OVG soll entscheiden

Der Rodewalder Wolf: Beschwerde gegen Abschussgenehmigung eingereicht

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Dieser Wolf lebt im Wolfcenter Dörverden. Ein Artgenosse des Rodewalder Rudels soll nun erschossen werden.

Rodewald - Der Wolf spaltet die Gemüter. Wie soll mit dem Rodewalder Leitrüden umgegangen werden, den das Umweltministerium zum Abschuss freigegeben hat? Jetzt wurde eine Beschwerde gegen den Gerichtsbeschluss eingereicht.

Update, Dienstag, 19. Februar, 18.30 Uhr: 

Lüneburg - Der Streit um den Abschuss des Rodewalder Wolfes geht in die nächste Runde: Der Freundeskreis freilebender Wölfe hat beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg Beschwerde gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Oldenburg eingelegt, sagte eine OVG-Sprecherin. Die Beschwerde sei am Dienstag eingegangen.

Eine Begründung für die Beschwerde fehlt aber noch. Für diese müsse sich der Verein noch mit einem Anwalt absprechen, sagte Vereinsvorsitzender Ralf Hentschel der Deutschen Presse-Agentur. Vorher wolle er sich inhaltlich nicht zu den Gründen äußern. Das Verwaltungsgericht Oldenburg hatte in der vergangenen Woche den Abschuss des Leitrüden des Rodewalder Wolfsrudels im Kreis Nienburg genehmigt und einen Eilantrag des Vereins abgelehnt. (AZ.: 4 ME 48/19) 

Die Beschwerde bedeutet allerdings nicht, dass die Abschussgenehmigung für den Wolf nun bis zu einer Entscheidung des OVG aufgeschoben werde. "Er kann im Grunde jetzt geschossen werden", sagte die Sprecherin. Wann sich der Senat des OVG mit dem Fall beschäftigt, stehe noch nicht fest. Es gebe aber eine "gewisse Eilbedürftigkeit", weil die Abschussgenehmigung am 28. Februar ausläuft.

Ursprüngliche Meldung: Der Leitrüde des Rodewalder Wolfsrudels kann wie vom Umweltministerium geplant abgeschossen werden. Das hat das Verwaltungsgericht Oldenburg entschieden und damit einen gegen den Abschuss gerichteten Eilantrag abgelehnt. Alternativen zur Tötung wie eine Vergrämung des Tieres oder Herdenschutzmaßnahmen seien nicht zu erkennen, teilte das Gericht am Freitag mit.

Demnach hat der Landesbetrieb NLWKN überzeugend dargelegt, dass die strengen Voraussetzungen für eine rechtmäßige Abschussgenehmigung vorliegen. Dem Leitrüden des Rudels im Landkreis Nienburg waren nach Angaben des Ministeriums genetisch mehr als 40 Risse von Nutztieren nachgewiesen worden. Darunter sind bis zu drei Ponys, ein Alpaka und bis zu zehn Rinder.

Wolf in Rodewald: Freundeskreis setzt sich ein 

Der Freundeskreis freilebender Wölfe, eine anerkannte Naturschutzvereinigung, hatte die Tötung mit dem Eilantrag verhindern wollen. Das Gericht verwies jedoch unter anderem auf bisherige Schäden und die Prognose, dass zukünftig weitere Wolfsrisse zu erwarten seien. Der Beschluss ist noch nicht rechtskräftig.

Das Umweltministerium hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, den Wolf bis zu der Gerichtsentscheidung zunächst verschonen zu wollen. Umweltminister Olaf Lies begründete die umstrittene Abschussgenehmigung vor allem mit den getöteten Rindern. „Erwachsene Rinder im Herdenverband können sich selber und ihre Kälber gegenüber Wölfen grundsätzlich verteidigen, so dass Rinderrisse durch Wölfe die Ausnahme sind“, erklärte er. Der Leitrüde habe aber dennoch mehrfach Rinder gerissen, dieses Verhalten dürfte er auch an seine Nachkommen weitergeben, sagte Lies.

Erstmals war im April 2016 ein Wolf in Niedersachsen mit behördlicher Genehmigung abgeschossen worden, weil er einen Hund angegriffen und zu wenig Scheu vor Menschen gezeigt hatte.

Niedersachsen will Schutzmaßnahmen gegen Wölfe mit mehr Geld fördern

In dieser Woche wurde auch bekannt, dass Tierhalter in Niedersachsen für Schutzmaßnahmen gegen Wölfe künftig mehr Geld vom Land bekommen. Die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen sei nun zu 100 Prozent möglich, teilte das Umweltministerium am Mittwoch mit. 

Kosten für Zäune und Herdenschutzhunde übernahm das Land demnach wegen EU-Regelungen bisher nur bis zu 80 Prozent. "Konflikte mit Wölfen lassen sich durch flächendeckenden Schutz von nicht wehrhaften Weidetieren vermeiden", sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD) laut der Mitteilung.

Seit der Rückkehr der Wölfe streiten Befürworter und Gegner hitzig über die Tiere. Wolfsberater sehen sich dabei immer drastischer werdenden Beleidigungen und Drohungen ausgesetzt.

Erst vor wenigen Tagen hatte das Umweltministerium einen bedrohten Wolfsberater im Landkreis Nienburg auf dessen Wunsch abberufen. Minister Lies hatte Behinderungen und Bedrohungen als inakzeptabel bezeichnet. Damit sei weder den betroffenen Nutztierhaltern, noch dem Artenschutz geholfen.

dpa/jom 

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