„Kein Witz!“

„Recht auf Home-Office“? Heil gibt sich Union geschlagen - sein Alternativ-Vorschlag sorgt für Spott

Hubertus Heil (SPD) ist von seinem Rechtsanspruch auf Homeoffice abgerückt. Der Bundesarbeitsminister gibt damit im Streit mit der Union klein bei - Unternehmen dürfte das gefallen.

  • Aufgrund des Coronavirus* sind derzeit viele Arbeitnehmer im Homeoffice.
  • Arbeitsminister Hubertus Heil von der SPD plant gesetzliche Regelungen für das Homeoffice.
  • Der Vorschlag ist jetzt vom Tisch, besonders Unternehmen profitieren dadurch.

Berlin - „Mein Vorschlag ist: Lasst und jetzt zumindest gemeinsam einen modernen Rahmen für mobile Arbeit beschließen. Es geht mir darum, dass wir weiterkommen.“ Diese Worte fand Arbeitsminister Hubertus Heil von der SPD. Seine Pläne für Rechtsanspruch auf Homeoffice wurde von der Union abgelehnt. Heil forderte Anspruch auf 24 Tage Homeoffice im Jahr. An neuen Regelungen für Arbeitsschutz im Homeoffice will Heil aber weiterhin festhalten.

Regelungen für das Homeoffice - Arbeitsminister Heil fordert Gesetz für Arbeitnehmer*innen

„Ich möchte den Menschen den Rücken stärken, die mobil arbeiten wollen und die auch mobil arbeiten können“, sagte Heil gegenüber der Rheinischen Post. Er hofft auf eine Arbeitszeiterfassung bei der mobilen Arbeit im Homeoffice. So möchte der Arbeitsminister sicherstellen, „dass auch im Homeoffice mal Feierabend ist.“ Anlass für die Sorge ist die Vermischung von Arbeit und Privatem im Homeoffice. Laut einer Studie der TU Chemnitz hat ein Viertel aller Deutschen mit der Arbeit von zuhause aus Probleme. 60 Prozent der Befragten gaben an, dass die Grenze zwischen Arbeits- und Privatleben verschwimmt.

Die Union bleibt aber weiter hart: „Ich habe keinerlei Sympathie für Rechtsansprüche, die nur einigen wenigen Arbeitnehmern zugutekommen“, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier der Bild am Sonntag. CDU* und CSU* wollen die Regelungen zum Homeoffice weiterhin den Unternehmen überlassen und als Staat nicht regulierend eingreifen. „Der Gesetzgeber sollte nicht alles mit Regularien verpflichtend bestimmen“, betonte Altmaier. Altmaiers Ministerium war unlängst bereits in Zusammenhang mit Steuertricks als „Verhinderer“ ins Visier der Opposition geraten.

In zahlreichen Branchen kann laut der Union nicht im Homeoffice gearbeitet werden - und wo das möglich sei, gebe es meist bereits innerbetriebliche Regeln bezüglich der mobilen Arbeit. Es solle daher idealerweise künftig lediglich die EU-Regel gelten, wonach maximal 48 Stunden in einer Woche gearbeitet werden darf. Arbeitnehmern, die im Homeoffice Probleme mit der Trennung zwischen Arbeit und Privatem haben, dürfte das nicht gefallen.

Corona und Home Office: Heil gibt sich Union geschlagen - Alternativ-Vorschlag sorgt für Spott

Heil ringt dennoch weiter um eine Regelung für das mobile Arbeiten - wenn auch in kleinerem Rahmen. „Deswegen bleibe ich bei meinen Vorschlägen für einen modernen Rechtsrahmen. Ich will dann zumindest ein Recht der Beschäftigten, über Möglichkeiten des mobilen Arbeitens mit dem Vorgesetzten zu sprechen“, sagte er.

Diese neue Forderung stieß in den sozialen Medien auf Spott. Einige Kommentatoren empfanden das „Recht auf ein Gespräch mit dem Arbeitgeber“ schlichtweg als „Witz“.

Kritik gab es aber prompt auch vonseiten der Union: „Viele Mittelständer kämpfen derzeit ums Überleben, und neue Auflagen sind das Letzte, was sie gebrauchen können“, so Carsten Linnemann der dpa. (tko/fn) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa/dpa-Pool

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