„Niemand wird gehackt“

Trumps Twitter-Passwort erneut von Hacker geknackt - als er den Präsidenten warnt, erntet er Spott

Ein niederländischer Hacker soll Trumps Twitter-Account gehackt und ihn vor der Sicherheitslücke gewarnt haben. Wegen Trumps Reaktion machte er die Geschichte öffentlich.

Schon zum zweiten Mal soll es niederländischen Hackern gelungen sein, Zugang zu Donald Trumps Twitter-Account zu erlangen. Vor vier Jahren hatten sie den Präsidenten angeblich erstmals vor zu einfachen Passwörtern gewarnt – offenbar mit geringem Erfolg. Denn auch dieses Mal schaffte es der Hacker offenbar, sich nur durch Raten und Ausprobieren in den wichtigen Twitter-Account einzuloggen, wie das niederländische Wochenmagazin Vrij und die Tageszeitung Volkskrankt am Mittwoch berichteten.

Nachdem Trump seinen Account bis 2016 mit den Worten „yourefired“ geschützt haben soll, habe das Passwort nun zuletzt „maga2020!“ gelautet haben, eine Abkürzung für „Make Amerika Great Again“. „Dass es uns so schnell wieder gelingen würde, hatten wir nicht erwartet“, sagte Victor Gevers, der auch zu den drei Hackern gehört, die sich 2016 Zugang zu Trumps Twitter-Account verschafft hatten.

Trump hat Zwei-Faktor-Authentifizierung ausgeschaltet – eigentlich ist diese bei Twitter Pflicht

Gevers gehört zu den sogenannten Ethical Hackern. Deren Ziel ist es, Sicherheitslücken zu erkennen und die Betroffenen zu warnen. Als vergangene Woche geleakte E-Mails die Rede machten, die angeblich von Hunter Bidens* Laptop stammten, prüfte Gevers die Accounts der Bidens auf mögliche Risiken.

Bei der Gelegenheit testete er auch Trumps* Account - und knackte zum zweiten Mal das Passwort. Nur sechs Versuche soll er dafür benötigt haben. Besonders bedenklich: Die für VIP-Accounts eigentlich von Twitter aus verpflichtende Zwei-Faktor-Authentifizierung sei ausgeschaltet gewesen. Die Theorie des WochenmagazinsVrij Nederland: Womöglich wurde sie deaktiviert, damit Trump während seines Krankenhausaufenthaltes ohne größere Umstände twittern kann. Beweis-Screenshots sollen Vrij und Volkskrankt vorliegen.

Gevers habe auf seine Entdeckung hin Trumps* Team kontaktiert. Der Secret Service, der sich um die Sicherheit des Präsidenten kümmert, sendete ihm demnach eine Nachricht und bedankte sich. Doch ein Auftritt von Donald Trump vor wenigen Tagen sorgte nun dafür, dass Gevers mit der Geschichte an die Presse ging. „Niemand wird gehackt. Um gehackt zu werden brauchst du jemand mit einem IQ von 197 und er muss 15 Prozent deines Passworts wissen. Das passiert nie“, sagte der Präsident* vor Publikum, spielte die Gefahren durch Hacker-Attacken also herunter.

Gevers sah sich deshalb gezwungen, darauf zu reagieren. „Alles was ich möchte ist, dass den Leuten klar ist, dass Zwei-Faktor-Authentifizierung verpflichtend sein sollte. Passwörter sind die Achillesferse des Internets“, zitiert ihn das WochenmagazinsVrij. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Nell Redmond/AP/dpa

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