„Nur“ 600.000 Euro

HSV: Jonas Boldt knallhart – „Mini-Gehälter“ für Aaron Hunt und Bobby Wood

Der HSV greift durch. Sportvorstand Jonas Boldt hat angekündigt, dass in Zukunft HSV-Spieler mit „Mini-Gehältern“ auskommen müssen. Dürfen die das?

  • Hamburger SV* will Gehaltsobergrenze für Spieler einführen.
  • Neue HSV-Kicker sollen nur noch 600.000 Euro jährlich verdienen.
  • Coronavirus-Sars-CoV-2*-Krise zwingt Profivereine zum Sparen.

Hamburg - Der Hamburger SV hat Probleme an allen Ecken und Enden und präsentiert eine erschreckende Jahresbilanz*. Dies resultiert nicht zuletzt aus der angespannten Finanzlage, die es aktuell schier unmöglich macht, seriös und zuverlässig zu planen. Ein Resultat der Coronavirus-Sars-CoV-2-Krise, die Schäden in Millionenhöhe verursacht. Als Konsequenz dessen greift HSV-Sportvorstand Jonas Boldt laut Informationen der „Sport Bild“ knallhart durch - und legt eine Gehaltsobergrenze für neue Rothosen-Kicker fest. Ist dies in der Praxis umzusetzen?

Fußballverein:Hamburger SV
Trainer:Daniel Thioune
Vorsitzender:Marcell Jansen
Gründung:29. September 1887, Hamburg
Vorstand:Jonas Boldt (Sport); Frank Wettstein (Finanzen, Recht & Personal)
Farben:Blau-Weiß-Schwarz

Sportvorstand Jonas Boldt erwägt Gehaltsobergrenze für neue HSV-Kicker - nur noch 600.000 für Spieler

Der HSV hat den Aufstieg auf ganzer Linie vergeigt und muss mindestens ein weiteres Jahr in der 2. Fußball-Bundesliga auflaufen. Von Trainer Dieter Hecking* wurde sich getrennt, die Weichen für die Zukunft werden peu á peu gestellt. Am Montag, 6. Juli 2020 wurde mit Daniel Thioune der neue Chefcoach der Hamburger* vorgestellt, der sich schon Ratschläge und Belehrungen von zwei Kollegen* anhören durfte.

HSV-Sportvorstand Jonas Boldt will eine Gehaltsobergrenze beim Hamburger SV einführen. Zukünftig sollen neue Spieler keine Millionengehälter mehr, sondern nur noch 600.000 Euro im Jahr verdienen. (Archivbild)

Der neue Übungsleiter an der Elbe*, aber auch Sportvorstand Jonas Boldt und HSV-Präsident Marcell Jansen*, um den ein Machtkampf im Hintergrund* tobt, sind gefordert, eine Mannschaft zusammenzustellen, die im dritten Anlauf die Rückkehr ins Fußball-Oberhaus bewerkstelligt. Ein Unterfangen, das alles andere als leicht wird, ist der ehemalige Bundesliga-Dino doch zum Sparen verdammt. Durch den Abflug von Hauptsponsor „Emirates“* entgehen den Hamburgern* 1,4 Millionen Euro jährlich.

Hinzukommt, dass Investor Klaus-Michael Kühne nicht mehr länger für die Namensrechte am traditionsreichen „Volksparkstadion“ zahlen wird, wodurch ein finanzielles Defizit von vier Millionen Euro entsteht, die sich der Unternehmer die Namensrechte hat kosten lassen. Um dem entgegenzuwirken, wird bereits überlegt, zahlungskräftige Sponsoren an Land zu ziehen, wodurch der Name der Rothosen-Spielstätte mal wieder geändert werden könnte. Zum Unmut der Ultras*, die lautstark gegen dieses Vorhaben protestieren.

HSV-Spieler wie Bobby Wood könnten zeitnah auf dem Boden der finanziellen Tatsachen landen. Denn der Sportvorstand des Hamburger SVs, Jonas Boldt, denkt über Gehaltsobergrenzen nach. (Archivbild)

Auf wohlwollendes Zustimmen könnte hingegen die Ankündigung Boldts stoßen, den Gürtel enger schnallen zu wollen. Konkret ist hiermit gemeint, dass aus Kostengründen eine Gehaltsobergrenze für alle Neuverpflichtungen der Hamburger eingeführt werden soll. Dies würde bereits Defensiv-Rambo Klaus Gjasula betreffen, Ex-Spieler des SC Paderborns, der am Mittwoch, 15. Juli als neuer Mann des Hamburger SVs* präsentiert wurde. Die Gehaltsobergrenze soll bei 600.000 Euro jährlich liegen, etwaige Boni-Zahlungen sind hier aber noch nicht mit eingerechnet. Ein Spieler, der in das enge finanzielle Konzept passen könnte, ist Werder Bremens Ersatzkeeper Stefanos Kapino*. Aus der finanziellen Not könnte auch eine Tugend werden, wenn der Nachwuchs stärker gefördert wird*. Dafür ist jetzt unter anderem Horst Hrubesch als „Direktor Nachwuchs“ und Leiter des Nachwuchsleistungszentrums* zuständig.

Hamburger SV: Coronavirus-Sars-CoV-2 schränkt HSV-Planungen stark ein - verzichten neue Stürmer auf ein Millionengehalt?

