Kühne „muss endlich liefern“

Hamburger SV: Hausgemachte Unruhe – Ex-Präsident Hunke gegen HSV-Investor Kühne

Stunk beim Hamburger SV. Eigentlich sollte der Fokus der Rothosen dem letzten Spiel der Saison gegen Sandhausen gelten. Doch ehemalige HSV-Funktionäre stänkern gegen Investor Klaus-Michael Kühne und erzeugen Unruhe.

  • HSV*-Investor Kühne am Pranger: Ex-Präsident Hunke rechnet ab.
  • Unruhe vor Sandhausen-Spiel: Bruchhagen glaubt nicht an Aufstieg.
  • Bleibt Coach Dieter Hecking* auch in Liga 2? „Spricht nichts dagegen“.

Hamburg - Am Sonntag, 28. Juni 2020 wird sich entscheiden, wohin die Reise für den Hamburger SV geht. Im Optimalfall bezwingen die Rothosen den SV Sandhausen* und verabschieden sich zumindest ein wenig versöhnlich von ihren Fans aus der Saison 2019/2020 in der 2. Fußball-Bundesliga. Sollte der FC Heidenheim zeitgleich gegen Spitzenreiter Arminia Bielefeld verlieren, lebt die Hoffnung für den HSV hingegen weiter. Per Live-Ticker sind wir mittendrin.

In diesem Fall würde der Ex-Bundesliga-Dino doch noch die Relegation erreichen und hätte in zwei zusätzlichen Spielen die Chance, nach zweijähriger Abstinenz ins Fußball-Oberhaus zurückzukehren. Zunächst einmal gilt der Fokus von HSV-Coach jedoch den Sandhäusern. Damit dieser gewahrt werden kann, müssen Querelen rund um Investor Klaus-Michael Kühne ausgeblendet werden. Dieser wird nämlich von Ex-Präsident Jürgen Hunke und Heribert Bruchhagen, einst Vorstandsvorsitzender der Hamburger*, hart angegangen.

Unternehmer:Klaus-Michael Kühne
Geboren:2. Juni 1937 (Alter 83 Jahre), Hamburg
Vermögen:15,6 Milliarden USD (2020)
Ehepartnerin:Christine Kühne (verh. 1989)
Ausbildung:Heinricht-Hertz-Schule
Großelternteil:August Kühne

Hamburger SV: Unruhe durch ehemalige HSV-Entscheider - Bruchhagen und Hunke ätzen gegen Fußball-Zweitligist

Kaum ist die Last-Minute-Niederlage in Heidenheim, die im Netz mit ordentlich Häme quittiert wurde*, verdaut, kommt es erneut zu Unruhen beim Hamburger SV. Diese werden von Ex-HSV-Präsident Jürgen Hunke, der von November 1990 bis Oktober 1993 im Amt war, und Heribert Bruchhagen, ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender des Vereins von der Elbe*, evoziert.

„Das Chaos beim HSV beobachte ich schon lange. Nach wie vor bin ich natürlich traurig darüber, was in dieser tollen Stadt aus dem Klub mit seiner 125 Jahre langen Geschichte geworden ist“, heißt es zunächst einmal von Hunke im „sport1“-Interview. „Ich habe es aber so kommen sehen. Selbst in der Relegation würde es der HSV nicht schaffen“, zeigt sich der aus Gütersloh stammende Unternehmer hinsichtlich eines Aufstiegs seines ehemaligen Vereins wenig zuversichtlich.

Bruchhagen, der als Spieler und Trainer im Geburtsort Hunkes tätig war, schlägt in eine ähnliche Kerbe. „Was beim HSV passiert, überrascht mich nicht. Alle handelnden Personen werden scheitern, weil die Mannschaft nicht genug Qualität hat", geht der Fußballfunktionär hart mit den Rothosen ins Gericht. Der 71-Jährige, von Dezember 2016 bis März 2018 mit einem Engagement bei den Hamburgern, präsentiert sich aber auch selbstkritisch.

„Wir alle haben nicht dafür sorgen können, dass bessere Spieler kommen, sondern eine viel zu schlechte Mannschaft zusammengestellt“, gibt Bruchhagen in der Retrospektive zu. Er heuerte damals in einer prekären Situation beim HSV an, verpflichtete Markus Gisdol als Trainer und konnte mit diesem im Mai 2017 den Klassenerhalt feiern. „Nachdem wir in der Saison danach die ersten beiden Spiele gewonnen haben, dachte ich, dass wir gut genug sind für die Bundesliga. Das war eine Fehleinschätzung", spricht der unter anderem auch für Eintracht Frankfurt tätig gewesene Bruchhagen vom Anfang des Endes.

Hamburger SV: Ex-Präsident Jürgen Hunke rechnet mit HSV-Investor Klaus-Michael Kühne ab

Die Suppe können nun anders auslöffeln. Coach Dieter Hecking, HSV-Präsident Marcell Jansen*, Sportvorstand Jonas Boldt, das Team rund um Kapitän Aaron Hunt* - sie alle sind gefordert. Jeder einzelne Spieler der Hamburger steht unter Beobachtung und muss sich für die kommende Saison, unabhängig von der Ligazugehörigkeit, empfehlen. Dies gilt nicht zuletzt für den Trainer, der es sich grundsätzlich vorstellen kann, in Liga 2 zu bleiben. „Die Bereitschaft ist immer noch da. Von meiner Seite spricht nichts dagegen", verkündete Hecking auf der Pressekonferenz am Montag, 22. Juni.

