Skurrile Vorwürfe vom US-Präsidenten

G20-Gipfel: Trump geht noch vor dem Ende golfen, Scholz spottet offen - „Ein Teilnehmer ...“

Donald Trump am Samstag auf dem Golfplatz.
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Donald Trump am Samstag auf dem Golfplatz.

Corona und Klima: Dicke Bretter gab es beim G20-Gipfel am Wochenende zu bohren. Donald Trump ging lieber golfen - und bekommt Spott aus Deutschland.

Riad/Washington - Große Fragen standen auf der Tagesordnung: Unter anderem über Corona und die Klimakrise sprachen die Regierungschefs der G20-Staaten am Wochenende bei ihrem Video-Gipfel. Doch die Bewertung fiel am Ende recht unterschiedlich aus: Noch-US-Präsident Donald Trump beklagte sich über „unfaire“ Regeln - Kanzlerin Angela Merkel (CDU) freute sich hingegen über „multilateralen Geist“ in der Abschlusserklärung. Trump musste aus Deutschland auch leisen Spott über sich ergehen lassen.

Trump amüsiert Vize-Kanzler: Scholz spottet über Auftritt des US-Präsidenten beim Video-Gipfel

Der US-Präsident hatte offenbar ohnehin keine große Lust auf die Videoschalten der G20. Sichtlich gelangweilt saß der US-Präsident schon zum Auftakt des Gipfels im Konferenzraum des Weißen Hauses. Seine gebückte Haltung ließ vermuten, dass er sich eher mit dem Smartphone beschäftigte - und in seiner Twitterblase schwebte: Parallel verbreitete er Tweets mit Behauptungen zu Wahlbetrug bei seiner Niederlage. Auch zur Gesundheit seines nach Medienberichten mit Corona infizierten Sohnes äußert er sich - nicht aber zu den konkreten Inhalten des G20-Gipfels.

„Ein Teilnehmer hat auch nochmal die Gelegenheit genommen, seine eigene Großartigkeit zu schildern“, spöttelte Vize-Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nach dem Treffen - einen Adressaten seiner Kritik nannte er freilich nicht namentlich. Trump habe das „aggressive Vorgehen“ der US-Regierung erläutert und die Erfolge bei den Behandlungsmöglichkeiten und Impfstoffen betont, die „Millionen Leben retten werden“, teilte das Weiße Haus mit. Die Corona-Lage in den USA ist in der Realität freilich prekär.

Trump schießt auf G20-Gipfel quer: Pariser Abkommen nur um „die amerikanische Wirtschaft zu töten“

Ein Ergebnis der Runde: Die führenden Wirtschaftsmächte wollen gemeinsam für eine gerechte Verteilung von erschwinglichen Corona-Impfstoffen auf der ganzen Welt sorgen. „Wir werden keine Mühe scheuen, um einen bezahlbaren und gerechten Zugang für alle Menschen sicherzustellen“, hieß es in der Abschlusserklärung des Gipfels. Die Staaten nahmen sie sich am Sonntag außerdem vor, alles zu unternehmen, um die schwer angeschlagene Weltwirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

Beim Thema Klimaschutz tanzte Trump, wie immer in den vergangenen Jahren, aus der Reihe. Er nutzte seinen voraussichtlich letzten Auftritt auf einer großen internationalen Bühne zu einer Attacke gegen das Pariser Abkommen zur Reduzierung der Erderwärmung. Es sei beschlossen worden, um „die amerikanische Wirtschaft zu töten“. Er bezeichnete das internationale Abkommen gegen die Klimaerwärmung als „sehr unfair und einseitig“

Merkel erklärte nach dem Gipfel, um das Thema habe es bei dem Treffen keine Kontroverse gegeben. Mit Blick auf Trumps Äußerungen zum Klimaschutzabkommen sagte sie: „Man muss aber von unserer Warte aus schon sagen, dass wir das anders sehen.“ Das Pariser Abkommen weise den unterschiedlichen Akteuren unterschiedliche Verantwortlichkeiten zu. Es gebe bei dem Thema eine Meinungsverschiedenheit, die jedoch nicht neu sei, erklärte sie.

Donald Trump: Golf statt Gipfel - Merkel für neuen Pandemie-Plan

Nach gut eineinhalb Stunden Gipfel schien Trump jedenfalls genug zu haben. Er fuhr für den Rest des Tages in seinen Golfclub in Sterling im nahen Bundesstaat Virginia. Fotos zeigen Trump wenig später in einem roten Blouson und einer weißen Kappe beim Golfen - während Merkel und andere Staats- und Regierungschefs über die Strategien zur Eindämmung der Corona-Pandemie berieten.

Merkel befürwortete bei dem Treffen auch die Idee eines weltweiten Vertrags zur Bekämpfung künftiger Pandemien. EU-Ratspräsident Charles Michel habe einen entsprechenden Vorschlag gemacht, den sie unterstütze, sagte die frühere CDU-Chefin. Der Vertrag könne eine Lehre aus dem sein, was man im Augenblick erlebe. Die Kanzlerin ist am Sonntag auf den Tag genau 15 Jahre im Amt - gerade die EU steckt aktuell aber in tiefen Schwierigkeiten. Merkel blickte in einer Pressekonferenz nach dem Gipfel auf neue Corona-Maßnahmen in Deutschland.

G20-Gipfel: Wenige Bilder vom Treffen - Saudi-Arabiens König hat Probleme bei Eröffnungsrede

Das vom Gastgeber Saudi-Arabien ausgerichtete G20-Gipfeltreffen fand wegen der Corona-Pandemie als Videoschalte statt. Er unterschied sich damit von allen früheren Spitzentreffen. Es fehlten die informellen Gespräche am Rande, die oft wichtiger sind als die großen Runden. Nach außen drangen auch nur wenige Bilder, darunter der Auftritt des altersschwachen saudischen Königs Salman, der als Gastgeber große Mühe hatte, die zehnminütige Eröffnungsrede zu halten. Der 84-Jährige nuschelte und musste mehrfach mit schwerem Atem neu ansetzen. Gemeinsam repräsentieren die Mitglieder der G20 mehr als 85 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung und zwei Drittel der Weltbevölkerung.

Prognosen der US-Medien zufolge hat der Republikaner Trump die Präsidentenwahl vom 3. November verloren. Der demokratische Wahlsieger Joe Biden hat bereits erklärt, dass die USA unter seiner Führung dem Abkommen von Paris wieder beitreten würden. Biden soll am 20. Januar als neuer US-Präsident vereidigt werden. (dpa/AFP/fn) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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