Gericht will schnell entscheiden

Minister begründet Freigabe zum Abschuss des Rodewalder Wolfs

Der Rodewalder Leitwolf beschäftigt nicht nur die betroffenen Landwirte. Auch Politik, Verbände und auch die Justiz sind damit befasst. Umweltminister Lies hat die Genehmigung für einen Abschuss nun ausführlich begründet, doch schon kommt weitere Kritik.

Hannover/Oldenburg - Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) hat vor den Folgen eines Verzichts auf den Abschuss des Rodewalder Wolfsrüden gewarnt. „Auch weitere Individuen des Rudels könnten betroffen sein und dieses problematische Jagdverhalten übernehmen“, sagte Lies am Montag im Umweltausschuss des Landtags. Das könnte zu einem Anstieg der Nutztierrisse führen. „Wenn wir nicht handeln, fühlen sich die Betroffenen allein gelassen, das fördert nicht die Akzeptanz“, sagte er mit Blick auf die Weidetierhalter.

Lies begründete die umstrittene Abschussgenehmigung vor allem mit den getöteten Rindern. „Erwachsene Rinder im Herdenverband können sich selber und ihre Kälber gegenüber Wölfen grundsätzlich verteidigen, so dass Rinderrisse durch Wölfe die Ausnahme sind“, erklärte er. Der Leitrüde habe aber dennoch mehrfach Rinder gerissen, dieses Verhalten dürfte er auch an seine Nachkommen weitergeben, sagte Lies. Um das zu verhindern und weiteren Schaden für die Weidewirtschaft abzuwenden, habe er die Ausnahmegenehmigung auf den Weg gebracht.

Mit Unterstützung des Ministeriums habe der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) deshalb eine Ausnahmegenehmigung erteilt und die „sofortige Vollziehung“ angeordnet, erklärte Lies weiter. Auf der Homepage des Ministeriums wurde die Genehmigung vom 23. Januar am Montag veröffentlicht.

Schnelle Entscheidung des Gerichts wichtig

Zwei Naturschutzvereinigungen hätten gegen die Genehmigung Widerspruch erhoben, eine habe zusätzlich einstweiligen gerichtlichen Rechtsschutz beantragt, sagte Lies. Nun solle die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Oldenburg abgewartet werden. „Wichtig wäre es, eine zügige Entscheidung zu erhalten, um schnell Klarheit zu haben.“

Das Gericht will über das Schicksal des Rodewalder Rüden möglichst bald entscheiden. „Wir hoffen, dass wir bis Mitte der Woche die vollständigen Unterlagen haben“, sagte ein Sprecher. Der „Freundeskreis freilebender Wölfe“ hatte den Antrag in Hannover eingereicht, zuständigkeitshalber wurde er dann nach Oldenburg abgegeben, der NLWKN hat seinen Sitz in Norden.

Dem Leitrüden des Rudels im Landkreis Nienburg waren nach Angaben des Ministeriums genetisch mehr als 40 Risse von Nutztieren nachgewiesen worden. Darunter seien bis zu drei Ponys, ein Alpaka und bis zu zehn Rinder, führte Lies im Umweltausschuss aus. Wenn der Staat nicht handele, bestehe die große Gefahr, dass andere glaubten, handeln zu müssen. „Illegale Tötungen sind willkürlich, kontraproduktiv und streng verboten“, betonte Lies.

Abschussfreigabe auf wackeligen Füßen

Die Abschussfreigabe sei voreilig gewesen und stehe juristisch auf wackeligen Füßen, kritisierte Grünen-Politiker Christian Meyer. Ein rasches Handeln forderte dagegen die FDP. Eine Aufnahme der Wölfe ins Jagdrecht sei längst überfällig.

Für weniger Aufsehen sorgte unterdessen der Tod einer Wölfin im Heidekreis. Das Tier wurde an der A7 bei Walsrode gefunden, wie ein Polizeisprecher am Montag mitteilte. Die am Sonntag entdeckte Wölfin wurde vermutlich angefahren. Es wäre mindestens der fünfte Wolf, der in diesem Jahr in Niedersachsen ein Opfer des Straßenverkehrs wurde. Mittlerweile sind 22 Rudel nachgewiesen, die Landesjägerschaft geht von insgesamt rund 250 Wölfen aus.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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