Jonas Boldt hat mir gegenüber signalisiert, dass ich sein erster Ansprechpartner bin. Wir sind beide ganz klar, wie wir mit der Situation umzugehen haben“, ließ der Trainer-Veteran verlauten. Heißt im Klartext: „Es ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, um über den Trainervertrag zu reden, der Fokus gilt Sandhausen“. Dieser könnte durch die weiteren Aussagen Hunkes getrübt werden.

„Bei allem, was die Leute da gemacht haben, ging es nicht darum, dem HSV zu helfen, sondern die meisten, die dort Verantwortung übernommen haben, wollten sich nur selbst helfen“, ätzt der ehemalige Präsident der Rothosen gegen die einstige Führungsebene. Besonders eingeschossen hat sich Hunke aber auf den Investor der Hamburger, Klaus-Michael Kühne. Der 83-jährige Unternehmer hat seit Sommer 2010 immer wieder Gelder in Millionenhöhe in den Verein investiert, um Spielertransfers zu realisieren, Anteile der HSV Fußball AG zu kaufen, die Namensrechte am Stadion zu erwerben und letztendlich auch die Lizenz zu sichern.

Nichtsdestotrotz oder gerade wegen des enormen Einflusses von Kühne sieht Hunke in dem gebürtigen Hamburger das größte Problem des HSVs. „Er hat Geld, aber kein Format. Das habe ich vom ersten Tag gedacht. Ich will Kühne gar nichts Böses, aber er muss jetzt endlich liefern, den Verein entschulden und nicht immer nur nachts per Mail Befehle herausgeben und fordern, wer entlassen werden soll“, watscht der Ex-Präsident den Investor ab. „Dieses Verhalten gibt es in Fußball-Europa nur einmal. Und das führt zu diesen Ergebnissen. Alle leiden unter Kühne, denn es gibt gar keine Kommunikation mehr. Kühne soll den Schaden, den er angerichtet hat, wieder gut machen", fordert Hunke.

Trotz weißem Gewand steht Ex-HSV-Präsident Jurgen Hunke nicht für Frieden oder Unschuld. Im Gegenteil: der Unternehmer rechnet mit Investor Klaus-Michael Kühne ab. (Archivbild)

Bald in einer Liga? Nordklubs HSV, Sankt Pauli und Werder Bremen in den Farben getrennt, in der Gemütszuständen vereint

Auch am Aufsichtsrat lässt der 77-Jährige kein gutes Haar. „Da arbeiten nur Leute, die gar keine Verbindung zum HSV haben. Die tun so, als würden sie etwas vom Fußball verstehen“. Und auch Kühne darf noch einmal dran glauben. „Der HSV wird nie mehr gesund, weil er abhängig ist von ihm. Er macht, was er will, obwohl er nur Minderheitsgesellschafter ist. In der Wirtschaft wäre so was gar nicht möglich“, zeigt Hunke Unverständnis für die Macht des Investors. Und auch Rothosen-Idol Felix Magath straft die Hamburger ab*.

Dissonanzen und verbale Störfeuer dieser Art müssen in der Trainingswoche bis hin zum Spiel gegen Sandhausen von allen beim HSV ausgeblendet werden. Vielmehr geht es darum, nicht erneut nach einer eigenen Führung einzuknicken, wie es beispielsweise gegen Holstein Kiel geschehen ist*. Auch Spekulationen um mögliche Neuzugänge*, allen voran Heidenheim-Star Niklas Dorsch, dürfen nicht das hier und jetzt bestimmen. Denn nur so kann die Restchance auf die Relegation aufrecht erhalten werden.

In dieser würde es entweder zum Duell mit Fortuna Düsseldorf oder dem ewigen Nordrivalen, dem SV Werder Bremen*, kommen. Auch das Team von der Weser hofft weiterhin auf die letzte Ausfahrt Richtung „Nachsitzen“ und den damit verbundenen zwei Spielen um den Klassenerhalt. Mindestvoraussetzung für Platz 16 ist ein Sieg gegen den 1. FC Köln. Gelingt dieser nicht, ist es egal, wie Düsseldorf spielt. Damit würden die Bremer nach 40 Jahren Erstligazugehörigkeit den bitteren Gang ins Unterhaus antreten. Speziell für Oldie“ und Spaßvogel Claudio Pizarro* hätte dies einen mehr als faden Beigeschmack, der mit Werder Bremen deutlich bessere Zeiten erlebt hat.

Von diesen wird auch beim FC Sankt Pauli* geträumt. Längst passe sind die Tage, an denen man sich als „Weltpokalsiegerbesieger" rühmen konnte und, zumindest auf dem Papier, in einer Liga mit Rekordmeister Bayern München* spielte. Es wird dringend frischer Wind beim Verein von der Reeperbahn* benötigt, um zumindest mal wieder eine sorgenfreie(re) Saison spielen zu können. Der erste Schritt: die Trennung von Noch-Trainer Jos Luhukay*, der die Braun-Weißen nur noch am 34. Spieltag betreuen wird. Das Ende einer längst gescheiterten Fußball-Ehe. // Quelle: 24hamburg.de-HSV

* 24hamburg.de, deichstube.de, merkur.de und nordbuzz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/dpa/picture alliance

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