Diskussionen um Elfmeter

Handspiel-Chaos bei Bayern-Sieg über Schalke - Fan mit Extrem-Reaktion: Staatsanwalt im Einsatz

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Corentin Tolisso (l.) und sein Bayern-Kollege Joshua Kimmich setzten sich gegen Amine Harit und Schalke 04 durch.

Der FC Bayern München setzte sich im Bundesliga-Topspiel mit 3:0 bei Schalke 04 durch. Nach der Partie waren vor allem ausbleibende Hand-Elfmeter das Thema - und sind es immer noch.

Update vom 27. August, 14.25 Uhr: Die nicht gegebenen Elfmeter für den FC Schalke 04 im Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Bayern München (0:3) beschäftigen nun sogar die Polizei. Ein Schalke-Anhänger hat Anzeige gegen den Schiedsrichter Marco Fritz und den Videoassistenten Bastian Dankert erstattet. Der Vorwurf: Betrug. Die Polizei Gelsenkirchen machte den Vorgang am Dienstag über Twitter öffentlich.

„Das Spiel #S04FCB beschäftigt Schalke-Fans und nun auch die Polizei“, twitterte die Behörde - nach eigenem Bekunden mit einem Augenzwinkern. Tatsächlich, so ein Polizeisprecher, sei die Anzeige ganz offiziell über das Internetportal der NRW-Polizei erstattet worden. Wie in solchen Fällen üblich, werde sich die Polizei nun mit der Staatsanwaltschaft absprechen. „Wenn die Sache bei uns eingeht, werden wir das prüfen“, sagte eine Sprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft Essen der Deutschen Presse-Agentur.

Nicht gegebene Elfmeter: Polizei kontert Nachfrage mit Humor

Schalke-Fans sollten sich aber nicht allzu viel Hoffnung machen - eine Strafanzeige löst nur in ernsten Fällen auch offizielle Ermittlungen aus. Und richtig ernst konnten auch die Ermittler gestern nicht bleiben. So antwortete die Polizei bei Twitter auf die Nachfrage eines Nutzers, ob man sich auch wegen Spielen gegen Stuttgart oder Aue melden könne: „Melden können Sie sich immer bei uns. Wir würden auch Taschentücher stellen, wenn die letzten Tränen noch nicht getrocknet sind.“

Schalke 04 gegen den FC Bayern München - seit jeher ein Duell mit viel Feuer. Am zweiten Bundesliga-Spieltag hatten die Knappen den Rekordmeister nun wieder zu Gast, am Ende stand ein deutlicher Sieg für die Gäste zu Buche: Der Titelverteidiger gewann mit 3:0.

Vor allem ein Mann drückte der Partie (Live-Ticker zum Nachlesen bei tz.de*) seinen Stempel auf: Robert Lewandowski. Der FCB-Mittelstürmer schnürte einen Hattrick, damit hat er in dieser Bundesliga-Saison alle fünf Tore der Münchner erzielt - Weltklasse. Doch bleibt er den Roten erhalten? Nach dem Auswärtserfolg machte er eine vielsagende Aussage zu seiner Zukunft, wie tz.de* berichtet.

Schalke gegen den FC Bayern: Lewandowski mit Dreierpack

Die Zukunft der Bayern - sie wird definitiv auch von Star-Neuzugang Philippe Coutinho geprägt. Er gab am Samstagabend sein Debüt und sprach anschließend über seine ersten Tage in München*. Natürlich freute er sich, dass sein neuer Klub bei seinem ersten Einsatz gleich einen 3:0-Sieg einfahren konnte. Dabei hätte es auch wesentlich knapper ausgehen können.

Corentin Tolisso (l.) und sein Bayern-Kollege Joshua Kimmich setzten sich gegen Amine Harit und Schalke 04 durch.

Nämlich dann, wenn Schiedsrichter Marco Fritz auf Handelfmeter für die Schalker entschieden hätte. Dazu hatte er gleich mehrmals die Gelegenheit: Nach 56 Minuten köpfte Matija Nastasic nach einer königsblauen Ecke den Ball auf das gegnerische Tor. Bayern-Verteidiger Benjamin Pavard stand mit dem Rücken zu ihm in der Luft, in seiner Sprung-Bewegung hatte er den linken Arm weit abgespreizt. Nastasics Kopfball landete - aus kürzester Distanz - an Pavards Arm.

