„Wir sehen uns an der Wahlurne“

Erdogan von Jugendlichen bei Live-Video blamiert - sein Team greift zu drastischer Maßnahme

Recep Tayyip Erdogan, Türkei
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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan erhielt während eines Live-Videos massive Kritik.

Bei einer Live-Übertragung im Internet bekam der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan massive Kritik zu hören. Hinter der Aktion standen wohl vor allem Jugendliche.

  • Recep Tayyip Erdoğan bekam bei einer Live-Übertragung massive Kritik zu hören.
  • Der türkische Präsident reagierte auf die Aktion und machte seine Kritiker mundtot.
  • Hinter der Aktion sollen wohl vor allem Jugendliche gesteckt haben. 

Ankara - Wenn der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan eine Ansprache an das Volk hält, ist Kritik im Normalfall alles andere als gerne gesehen. Umso bemerkenswerter war deshalb die massive Gegenrede, die das türkische Staatsoberhaupt bei seiner letzten Videokonferenz, die live auf YouTube übertragen wurde, erhielt. Grund dafür war wohl auch der Zeitpunkt, kurz vor den zentralen Aufnahmeprüfungen an den türkischen Universitäten, zu denen Erdoğan seine Ansprache hielt. Denn die Aufnahmeprüfungen wurden, trotz massiver Einschränkungen für die Bevölkerung durch die Corona-Krise* nicht verschoben. Eine Entscheidung, die vielen Jugendlichen und angehenden Studenten in der Türkei offenbar sauer aufstieß. 

Erdogan erntet bei Live-Ansprache massive Kritik: „Wir sehen uns an der Wahlurne“ 

Die ersten 30 Minuten der Ansprache verliefen dabei wohl noch nach dem Geschmack Erdoğans. Viele Zuschauer lobten die Politik des 66-Jährigen und dessen Partei AKP über Chat-Funktion oder schickten Herz-Emojis an den türkischen Präsidenten. Wie bild.de berichte, kippte das Stimmungsbild danach jedoch deutlich. Immer mehr kritische Stimmen waren in der Kommentarsektion von Erdoğans Übertragung zu lesen, ehe die positiven Äußerungen klar in der Unterzahl waren. 

Oft war der Slogan „Oy Moy Yok“ (dt. „Keine Stimme für dich“) in den Kommentaren zu lesen. Der gleichnamige Hashtag trendete in der Zwischenzeit bei Twitter ebenso wie der Ausspruch „Wir sehen uns an der Wahlurne“. Auch die Bewertungen, die bei YouTube über einen Daumen nach oben bzw. einen Daumen nach unten vergeben werden, kippten immer mehr ins Negative. Über 340.000 Mal erhielt Erdoğans Übertragung einen Daumen nach unten, ehe das Team des Präsidenten, der im Erdgasstreit mit Griechenland nun erneut Drohungen losließ, eingriff. 

Erdogans Mitarbeiter machen Kritiker mundtot - „Die Jugend glaubt nicht mehr an dich“

Erdogans Mitarbeiter deaktivierten in der 39. Minute die Kommentarfunktion, um so die Kritiker zumindest auf YouTube mundtot zu machen.  Bis dahin konnte jedoch die ganze Welt lesen, wie der Präsident den Unmut der türkischen Jugend zu spüren bekam. „Bye Bye Erdoğan, die Jugend glaubt nicht mehr an dich“, lautete ein Kommentar. „Wir wollen ein Teil des Westens sein und nicht ein Nahost-Land“, schrieb ein anderer Nutzer.

Erdogan hat in dieser Woche zwei Minister nach Berlin geschickt, um über die deutsche Reisewarnung für die Türkei zu sprechen. In Istanbul hat der türkische Präsident Erdogan die Hagia Sophia in eine Moschee umgewandelt. Die Entscheidung trifft auf scharfe Kritik. Derweil reagiert der Staatschef gelassen auf das Rekordtief der türkischen Landeswährung. (fd) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. 

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