Dies wäre ein klares Zeichen und ein starkes Signal in Zeiten von Coronavirus-Sars-CoV-2, das finanzielle Einschnitte im Grunde unumgänglich macht. Boldts Ankündigung, von der die „Sport Bild“ zu berichten weiß, ist aber noch nicht spruchreif und wirft zugleich eine weitergehende Frage auf: Wie wird zukünftig mit dem Gehalt der bereits vorhandenen HSV-Spielern verfahren? Bobby Wood* beispielsweise, Teilzeit-Offensivkraft der Rothosen mit akuten Ladehemmungen, erhält aktuell ein Jahres-Salär von 2,1 Millionen Euro. Eine fürstliche Entlohnung, wird berücksichtigt, dass „nur“ von der zweiten Liga gesprochen wird und der 27-Jährige in der Saison 2019/2020 auf lediglich sechs Einsätze für den HSV kam - mit gerade einmal 152 Minuten Spielzeit.

Wären die Hamburger doch noch ins Fußball-Oberhaus aufgestiegen, was durch die desolate 1:5-Niederlage gegen Sandhausen* schnell in weite Ferne geriet, hätte Bobby Wood gar mit einem Jahresgehalt von 3,5 Millionen Euro planen können. Auch vermeintliche Leistungsträger wie Kapitän Aaron Hunt*, der eine Werder Bremen*-Vergangenheit aufweist, fallen aus dem Raster. Der 33-Jährige soll beim HSV mehr als eine Million Euro Fixgehalt bekommen - plus nicht konkret bezifferte Prämien.

Dies könnte auf Dauer nicht mehr tragbar sein, da neben Gjasula weitere neue Spieler verpflichtet werden sollen, für die es das nötige „Kleingeld“ bedarf. Einer dieser Kicker könnte Sturm-Granate Manuel Schäffler* sein, die mit dem SV Wehen Wiesbaden aus der zweiten Liga abgestiegen war. Weitere Offensivpower würden ein „Paris-Schreck“ und das „dänische Dynamit“ Gytkjaer* versprechen. Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass all diese Namen dazu bereits sind, keine Gehälter in Millionenhöhe zu verdienen. Ein möglicher Wechsel von Filip Kostic nach Mailand* könnte die finanzielle Situation unerwartet entspannen.

Hamburger SV: Ist die Gehaltsobergrenze im Profi-Fußball umsetzbar? Schalke 04 als Vorbild für den HSV

Die zunächst noch theoretische Überlegung von HSV-Sportvorstand Jonas Boldt, der mit einem Wechsel zur AS Rom in Verbindung gebracht wird*, bedarf auf jeden Fall eine Überprüfung hinsichtlich ihrer Tauglichkeit in der Praxis. Schon der Bundestag hatte 2019 eine Gehaltsobergrenze für Manager beschlossen. Dementsprechend müssen börsennotierte Unternehmen den Verdienst ihrer Top-Leute künftig begrenzen. Ist dies aber auch im bezahlten Fußball möglich? Karl-Heinz Rummenigge, Boss vom FC Bayern München*, hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach darauf verwiesen, dass solche eine Gehaltsobergrenze nicht mit dem gelten EU-Recht zu vereinbaren wäre.

Ein Problem, das auch von Martin Schimke erkannt wurde. Der Anwalt für Sportrecht sieht in einer eventuellen Gehaltsobergrenze eine Einschränkung mehrerer europäischer Grundrechte. Denn in diesem Fall käme es zu Beschneidungen der Vertragsfreiheit sowie der Berufs- bzw. Arbeitnehmerfreiheit. Alternativ könnte über einen Tarifvertrag nachgedacht werden. In diesem würden Gehaltsgrenzen festgeschrieben werden, sowohl nach oben als auch nach unten. Dafür setzt sich die Spielergewerkschaft VdV (Vereinigung der Vertragsfußballspieler) seit mehreren Jahren ein.

„Eine für die Clubs verbindliche Salary-Cap-Lösung ließe sich gegenwärtig nur auf tarifvertraglicher Grundlage umsetzen“, heißt es von VdV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky. Um solch einen Vertrag um- bzw. durchzusetzen benötigt es allerdings eine starke, sozialmächtige Spielergewerkschaft. Zudem müsste eindeutig geklärt werden, wer der Vertreter der Arbeitgeber-Seite ist. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) scheidet schon mal aus, da für die 36 Profivereine aus Liga eins und Liga zwei die Mitgliedschaft in dieser verpflichtend ist. Und Freiwilligkeit ist letztendlich die elementare Basis und Vorraussetzung für einen Arbeitgeberverband.

Deswegen deutet derzeit alles auf nur eine Lösung hin: Die Clubs, die eine Gehaltsobergrenze anvisieren, müssen nach eigenem Gusto handeln und sich hinsichtlich der Bezahlung ihrer Spieler selbst beschränken. Mit gutem Beispiel vorangegangen ist bereits der FC Schalke 04, der seine Spielergehälter laut offiziellen Aussagen auf 2,5 Millionen Euro gedeckelt hat*. Zwar immer noch rund viermal so hoch, wie es der Hamburger SV anstrebt, doch zumindest ein Anfang. Die (nähere) Zukunft wird zeigen, ob weitere Vereine nachziehen und dem Wahnsinn um zum Teil exorbitant hohe Millionenbeträge im Profi-Fußball ein Ende bereiten. Zwar hat der HSV so drei erfahrene Profis holen können, doch die Aufstellung bereitet Daniel Thioune, dem Trainer des Hamburger SV, trotzdem Sorgen*. * 24hamburg.de, deichstube.de, merkur.de und wa.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Daniel Reinhardt/dpa/picture alliance

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