiner Katzenpfoten die Jahrhunderte überdauert haben. Shaw und die anderen Studenten gehen davon aus, dass es sich um die Pfotenabdrücke mindestens eines Jungtieres handelt.

Auch wenn dies wohl nicht der Fund des Jahrzehnts ist, sind die jungen Archäologen glücklich. Schon vor einigen Tagen hatte Shaw Fingerabdrücke entdeckt, ein anderer Student die Abdrücke einer Hundepfote. Zwar sind die nicht besonders selten, dennoch bleiben die Spuren spannend: „Dadurch wird unsere Arbeit persönlich. Wir haben nicht nur Steine in der Hand. Die Abdrücke zeigen uns, dass hier echte Menschen und Tiere gelebt haben“, erklärt die Archäologie-Studentin.

Drei Wochen lang beteiligen sie und ihre Kommilitonen sich an den Ausgrabungen. Es ist die zweite Kampagne, die in Kooperation vom Nienburger Museum, der Australian National University Canberra und der Kommunalarchäologie Schaumburger Landschaft begangen wird.

Im kommenden Jahr wollen die Australier noch einmal kommen. Wie es dann weitergeht, ist ungewiss, erklärt der Kommunalarchäologe Jens Berthold. Daher sollen bis dahin wichtige Kernfragen geklärt werden. Im Hauptaugenmerk liegt den Historikern dabei die älteste von drei Burganlagen, die schätzungsweise ab 1115 erbaut wurde.

Gut zu sehen sind bei der Grabung die Schichten, die die verschiedenen Epochen hinterlassen haben.

Um an das Fundement zu gelangen, graben sich die Archäologen durch die Geschichte des Burghügels. Schicht für Schicht wird abgetragen und dokumentiert. Denn auf ihrem Weg zur mittelalterlichen Burg, wollen sie die Spuren neuerer Bauten selbstverständlich nicht einfach zerstören.

Sechs Tage pro Woche und bis zu zehn Stunden täglich sind die Studenten dafür auf dem künstlich angelegten Burghügel aktiv. Sie graben, pinseln und kratzen sich durch Erde und Gestein. Besonders ins Auge fällt Besuchern dieser Tage ein roter Bereich innerhalb der Grabungsstelle. Dort ist eine größere Menge Lehm verbrannt. Zur Ursache gibt es zwei Theorien: Entweder war dort ein Backofen, oder ein Teil eines Gebäudes wurde dort durch ein Feuer zerstört. Egal, zu welchem Schluss die Forscher schließlich kommen: Das Ergebnis würde ihnen wieder mehr über die Geschichte der Wölper Burg und das damalige Leben verraten.

Definitiv bekannt ist den Historikern bereits, dass es in einem der neuzeitlichen Gebäude eine verhältnismäßig moderne Heizungsanlage gab. Denn während die umliegenden Bauernhöfe noch eine Feuerstelle zum Kochen und Heizen nutzten, gab es auf dem Burghügel bereits einen Kachelofen. Bemalte Fliesen einer solchen Heizung wurden jetzt gefunden.

Für das Team ist diese Entdeckung sehr interessant, da sie auch etwas über die Gesinnung der Bewohner aussagt. Während ältere Modelle noch sehr schlicht gehalten wurden, sind die lasierten Fliesen mit Mustern versehen. Daraus könnten Hinweise auf die Konfession oder andere Interessen geschlossen werden.

So wird nicht nur ein Teil der Burg sichtbar gemacht, sondern auch etwas über die einst dort lebenden Menschen bekannt – ein Aspekt, der Bella Shaw sehr am Herzen liegt. Sie überlegt daher, in ihrer Studienarbeit über die Exkursion auch etwas zu den gefundenen Katzenpfoten zu schreiben. Auch der Museumsleiterin Kristina Nowak-Klimscha hat sie ihren Fund angeboten und hofft, dass dieser einmal in Nienburg ausgestellt wird.

Das lässt sich Nowak-Klimscha nicht zweimal sagen: „Das macht schon was her“, sagt sie und hält es für sehr wahrscheinlich, dass ein solcher Ziegel etwa in einer Sonderausstellung zum Wölper Burghügel aufgenommen wird. Diese sei das Fernziel des Museums.

Insgesamt ist die Museumschefin sehr zufrieden mit der Ausgrabungskampagne sowie mit den Akteuren. Doch sie weiß auch, dass die Arbeit nach diesen drei Wochen weiter geht. Die Funde werden schließlich noch analysiert und in einen größeren Zusammenhang gestellt, damit möglichst viel über das Leben im historischen Wölpe bekannt wird.  

jom

Quelle: kreiszeitung.de

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