FIFA-Regelhüter öffnen sich langsam für den Videobeweis

Die Fußball-Regelhüter wollen den Videobeweis testen lassen. Foto: Handout Lancia
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Die Fußball-Regelhüter wollen den Videobeweis testen lassen. Foto: Handout Lancia

Die Regelhüter des Fußball-Weltverbandes wollen mehr über den Nutzen des Videobeweises wissen. Tests sollen Aufschluss darüber geben. Doch der Weg zu einer möglichen Anwendung ist weiter lang - und steinig.

London (dpa) - Nach langem Widerstand wollen die stramm konservativen Regelhüter des Fußball-Weltverbandes FIFA dem Videobeweis nun doch eine reelle Chance geben.

"Wir wollen alles untersuchen", sagte Lukas Brud vom International Football Association Board (IFAB) der Deutschen Presse-Agentur in London. "Ob es besser ist, das Spiel zu unterbrechen, oder nicht. Ob besser ein Schiedsrichter in einem Van außerhalb des Stadions sitzt oder der Schiedsrichter sich am Spielfeldrand die Bilder anschaut."

Am Vortag hatten die IFAB-Direktoren der Vollversammlung vom 4. bis 6. März in Cardiff/Wales eine "starke Empfehlung" ausgesprochen, entsprechende Tests zu beschließen. Das ist mehr, als man vielleicht erwarten konnte. Zu Beginn des Jahres 2015 hatte man das ungeliebte, aber vor allem bei Schiedsrichtern so brennende Thema vertagt. Die deutsche Haltung ist wie in vielen anderen Fußball-Nationen pro Videobeweis. "Wir in der Schiedsrichter-Führung sind uns einig, dass wir den Weg mitgehen wollen", hatte Herbert Fandel, Vorsitzender der DFB-Schiedsrichter-Kommission, noch im November gesagt.

Nun gibt es immerhin einen Rahmen, wenngleich der Weg weiter lang und steinig ist. Man gehe davon aus, dass die Tests über zwei oder drei Spielzeiten laufen müssten, bevor klar sei, ob Videobeweise eine Verbesserung für das Spiel seien. "Es kann sein, dass das ganze Prinzip nicht funktioniert, dann werden wir den Riegel vorschieben", betonte Brud. Eine unabhängige Studie solle die Statistiken dazu liefern.

Es sollten nur spielentscheidende Szenen überprüft werden, etwa ein Handspiel vor einem Torschuss. Versuche in den Niederlanden hätten gezeigt, dass es um zwei bis drei Szenen pro Spiel gehe und der Spielfluss meist ohnehin unterbrochen sei. In anderen Sportarten ist der Videobeweis schon seit Jahren gängiges Hilfsmittel, etwa beim Eishockey. Dort wird mit Hilfe der laufenden Bilder zum Beispiel kontrolliert, ob die Scheibe in strittigen Szenen die Torlinie in vollem Umfang überschritten hat. Krasse Fehlurteile wie das nicht gegebene Tor von Frank Lampard im WM-Achtelfinale 2010 zwischen Deutschland und England (4:1) oder das Phantomtor von Leverkusens Stefan Kießling in Hoffenheim 2013 gibt es dort nicht.

Drei Verbände hätten sich für eine Testphase bereits offiziell gemeldet, sagte Brud: die US-Profiliga Major League Soccer, der brasilianische Fußballverband und der niederländische Verband KNVB, der die Technologie bereits seit längerem teste. Die englische FA wolle Videobeweise in ihrem Pokalwettbewerb ausprobieren. Losgehen solle es schon kommende Saison, wenn die Rahmenbedingungen geklärt seien.

Ausschlaggebend sei nun unter anderem die Entwicklung der Technologie gewesen, sagte IFAB-Sekretär Brud. Jeder hätte mittlerweile sofort Zugriff auf Bildmaterial von Spielen. "Wir wollen sicherstellen, ob es für den Schiedsrichter - den armen Kerl, der keinen Zugriff hat, aber die Entscheidungen treffen muss - eine Hilfe wäre."

FIFA-Mitteilung zu Ifab-Empfehlung

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