Urteil nicht vor dem 3. Juli

Wuchtige Schläge gegen den Kopf -Tochter sieht zu

Nienburg/Verden -„Ich bringe dich um. Ich hasse dich“, soll ein 31 Jahre alter Angeklagter aus Nienburg seiner Ex-Freundin gedroht und sogleich mit Fäusten auf den Kopf der 36-Jährigen eingeprügelt haben. Miterleben musste dies laut Anklageschrift die fünfjährige Tochter der Frau.

Seit dieser Woche muss sich der 31-Jährige wegen versuchten Totschlags vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Verden verantworten.

„Der Angeklagte vermutete, dass sich ein anderer Mann bei seiner Lebensgefährtin in der Wohnung aufhält“, heißt es in der Anklageschrift. Wie der 31-Jährige gestern aussagte, hatte er sich zwei Tage vor der Tat, die sich am Nachmittag des 8. Februar 2020 ereignet haben soll, von der Frau getrennt. Er lebte damals in einer städtischen Obdachlosenunterkunft. Sie habe ihn nicht reinlassen wollen. Das habe sie ihm über den Balkon zugerufen, sage die Frau in dem Prozess. „Dann sagte er, ich komme hoch und trete die Tür ein.“

Tür Nummer Eins war die Hauseingangstür. „Wo sollte ich hin? Der Hausflur ging nicht mehr“, erklärte die Frau. „Ich habe mein Handy geschnappt und die Polizei gerufen. Während des Telefonats hörte ich, dass gegen die Wohnungstür getreten wird.“. Als der Angeklagte in der Wohnung war, sei es nur noch ein Tritt gegen die Wohnzimmertür gewesen.

„Ich bin mit meiner Tochter auf den Balkon. Er stand im Wohnzimmer guckte mich an und kam auf mich zu. Dann hat er mich an den Haaren festgehalten und gefragt: wo ist er.“ Doch es sei kein anderer Mann in der Wohnung gewesen. 

Schließlich habe der 31-Jährige auf sie eingeschlagen und „versucht, ihren Hals zuzudrücken“. Sie habe um Hilfe gerufen, ein Nachbar sei auf seinem Balkon gewesen. „Der ging in seine Wohnung, statt mir zu helfen“, merkte sie kritisch an.

Ihre Tochter habe geschrien, geweint und sei zu Nachbarn gelaufen. Selbst habe sie sich losreißen und ins Treppenhaus flüchten können. Der Angeklagte habe sie dort an den Haaren gepackt. Dann sei ein anderer Nachbar eingeschritten, nach dem sie gerufen habe. Noch während des Geschehens sei die Polizei eingetroffen.

Eine Erklärung für die Tat habe er nicht

„Wie die Frau Staatsanwältin schon verlesen hat. Ist halt scheiße gelaufen“, sagte der Angeklagte zu Beginn seiner Aussage. Nur an einzelne Momente der Tat könne er sich erinnern

An Schläge, aber an kein Würgen. Dass Eifersucht sein Problem ist, bestätigte er. Berechtigt sie diese, denn er habe die 36-Jährige mal bei einem „Hartz-IV-Candle-Light-Dinner“ mit seinem Mitbewohner erwischt. Sein Verhalten sah er aber auch kritisch. „Das war schon stalken“, räumte er ein.

Eine Erklärung für die Tat habe er nicht. Ein, zwei Tage sei er wach gewesen, habe Alkohol und Drogen konsumiert. „Nüchtern wäre das nicht passiert“, betonte der Angeklagte. Aber auch eine psychische Erkrankung könnte vorliegen. Gezielt wurde er nach dem Hören nicht vorhandener Stimmen befragt.

Zur Intensität der Gewalt an Hand der festgestellten Verletzungen und einer möglichen Lebensgefahr wurde am zweiten Verhandlungstag eine Rechtsmedizinerin befragt. 

„Bei wuchtigen Schlägen gegen den Kopf, unabhängig davon, ob mit der Faust oder der flachen Hand, ist immer eine potentielle Lebensgefahr festzustellen“, erklärte die Expertin vom Institut für Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover. 

Die festgestellten Schwellungen an der Kopfschwarte könnten von wuchtigen Schlägen stammen, aber auch von dem beschriebenen Sturz auf den Boden. Typische Griffverletzungen am Oberarm habe sie festgestellt. Genauso seien Hauteinblutungen am Hals und Zeichen einer Stauungsblutung in den Augen als typische Folge einer direkten Gewalteinwirkung.

Ein Urteil wird nicht vor dem 3. Juli 2020 erwartet.

Rubriklistenbild: © dpa

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