„FIFA muss handeln“

Corona: Transferperiode wird offenbar verschoben - FIFA lädt Verantwortung dennoch auf die Klubs

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FIFA-Chef Gianni Infantino wird offenbar bald eine Anpassung des Sommer-Transferfensters verkünden.

Transfers während der laufenden Spielzeit? Dieses Szenario soll verhindert werden. Doch für die anderen Probleme nimmt die FIFA die Klubs in die Pflicht.

Update vom 6. April: Der Beginn der Transferperiode im Sommer 2020 soll verschoben werden. Premier League, Champions League und Europa League dürften ihre Spielzeiten nicht bis zum Stichtag am 30. Juni beenden können, weshalb Fußball-Weltverband FIFA offenbar kurz vor dieser weitreichenden Entscheidung steht. 

Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, sollen keine Transfers stattfinden, ehe die Saisons, die momentan wegen der Corona-Pandemie unterbrochen sind, beendet wurden. Trotzdem nimmt die FIFA vorher alle Klubs in die Pflicht. 

Denn eine schwierige rechtliche Frage bereitet den Verantwortlichen große Kopfschmerzen. Was passiert mit den Spielern, deren Verträge zum 30. Juni enden. Die Anpassung des Transferfensters schafft hier keine Lösung. 

FIFA in der Corona-Krise: Verband fordert Klubs zum Handeln auf - präsentiert aber keine Lösung 

Deshalb sind die Vereine von der FIFA aufgefordert, auslaufende Verträge bis zum Ende der laufenden Spielzeit zu verlängern. Das könnte in einigen Fällen allerdings leichter gesagt sein, als getan. Was, wenn ein Spieler partout nicht verlängern möchte? Für diesen Fall präsentiert der Verband keinen Ansatz.

Außerdem appelliere die FIFA an Klubs und Spieler, sich auf Lohnkürzungen zu einigen, berichtet die Agentur weiter, der finanzielle Schaden der Corona-Krise solle damit in Grenzen gehalten werden. 

Fußball-Transfers trotz Corona? Das gesamte System beginnt zu wackeln

Erstmeldung vom 18. März: München - Die FIFA hat den Ernst der Lage erkannt. In seiner jüngsten Stellungnahme zur Coronakrise kündigte der Weltverband an, mit der internationalen Fußballfamilie möglicherweise "notwendige Veränderungen" des Transfersystems zu erörtern. Der Grund für diesen außergewöhnlichen Vorgang: Verträge sollen geschützt werden - im Sinne der Spieler, aber auch im Sinne der Klubs.

Transfers trotz Corona? Was passiert, wenn länger gespielt wird? Klubs wollen sich beeilen

Die EM-Verschiebung soll den Ligen und Verbänden Luft verschaffen, um die aktuelle Saison zuende spielen zu können - doch zahlreiche Verträge enden am 30. Juni. Für die Fußballwelt ist es das magische Datum in Zeiten des Virus. Die Ligen und die Spielergewerkschaft FIFPRO haben sich deshalb in einer gemeinsamen Erklärung mit der UEFA verpflichtet, "alle nationalen und europäischen Klubwettbewerbe" bis 30. Juni zu beenden. Dass das Bundesland Baden-Württemberg alle Fußballspiele bis zum 15. Juni verbiete, wurde nun übrigens vom zuständigen Ministerium richtig gestellt.

Corona könnte Saison verlängern: „Das ist echt ein Problem“

Doch was, wenn Corona das verhindert? Wenn doch länger gespielt werden muss? Dann könnten Profis, deren Verträge im Sommer auslaufen, auf der Zielgeraden der Saison den Klub wechseln - sofern die FIFA nicht bald etwas anderes entscheidet. "Wenn also ein Profi von Bayern München auf den Verein zukommt und sagt: Ich gehe jetzt zu Inter Mailand. Dann könnten die Bayern diesen Spieler nicht halten", sagt der renommierte Arbeitsrechtler Johan-Michel Menke im SID-Gespräch. DFB-Präsident Fritz Keller betonte: "Das ist echt ein Problem, da müssen sich die Vereine mit ihren Spielern einig werden."

Menke ist vom Fach, er vertrat Bundesligist FSV Mainz 05 im spektakulären Fall Heinz Müller erfolgreich. Er schätzt, dass durchschnittlich sechs bis sieben Spieler pro Klub betroffen sein könnten. Die Vereine müssten auf jeden einzeln zugehen "und ihn um eine neue Befristung bitten - und der Spieler muss zustimmen". Möchte ein Star gehen, dürfte er "arbeitsrechtlich gesehen wechseln", betont Menke. Stand jetzt.

Transfer-Chaos wegen Covid-19: „Im sommer kein Transferfesnter wie in der Vergangenheit

Auch Menke sieht die FIFA gefordert. "Der Weltverband wird so schnell wie möglich handeln und möglicherweise Vereinswechsel zunächst verbieten müssen", sagt er. Einige nationale Verbände haben die FIFA bereits aufgefordert, dies zu tun. Zumal das Transferfenster aktuell in einigen Ligen wie der nordamerikanischen MLS, der japanischen J-League oder in Brasilien, aber auch in Schweden oder Norwegen geöffnet ist. Nicht wenige befürchten chaotische Zustände. "Mein gesunder Menschenverstand sagt auch, dass es im Sommer kein Transferfenster wie in der Vergangenheit wird", sagte Oliver Mintzlaff, Geschäftsführer von RB Leipzig, am Mittwoch.

Fußball: Finanzielles Desaster wegen Pandemie - am Ende muss der Staat aufkommen

Corona stellt die Klubs aber noch vor ganz andere arbeitsrechtliche Herausforderungen. Sie müssen etwa ihre Spieler weiter bezahlen, "solange die Spiele lediglich zum Gesamtschutz abgesagt sind", wie Menke erläutert. Beurlaubungen seien zwar möglich, "allerdings nur mit Einverständnis der Spieler". Dasselbe gilt für Kurzarbeit, die der Jurist der Wirtschaftskanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek "ein sehr gutes Instrument" vor allem für kleinere Klubs unterhalb der 1. und 2. Bundesliga hält, um das finanzielle Überleben zu sichern.

Sollte ein Profi am Virus erkrankt* und/oder in Quarantäne sein, hat er - zunächst für sechs Wochen - Anspruch auf Lohnfortzahlung. Notfalls muss dafür der Staat aufkommen, auch für die Millionengehälter der Topstars. Diesen empfiehlt Menke jedoch, ganz oder teilweise auf ihr Gehalt zu verzichten - zum Wohle ihrer Klubs.

Wie sehr die ganze Welt von der Pandemie gebeutelt wird, bleibt auch Bundestrainer Joachim Löw nicht verborgen. „Die Erde stemmt sich gegen die Menschen“, lautet seine unheilvolle These.

SID mm th om

*tz.de und Merkur.de sind Teil des bundesweiten Redaktionsnetzwerks von Ippen-Digital.

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