Russland feiert Kriegsende

Putin ruft bei Militärparade zum Kampf gegen Neonazismus auf

Wladimir Putin spricht während der Militärparade, mit der an das Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert wird. Der 9. Mai wird als "Tag des Sieges" über Hitlerdeutschland gefeiert. Foto: Alexander Zemlianichenko/AP
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Wladimir Putin spricht während der Militärparade, mit der an das Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert wird. Der 9. Mai wird als "Tag des Sieges" über Hitlerdeutschland gefeiert. Foto: Alexander Zemlianichenko/AP
Ein "Topol-M"-Militärfahrzeug mit Rakete fährt bei der Parade zur Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 74 Jahren über den Roten Platz. Foto: Alexander Zemlianichenko/AP
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Ein "Topol-M"-Militärfahrzeug mit Rakete fährt bei der Parade zur Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 74 Jahren über den Roten Platz. Foto: Alexander Zemlianichenko/AP
In Moskau warten russische Kriegsveteranen auf den Beginn der Militärparade. Foto: Alexander Zemlianichenko/AP
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In Moskau warten russische Kriegsveteranen auf den Beginn der Militärparade. Foto: Alexander Zemlianichenko/AP
Der kasachische Ex-Präsident Nursultan Nasarbajew (v.l.), Wladimir Putin und Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew kommen zur Militärparade. Foto: Alexander Zemlianichenko/AP
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Der kasachische Ex-Präsident Nursultan Nasarbajew (v.l.), Wladimir Putin und Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew kommen zur Militärparade. Foto: Alexander Zemlianichenko/AP
Wladimir Putin hält ein Porträt seines Vaters Wladimir Spiridonowitsch Putin. Foto: Alexei Druzhinin/Pool Sputnik Kremlin/AP
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Wladimir Putin hält ein Porträt seines Vaters Wladimir Spiridonowitsch Putin. Foto: Alexei Druzhinin/Pool Sputnik Kremlin/AP

Mit einer riesigen Waffenschau feiert Russland den Sieg über Hitler-Deutschland vor 74 Jahren. Dabei mahnt Kremlchef Putin einmal mehr, die Verdienste der Sowjetunion um die Befreiung Europas nicht kleinzureden. Kritik an den Feiern in Russland kommt aus der Ukraine.

Moskau (dpa) - Kremlchef Wladimir Putin hat bei der Militärparade zur Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkrieges zur internationalen Zusammenarbeit gegen Terrorismus und Neonazismus aufgerufen.

"Wir rufen alle Länder dazu auf, unsere gemeinsame Verantwortung anzuerkennen für die Gründung eines effektiven und für alle gleichen Sicherheitssystems", sagte er am Donnerstag in Moskau. Der russische Präsident nahm auf dem Roten Platz als Oberkommandierender der Atommacht die Parade zum 74. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Hitler-Deutschland ab.

Mehr als 13.000 Soldaten marschierten über den Roten Platz. Im Anschluss gab es eine riesige Waffenschau. Panzer und Fahrzeuge mit Luftabwehrsystemen etwa vom Typ S-400 sowie Raketen unter anderem vom Typ Iskander zogen durch das Machtzentrum der russischen Hauptstadt. Eine Flugschau sagten die Luftstreitkräfte wegen schlechter Wetterverhältnisse ab.

Putin nannte in seiner Rede auch extremistisches Gedankengut als Gefahr. "Der kollektive Widerstand gegen Verfechter tödlicher Ideen hat heute wieder eine grundlegende Bedeutung", sagte er. Putin kritisierte, dass es heute Länder gebe, die die Ereignisse des Krieges bewusst verzerrten. Geehrt würden dort jene, die damals keine menschliche Würde gezeigt und mit den Nazis im Kampf gegen die Sowjetunion kollaboriert hätten. Er äußerte sich mit Blick auch auf die Ukraine, ohne sie namentlich zu nennen.

Dagegen warf der scheidende ukrainische Präsident Petro Poroschenko Russland vor, dass Kriegsandenken zu monopolisieren. "Im Unterschied zu Moskau werden wir nicht den gemeinsamen Sieg der Völker aller Länder der Anti-Hitler-Koalition privatisieren", sagte er in Kiew. Niemand habe das Recht, den Sieg für seine eigene imperiale Politik zu missbrauchen. Der designierte Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte sich ähnlich: "Der Beitrag der Ukrainer zum Sieg ist riesig."

Selenskyj übernimmt das Amt nach der Wahlniederlage Poroschenkos. Angesichts des Krieges in der Ostukraine sagte Poroschenko, dass sein Land den Kampf für seine territoriale Unversehrtheit gewinnen werde. In Teilen der Gebiete Luhansk und Donezk kämpfen aus Russland unterstützte Separatisten gegen ukrainische Truppen. Mehr als 13.000 Menschen sind dort nach UN-Angaben bisher gestorben.

In Moskau waren die Sicherheitsvorkehrungen wegen des Aufgebots an militärischem Gerät extrem hoch. Hunderttausende Zuschauer verfolgten die Parade in der Stadt. Am Roten Platz unterhielt sich Putin auch mit mehr als 90 Jahre alten Kriegsveteranen. Zu den Ehrengästen der Festlichkeiten zählten auch der letzte sowjetische Präsident und Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow sowie der frühere kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew.

Es sei sehr wichtig, dass die Erinnerungen an den Weltkrieg nicht verblassten, sagte der 95 Jahre alte Veteran Sergej Aleksandrowitsch nach der Parade. "Ich kann den Krieg einfach nicht vergessen. Ich erinnere mich jeden Tag daran." Jedes Jahr komme er zu der Parade, die nach seinem Geschmack immer besser werde.

Auch in vielen anderen Städten Russlands gab es Militärparaden und Gedenkfeiern, darunter zahlreiche Märsche zur Erinnerung an die Kriegsteilnehmer. Millionen Menschen in Russland trugen Fotos ihrer Angehörigen, die im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis gekämpft hatten. Dem Innenministerium zufolge schlossen sich mehr als zehn Millionen Menschen an, meldete die Agentur Interfax. Es habe rund um den Jahrestag landesweit mehr als 18.000 Veranstaltungen gegeben.

"Es ist unsere heilige Pflicht, die echten Helden zu schützen", sagte Putin. Das russische Volk habe die Hauptlast bei der Befreiung der Völker Europas getragen, betonte er. In Berlin am Sowjetischen Ehrenmal gedachte der nationalistische russische Biker-Club "Nachtwölfe" der russischen Kriegstoten.

Der 9. Mai ist der wichtigste Feiertag des Landes. Er endet traditionell am Abend mit Feuerwerk. Russland feiert das Kriegsende damit einen Tag später als der Westen, weil 1945 die deutsche Kapitulation vor den Sowjettruppen in der Nacht vom 8. zum 9. Mai zu einer Zeit erfolgte, als in Moskau Mitternacht vorbei war. Die Sowjetunion verzeichnete im Kampf gegen den Faschismus mehr als 27 Millionen Tote und damit die mit Abstand größte Zahl der Opfer.

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