Stefan Nitz aus Steimbke gründet Start-up

Zugverspätungen: Mit „Refundrebel“ Entschädigung erhalten

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Auf refundrebel.com können Bahnkunden ihre Anträge auf Entschädigungen mit wenigen Fingertips einreichen.

Steimbke/Heidelberg - Von Johanna Müller. Stefan Nitz hat genug vom Papierkrieg mit Bahngesellschaften. Kommt ein Zug zu spät und der Kunde hat Anspruch auf eine Entschädigung, dann sollte dieser schnell und einfach beantragt werden können, findet der 32-Jährige.

Er setzt sich für eine simple Umsetzung der Fahrgastrechte ein. Dafür hat er mit einem Partner das Unternehmen „Refundrebel“ (frei übersetzt: Rückerstattungs-Rebell) gegründet. „Es gibt viele Leute, die nicht wissen, dass sie Ansprüche bei Zugverspätungen haben“, sagt der gebürtige Steimbker.

Ab einer Stunde Verspätung am Zielort gibt es in Deutschland zum Beispiel ein Viertel vom Ticketpreis zurück, bei mehr als zwei Stunden ist es die Hälfte. Bei Ausfall des Zuges wird sogar der gesamte Fahrpreis erstattet. Auch bei Zeitfahrkarten gibt es Geld.

Bahn zu spät: Dafür gibt‘s Geld 

Eine Entschädigung müssen Kunden etwa bei der Deutschen Bahn beim Servicecenter für Fahrgastrechte beantragen. Dafür gibt es im Zug, am Bahnhof oder online zum Ausdrucken ein Formular. Das müssen sie ausfüllen und mit der Fahrkarte oder zum Beispiel ihrer Bahncard-Nummer in einem Reisezentrum abgeben oder per Post schicken.

Stefan Nitz hat eine digitale Lösung für lästige Formulare entwickelt. Durch den Service von refundrebel.com sparen sich die Bahnfahrer die Schreibarbeit sowie den Versand per Post. Seine Idee hat er bereits mehrfach präsentiert.

Kundenfreundlich ist das nicht, findet Nitz, der selbst diese Erfahrung gemacht hat. Da er seine Heimat zunächst nicht verlassen wollte, ist er zu seiner Arbeitsstelle gependelt. Acht Jahre lang fuhr der Informatiker mit dem Zug von Hannover nach Frankfurt oder Heidelberg. Hinzu kam eine Fernbeziehung nahe München. Teilweise 15 bis 20 Stunden habe er pro Woche auf den Schienen verbracht.

„Refundrebel“ hilft bei Erstattung

Zugverspätungen gehörten während dieser Zeit zu seinem Alltag. „Da habe ich gesehen, dass auch andere Leute das Thema Entschädigungen bewegt“, erinnert sich Nitz. Die Zettel auszufüllen und zu verschicken sei lästig gewesen. Außerdem hatte er das Gefühl, die Bahn spiele Spielchen mit den Kunden. „Manchmal war die Handschrift nicht lesbar oder es fehlten Infos. Wer weiß aber schon, wann genau der Zug vor zwei Wochen in den Bahnhof gefahren ist?“, sagt er.

So konnte es nicht weitergehen. Also hat der studierte Informatiker das Problem auf technische Art und Weise gelöst. Auf seiner Plattform refundrebel.com können Fahrgäste bequem per Smartphone oder PC Zugverspätungen eintragen und so Entschädigungen geltend machen – ohne aufwendigen Schriftverkehr. Dieser wird von dem Anbieter übernommen.

„Wir rebellieren für die Erstattung der Kunden“, fasst Nitz zusammen, der aus seiner Idee ein Unternehmen gemacht hat. 

Idee kommt gut an 

Was als Hobby-Projekt anfing, ist schnell gewachsen. Viele Gespräche hat der Steimbker im Zug geführt und merkte schnell, einen Nerv getroffen zu haben. Freunde und Bekannte haben seine Plattform getestet und für gut befunden. Der Grundstein für die Selbstständigkeit war gelegt. „Vor genau einem Jahr habe ich mir überlegt, das muss ich groß machen“, sagt Stefan Nitz, der kurz darauf nach Heidelberg gezogen ist, um diesen Plan umzusetzen. Er musste raus aus seinem Home Office, wollte weniger Zeit im Zug verbringen und seine Idee voranbringen.

