Abgesandter des Weißen Hauses

US-Präsident Trump nominiert neuen Botschafter für Berlin - Gewagte These über Nato und Russland

Als Vertreter von Donald Trump und Washington nervte US-Botschafter Richard Grenell die Bundesregierung in Berlin. Nun wurde ein Favorit für die Nachfolge auserkoren.

  • Richard Grenell ist seit Juni 2020 nicht mehr US-Botschafter in Berlin.
  • Mit seiner Art ging das Sprachrohr von Donald Trump auf Konfrontation mit der Bundesregierung.
  • Nun ist der Posten vakant - doch der US-Präsident hat einen neuen Abgesandten nominiert.

Washington/Berlin - Auftritte bei Donald Trumps Lieblingssender Fox News schaden nicht, um die Aufmerksamkeit des US-Präsidenten zu ergattern. Nun hat das polarisierende Staatsoberhaupt einen Dauergast des konservativen TV-Senders als neuen amerikanischen Botschafter in Berlin auserkoren: Douglas Macgregor.

Der Posten ist seit dem Rücktritt des Diplomaten Richard Grenell im Juni vakant - dieser lag regelmäßig mit der Bundesregierung im Clinch und wurde von seinem Chef zum neuen Geheimdienstkoordinator bestimmt. Wenn es nach Trump geht, soll mit Macgregor nun ein pensionierter Offizier der US Army die Interessen der USA in Übersee vertreten. Der 70-Jährige gilt als Experte für deutsche Militärgeschichte, scheut aber auch nicht vor Kritik an diversen Auslandseinsätzen des eigenen Landes zurück.

US-Botschafter in Berlin: Macgregor fürchtet Türkei mehr als den Iran

Vorgänger Grenell ließ sich vor seiner Berufung zum höchsten US-Diplomaten in Berlin ebenfalls häufig bei Fox News blicken - einem Sender, dem Donald Trump immer gerne für Interviews zur Verfügung steht. Es erstaunt also wenig, dass das Weiße Haus Douglas Macgregor nicht nur als "dekorierten Kriegsveteranen" vorstellte, sondern auch als "regelmäßigen Kommentator zur nationalen Sicherheit in Radio und Fernsehen". Ein Unterschied im Vergleich, der auch Bundestagsabgeordnete erleichtern könnte: Er besitzt angeblich keinen Twitter-Account, mit dem er deutsche Politiker attackieren könnte.

Macgregor hat in Kreisen des US-Militärs den Ruf eines Querdenkers und vertritt gerne Meinungen, die nicht der offiziellen Armee-Linie entsprechen, meistens jedoch denen von US-Präsident Trump, der im Juni seinen 74. Geburtstag feierte. So sprach er sich Anfang 2020 für einen vollständigen Truppenabzug der US Army aus den Kriegsgebieten in Syrien und dem Irak aus. "Dieser Krieg ist vorbei. Wir haben ihn verloren", ließ Macgregor wissen. Seiner Meinung nach sei der Iran zumindest vorerst der "Sieger", werde sich aber noch gewaltig die Finger verbrennen. Es gibt ein Land, das Macgregor als noch größeres Problem für die Vereinigten Staaten ausmacht - die Türkei.

Donald Trump hat einen Mann als neuen US-Botschafter für Berlin auserkoren.

Douglas Macgregor ist Absolvent der renommierten Militärakademie West Point und diente in seiner Armeekarriere unter anderem im Irak-Krieg 1991. Auch am Nato-Lufteinsatz im Kosovo 1999 war er beteiligt, ehe er sich 2004 aus der Armee zurückzog und ein Beratungsunternehmen für Verteidigungs- und Außenpolitik gründete. Dazu hat Macgregor hat mehrere Bücher über Militärstrategie geschrieben. Auch mit deutscher Militärgeschichte befasste er sich ausführlich: 1989 schrieb er das Buch "Die sowjetisch-ostdeutsche Militärallianz" über die Zusammenarbeit von Sowjetunion und DDR während des Kalten Krieges.

Macgregor neuer US-Botschafter in Deutschland? „Die Nato ist ein Zombie“

In einem Artikel zum Zustand der Nato schrieb der Oberst a.D. im Frühjahr 2019: „Die Nato stirbt nicht. Sie ist ein Zombie.“ Mit dem Verschwinden der sowjetischen Bedrohung sei ihr das Leben ausgegangen. Das Militärbündnis werde lediglich immer wieder
„reanimiert“, normalerweise mit „Voodoo-Zauber“. „Auch Zombies sterben irgendwann“, meinte Macgregor.

Seine Nominierung zum Botschafter in Deutschland erfolgt inmitten einer Eiszeit zwischen den verbündeten Großmächten. Donald Trump fährt regelmäßig Attacken gegen Berlin und wirft der Bundesregierung zu niedrige Verteidigungsausgaben und unfaire Handelspraktiken vor. Auch deswegen sollen bald mehrere Tausend der 34.500 in Deutschland stationierten US-Soldaten abgezogen werden.

Ob Macgregor nach dem ruppigen Richard Grenell mit seiner ebenfalls ziemlich direkten Art für eine Verbesserung der transatlantischen Beziehungen sorgen kann? Zunächst einmal bleibt abzuwarten, ob er den Posten überhaupt antreten kann: Nicht nur ist die Zeit für die Bestätigung seiner Nominierung durch den Senat wegen der nahenden Präsidentschaftswahl 2020* knapp. Die Kongresskammer ist derzeit auch noch wegen der Corona-Krise überlastet.

Sollte bei der Wahl am 3. November Trump-Herausforderer Joe Biden von den Demokraten gewinnen, dürfte sich die Personalie Douglas Macgregor ohnehin schnell erledigen. (PF mit AFP/dpa)

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Rubriklistenbild: © JIM WATSON / AFP

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