Die zehn Gebote klatschen

„Kindheit und Glaube“ am Wochenende zu sehen

Vor dem Weihnachtstryptichon präsentiert Museumsleiterin Ulrike Taenzer eine Kostbarkeit aus der Ausstellung „Kindheit und Glaube“, ein Methodenbuch für Lehrer aus dem Jahr 1530. Darin enthalten: eine Anleitung, wie man Silben trennt (linkes Foto). - Foto: Horst Friedrichs

Hoya - Von Horst Friedrichs. Die zehn Gebote lernen? Auf diese Frage winkten Mädchen und Jungen wohl zu allen Zeiten ab: Ein Kinderspiel, Herr Lehrer, nichts leichter als das. Schließlich kannte man seinen Glauben schon aus dem gottesfürchtigen Elternhaus, bevor man zur Schule kam.

Aber, o Schreck, durchfuhr es die Anfangsklässler im 16. Jahrhundert, da musste ja doch noch gelernt werden. Wie nämlich, die Wörter korrekt nach Silben trennen und dann auch noch zusammenhängend und flüssig lesen? So baute sich ungeahnter frühkindlicher Stress bereits zu Luthers Zeiten auf – und das mit der vollen Absicht des Reformators.

Eine Rechtschreibreform mag er noch nicht im Sinn gehabt haben, zumal er das Schriftdeutsch mit seiner Bibelübersetzung ja gerade erst festgelegt hatte. Aber Regeln mussten sein, schon damals, obwohl die Schreibweisen des 16. Jahrhunderts bisweilen geradezu anarchisch anmuten. Dass das Gegenteil der Fall war, zeigt das Heimatmuseum Hoya derzeit mit hoch spannenden Original- und Nachdrucken aus einer Zeit, die auch die Frühzeit der Drucktechnik war.

Der sprachliche Lehrauftrag, den Martin Luther mit seiner Übersetzung der Bibel ins Deutsche verband, lässt sich in einer der Museumsvitrinen gut ablesen. So ist in der Sonderausstellung „Kindheit und Glaube“ Luthers großer und kleiner Katechismus zwar nicht im Original, aber immerhin im Nachdruck von 1833 präsent. Überdies sind viele weitere gedruckte Beispiele dafür zu sehen, wie sich für evangelische Schulkinder lange vergangener Jahrhunderte die Glaubenslehre mit weltlich-schulischem Lehrstoff verband.

„Ein Teutsch Grammatica“ heißt das Büchlein aus dem Jahr 1530, in dem mittels entsprechender Drucktechnik dargestellt wird, wie die zehn Gebote mit korrekter Silbentrennung aussehen. Lehrer der damaligen Zeit verwendeten dieses Methodenbuch, um ihren Schülern letztlich auch das Lesen zu erleichtern.

Nichtsdestoweniger gab es neben Lernstress auch erfreuliche Anblicke, wie das beleuchtete bunte Weihnachtstryptichon gleich neben der Katechismen-Vitrine zeigt. Generationen von Hoyaern haben sich daran erfreut, stand es doch in der Adventszeit und darüber hinaus in der Martinskirche.

Ein Beispiel aus dem Schulalltag ist die ebenfalls bunt bebilderte Wandkarte, die das Heilige Land darstellt.

Vor dem Weihnachtstryptichon präsentiert Museumsleiterin Ulrike Taenzer eine Kostbarkeit aus der Ausstellung „Kindheit und Glaube“, ein Methodenbuch für Lehrer aus dem Jahr 1530. Darin enthalten: eine Anleitung, wie man Silben trennt (linkes Foto). - Foto: Horst Friedrichs

Museumsleiterin Ulrike Taenzer schmunzelt, wenn sie die Sammlung von Taufkleidern rund um eine große, flache Glasschale erläutert: „Das sollte eigentlich das Taufbecken in der neuen Martin-Luther-Kirche an der Von-Staffhorst-Straße werden.“ Dem damaligen Kirchenvorstand gefiel die „Schüssel“ indessen nicht, und so wurde das alte, steinerne Taufbecken hinübergeschafft und mit Betonkleber an seinem Platz in der neuen Kirche fixiert, wo es heute noch steht. Doch die Taufkleider rund um das „neumodische“ Taufbecken sind ein vielfältiger Blickfang – ebenso wie die Konfirmationskleider, die es zu sehen gibt. „Viele Anekdoten ranken sich um die einzelnen Ausstellungsstücke“, sagte Ulrike Taenzer.

Zu sehen ist die Ausstellung auch am Katharinenmarkt-Wochenende, also Sonnabend von 13 bis 18 Uhr sowie Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Dass es auch um andere Religionen geht, beweist Robert Stark mit seinem Vortrag „Kindheit und Glaube – Einblicke in jüdische Lebenswelten“ amSamstag, 23. September ab 18 Uhr. Und schließlich gibt es am letzten Ausstellungstag, 12. November, um 15 Uhr eine Führung durch „Kindheit und Glaube“.

www.museum-hoya.de

Quelle: kreiszeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Fußball

BVB nach 3:0 beim HSV Tabellenführer - 96 verpasst Sieg

BVB nach 3:0 beim HSV Tabellenführer - 96 verpasst Sieg

Oktoberfest 2017: Das waren die Eindrücke vom fünften Tag

Oktoberfest 2017: Das waren die Eindrücke vom fünften Tag
Fußball

Düsseldorf Spitzenreiter in Liga zwei

Düsseldorf Spitzenreiter in Liga zwei
Wirtschaft

Thyssenkrupp will mit Tata neuen Stahlgiganten schaffen

Thyssenkrupp will mit Tata neuen Stahlgiganten schaffen

Meistgelesene Artikel

Wohnmobilwochenende und Reisegutgscheine: Die Gewinner stehen fest

Wohnmobilwochenende und Reisegutgscheine: Die Gewinner stehen fest

Nienburger Kino: Neuer Standort steht fest

Nienburger Kino: Neuer Standort steht fest

„Nazi-Glocke“: Das letzte Geläut in Schweringen?

„Nazi-Glocke“: Das letzte Geläut in Schweringen?

Kirchenglocke mit Nazi-Symbolen in Schweringen

Kirchenglocke mit Nazi-Symbolen in Schweringen

Kommentare