Mehr als 350 Teilnehmer aus 21 Nationen

Große Militärübung „Joint Cooperation“ simuliert Zugunglück in Hoya

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Schwierigster Teil der Nato-Übung auf dem THW-Schulgelände in Hoya: die Bergung von Schwerverletzten aus einem umgestürzten Eisenbahnwagen.

Hoya - Von Horst Friedrichs. Ohrenbetäubendes Krachen, Bersten von Stahl und Blech. Dann einen Moment lang beklemmende Stille, bis gellende Schreie aus den Trümmern dringen. „Hilfe! Hilfe! Warum hilft uns denn niemand? Um Himmels Willen, holt uns hier raus!“

Das ist die Szenerie eines Zugunglücks an einem unbeschrankten Bahnübergang in Hoya. Ein Personenwagen wird direkt auf den Schienen vom Zug erfasst, ein weiterer prallt auf den Zug, und schließlich rammt ein vollbesetzter Linienbus den zweiten Wagen. Es gibt eine unüberschaubare Zahl von Verletzten und vielleicht sogar einige Tote.

Das ist die Ausgangslage, die Einsatzkräfte am Sonnabendvormittag auf dem Gelände der Bundesschule des Technischen Hilfswerks in Hoya bewältigen müssen. Dort gibt es einen Übungsplatz mit Eisenbahnwaggons in passender Umgebung. „Blaulichtlage“ heißt so etwas im Dienstjargon der Beteiligten, und das simulierte katastrophale Geschehen ist ein „Großschadensereignis“.

Aufwendig inszeniertes „Großschadensereignis“

Eine Viertelstunde, bevor der Alarm ausgelöst wird, gibt es eine Einweisung durch Hauptmann Harald Engelhardt von der Bundeswehr. Er ist zugleich Katastrophenschutzbeauftragter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Kreisverband Nienburg.

Engelhardt schildert den Zuschauern, was pünktlich ab 11 Uhr ablaufen wird. Sie sind vornehmlich Offiziere und Soldaten der Bundeswehr und der Armeen anderer Nato-Staaten. Nicht von ungefähr, denn die Hoyaer „Blaulichtlage“ ist eingebettet in eine Nato-Übung namens „Joint Cooperation“.

Militärische Übungsbeobachter kamen unter anderem aus den Vereinigten Staaten, der Slowakei und Rumänien.

In deren Rahmen üben Soldaten aus 21 Nationen für Auslandseinsätze und werden dabei von zivilen Hilfsorganisationen unterstützt. „Hier in Hoya sind wir nicht aktiv beteiligt“, betont Hauptmann Engelhardt, der das Zentrum Zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZZMZ) der Bundeswehr vertritt. In der Langendammer Clausewitz-Kaserne ansässig, organisiert das ZZMZ die Übung bereits zum achten Mal. Beim aufwendig inszenierten „Großschadensereignis“ in der Grafenstadt sind die Vertreter der Bundeswehr und verschiedener Armeen anderer Nato- und Nicht-Nato-Staaten lediglich als Beobachter vor Ort.

Feuerwehr übernimmt Einsatzleitung

„Joint Cooperation“ ist die größte multinationale Übung der CIMIC (Civil Military Cooperation), in diesem Jahr mit mehr als 350 Teilnehmern – unter anderem aus Polen, Belgien, den Niederlanden, Dänemark, Tschechien, USA, Kanada, Slowakei, Slowenien, Finnland, Litauen, Lettland, Großbritannien, Spanien, Ungarn, Rumänien und Armenien. Die Soldaten sind im Rahmen eines Auslandseinsatzes im fiktiven „Framland“ dabei. Für die Bundeswehr ist es demzufolge kein Inlandseinsatz im Rahmen der Amtshilfe.

Die Leitung des Einsatzes im THW-Ausbildungszentrum Hoya, wie die Bundesschule neuerdings heißt, hatte die Freiwillige Feuerwehr der Samtgemeinde Grafschaft Hoya. Beteiligt waren weitere Feuerwehren aus der Umgebung, sowie das THW und das DRK. Insgesamt 40 Unfallopfer-Statisten mussten versorgt werden. „Tote“ gab es nicht, und auch Feuer brach nicht aus. „Nur das, was vorher geübt wurde, klappt im scharfen Durchgang“, lieferte Oberst Frank Hartwig, stellvertretender Kommandeur des ZZMZ, eine Begründung für das realistisch gestaltete Bahnunglück.

Quelle: kreiszeitung.de

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