Auf refundrebel.com können Bahnkunden ihre Anträge auf Entschädigungen mit wenigen Fingertips einreichen.

Heidelberg war genau der richtige Ort dafür. Hier knüpfte er Kontakte mit anderen Gründern und jungen Firmen – sogenannten Start-ups. Er nahm an Treffen teil, stellte sein Projekt vor und gewann dafür Preise. Dadurch wurden Investoren auf den 32-Jährigen und sein Team aufmerksam. Diese ermöglichen ihm jetzt, den finalen Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. „Ab Januar können wir Vollgas geben“, sagt Stefan Nitz. 

„Refundrebel“ geht nächsten Schritt

Dann verlässt er den goldenen Käfig, wie er seine Festanstellung nennt, und wird Vollzeit-Rebell. Dass er so schnell zu diesem Punkt kommen würde, hätte der Informatiker nicht erwartet. Doch er freut sich auf die Zeit: „Ich wollte schon immer etwas Eigenes bauen. Mit 8 Jahren war es eine Seifenkiste, mit 14 kamen die ersten Homepages etwa für unsere TKW-Basketball-Sparte und jetzt ist es Refundrebel.“

Unterstützt wird der 32-Jährige dabei von seinen Freunden und der Familie in Steimbke. „Mein Sport ist zurückgeblieben. Basketball spiele ich nicht mehr. Aber ich habe immer versucht mir neben Job und Start-up Zeit für mein Umfeld zu nehmen“, sagt er.

Da Nitz demnächst von seinem Projekt leben und auch Mitarbeiter einstellen möchte, kostet der Service auch etwas. Über Provision will sich das Start-up finanzieren. Das bedeutet, von der Entschädigung geht ein kleiner Teil an „Refundrebel“. Bis zum 31. Januar ist die Dienstleistung jedoch noch kostenfrei. Ein Grund mehr das Angebot zu testen.

EU-Parlament fordert höhere Entschädigung bei Zugverspätung: 

Nach Willen des EU-Parlaments soll es in der Zukunft noch deutlich höhere Entschädigungen geben. Kommt der Zug mehr als zwei Stunden zu spät an, soll etwa der komplette Ticketpreis fällig werden. Ob die Europaabgeordneten mit ihren Forderungen Erfolg haben, steht noch nicht fest. Bevor die neuen Regeln in Kraft treten können, müssen sie einen Kompromiss mit dem Rat der Mitgliedstaaten finden.

Gut zu wissen: Für Ansprüche spielt laut Bahn der Grund für die Verspätung keine Rolle. Auf höhere Gewalt kann sich der Konzern im Gegensatz zu Airlines nicht berufen. Lokführerstreik, Sturmschäden, geflutete Strecken – kommt ein Zug deshalb zu spät an oder fällt er aus, hat man trotzdem Anspruch auf Entschädigung oder Kostenerstattung.

Konkurrenz im Vergleich: „Refundrebel“ hat Vorteile

Neben „Refundrebel“ gibt es weitere Anbieter, die Zugfahrer bei Anträgen auf Entschädigungen unterstützen. Diese stellen etwa Formulare digital bereit. Kunden können diese online ausfüllen, übernehmen den Versand aber weiterhin selbst. Andere Unternehmen kümmern sich auch um den Versand, gehen aber nicht auf Widersprüche ein. Außerdem gibt es einen Anbieter, der eine Sofort-Auszahlung verspricht und damit Ansprüche direkt abkauft. In der Regel wird jeweils eine Provision fällig. 

Stefan Nitz hat einige dieser Produkte getestet, wurde jedoch von keinem überzeugt. Viele würden nur eingeschränkte Dienstleistungen anbieten und sich nicht ausreichend für Kunden einsetzen. Außerdem werden teilweise nur Kunden der Deutschen Bahn bedient. Dabei gebe es noch andere Unternehmen. „Refundrebel“ hat den Anspruch, alle Fahrgäste zu bedienen. 

Auch die Stiftung Warentest hat Bahn-Entschädigungshelfer verglichen. Auf ihrer Homepage test.de berichtet die Stiftung von deutlichen Vorteilen bei „Refundrebel“ gegenüber den anderen Anbietern.

„Refundrebel“ im Netz

Das junge Start-up „Refundrebel“ informiert auch über soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Instagram seine Nutzer über aktuelle Ereignisse. Etwa Daten über Verspätungen werden dort präsentiert: 

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