Bundestrainerin Silvia Neid lobt Abwehrchefin Annike Krahn

"Keine grazile Spielerin - muss sie aber auch nicht"

Nationalmannschaft der Frauen, Annike Krahn, Fußball WM der Frauen
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Annike Krahn (r.) stand bisher in jedem WM-Spiel in der Startelf.

Montreal - Annike Krahn wird gelegentlich für ihren rustikalen Spielstil belächelt. Bei der WM unterstreicht die erfahrene Abwehrchefin ihre wichtige Rolle im deutschen Team.

Auf Annike Krahn lässt die Fußball-Bundestrainerin nichts kommen. „Wehe, es sagt mir noch mal irgendjemand was über meine Annike“, sagte Silvia Neid, als in einer Presserunde in Montreal der Name ihrer Abwehrchefin fiel. Die 29-Jährige, die wegen ihres mitunter hölzernen Spielstils häufiger mal kritisiert wird, sei im WM-Viertelfinale gegen Frankreich (5:4 i.E.) schlicht „der Wahnsinn“ gewesen. 

Überragende Zweikampfbilanz gegen Frankreich

Untermauert wurde Neids Lobeshymne von zwei Statistiken: Die Innenverteidigerin hatte die meisten Ballkontakte aller Spielerinnen (91) und gewann 91 Prozent ihrer Zweikämpfe. Vor dem Achtelfinale gegen Schweden hatte Gegnerin Caroline Seger noch geunkt, die „langsame“ Innenverteidigung mit Krahn und Saskia Bartusiak sei die Achillesferse der deutschen Mannschaft - die DFB-Auswahl siegte bekanntlich mit 4:1. 

Fehlende Schnelligkeit macht die Weltmeisterin von 2007 im Stellungsspiel mit der Erfahrung von 122 Länderspielen wett. „Sie ist keine grazile Spielerin, das muss sie aber auch nicht mehr werden. Sie ist immer da, hat immer einen Fuß dazwischen“, schwärmte Neid: „Was sie da abläuft und wie sie die Mannschaft von hinten organisiert, das ist echt klasse.“ 

Die Bochumerin ist eben durch und durch eine verlässliche Malocherin. Sie spielt so schnörkellos, wie sie sich mit ihrer Ruhrpott-Mentalität auch abseits des Platzes gibt. Selbst drei Jahre beim Star-Ensemble von Paris St. Germain haben zwar ihr Französisch verfeinert, am Charakter der kernigen und humorvollen Krahn aber rein gar nichts verändert. „So lange ich die Annike kenne, ist die Annike die Annike. Du weißt immer, was du an ihr hast“, sagte Neid. 

Zweikampfstark auf dem Spielfeld und eloquent neben dem Platz

Unverblümt und erfrischend direkt beantwortet sie auch nach großen Spielen die Fragen der Reporter - wie nach dem Nervenkrieg gegen Frankreich. „Sie sind selbst schuld, wenn sie ihre Chancen nicht reinmachen. Da kann ich ihnen auch nicht helfen. Klar war es letztlich glücklich. Aber das ist mir auch egal“, sagte Krahn, die bei der Abstimmung auf der DFB-Homepage von den Fans vor Elfmeter-Heldin Nadine Angerer zur „Spielerin des Spiels“ gewählt wurde. 

Die Rolle als Turm in der Schlacht wird ihr in Zukunft auch im Verein zukommen. Kurz vor WM-Beginn gab die studierte Sportwissenschaftlerin überraschend bekannt, dass sie zu Bayer Leverkusen wechselt - einem Verein, der auf Nachwuchs-Spielerinnen setzt und weit entfernt davon ist, um Titel mitzuspielen. Krahn wird in der jungen Mannschaft und in der Zusammenarbeit mit Trainer Thomas Obliers, den sie aus Duisburger Zeiten bestens kennt, wohl auch die Rolle einer Mentorin übernehmen. Weitere Medaillen werden nach zwei EM-Titeln, zwei DFB-Pokalsiegen und einem Triumph im UEFA-Pokal wohl eher nicht mehr hinzukommen. Mehr Spielzeit als zuletzt in Paris und die Rückkehr ins heimische Nordrhein-Westfalen waren ihr offenbar wichtiger. 

Wofür Krahn sonst noch im deutschen Team zuständig ist, verriet unlängst Alexandra Popp auf einer Pressekonferenz: „Annike ist unsere Kleiderfrau. Sie legt fest, welcher Teamanzug an welchem Tag zu welcher Gelegenheit angezogen wird.“ Außerdem gilt sie als wandelndes Archiv, weiß alle Länderspiel-Ergebnisse aus den vergangenen Jahren. Auf Annike Krahn ist eben Verlass.

sid

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