Handspiel-Ärger bei Schalke gegen den FC Bayern - Elfmeterpfiff bleibt aus

Die Pfeife von Fritz blieb stumm, auch vom Videoassistenten Bastian Dankert gab es kein Signal. Nach der Partie sagte Schalke-Trainer David Wagner am Mikrofon von Sky: „Der Ball geht aufs Tor, der Arm ist im rechten Winkel abgestreckt. Die Körperfläche ist vergrößert. So wie ich die Regeln verstanden habe, ist das ein Elfmeter. Der Ball geht aufs Tor, aus der Sicht sieht es so aus, dass er ins Tor geht. Ich behaupte nicht, dass es Absicht war.“

Bei zwei weiteren strittigen Szenen hatte Bayern-Neuzugang Ivan Perisic im wahrsten Sinne des Wortes seine Finger im Spiel. Nach einer Stunde spielte Guido Burgstaller die Kugel scharf nach innen, sie touchierte den Kroaten an dessen Arm. Fritz bekam dieses Mal aus dem Kölner Videokeller den Hinweis und überprüfte die Szene - es gab aber keinen Elfmeter. 

Pavard und Perisic mit der Hand am Ball: Schalke nach Pleite gegen FC Bayern verärgert

Nach der Partie waren sich die Experten einig, dass ausgerechnet die einzige Szene, die überprüft wurde, am wenigsten für einen Elfmeter gereicht hätte. Wagner: „Das ist für mich kein Elfmeter. Ich hätte lieber, die anderen beiden wären überprüft worden.“ Trotzdem waren die Schalker schon zu diesem Zeitpunkt, beim Spielstand von 0:2, natürlich verärgert. So sehr, dass sie ihrem Unmut auch über Social Media Luft machten.

Auf Twitter postete S04 ein Bild und beschwerte sich. „Köln könnte sich ja auch mal ab und zu melden“, hieß es. Die klarste Situation sollte aber erst noch kommen: Daniel Caligiuri zog nach 63 Minuten einen Freistoß auf das Bayern-Tor. Perisic stand ganz außen in der Mauer, spreizte seinen Arm ab und fälschte den Ball so zur Ecke ab. Fritz hatte eigentlich optimale Sicht auf das Geschehen - weder er noch der VAR griffen ein.

Wagner wetterte: „Das ist ein klarer Treffer auf die Körperfläche. Wenn man die Bewegung macht, weiß man, was man macht. Das ist für mich der zweite Elfmeter, der nicht gegeben wurde.“ In der Live-Sendung zeigte Sky-Moderator Sebastian Hellmann dann sogar eine Instagram-Story von Wagners Tochter. Lea Wagner, Moderatorin beim SWR, schrieb: „Wenn der Videoschiedsrichter laut Tim Walter (Stuttgart-Trainer, d. Red.) gestern Pausenbrot essen war, war er heute zum 5-Gang-Menü verabredet“.

Hand-Szenen bei Schalke gegen den FC Bayern: Schiedsrichter Marco Fritz begründet Entscheidung

Im ZDF-Sportstudio sagte Schiedsrichter Fritz am Samstagabend: „Ich würde es wahrscheinlich anders entscheiden, kann aber nachvollziehen, dass ich nicht rausgeschickt wurde, weil es keine hundertprozentige Fehlentscheidung von mir war.“ Die erste Situation sei für ihn keine Absicht gewesen. Beim Caligiuri-Freistoß meinte er, dass der Ball klar an die Hand ginge, „sie ist aber nicht abgespreizt“. Auch Bayern-Trainer Niko Kovac wurde vom ZDF befragt. Er sagte über den Freistoß: „Ja, da kann man vielleicht drüber reden, aber nicht über die erste Situation. Benji kriegt den Ball von hinten an den Arm. Er kann ihn sich ja nicht abschneiden.“ 

Die Schalker sahen es natürlich anders. Auf dem offiziellen US-Twitter-Account tauchte kurz nach der Partie ein Bild auf. Darauf zu sehen: Die Bayern-Spieler beim Jubel. Darauf nicht zu sehen: Deren Arme! Die Social-Media-Abteilung hatte diese per Photoshop einfach weggeschnitten, um so auf die ausbleibenden Handelfmeter hinzuweisen. 

Am Sonntagvormittag war das Hand-Chaos auch im Sport1-Doppelpass ein Thema. S04-Sportvorstand Jochen-Schneider sagte: „Ich würde nicht sagen, dass wir verpfiffen wurden. Der Sieg der Bayern war verdient. Aber wenn in einer der Szenen Elfmeter gepfiffen wird, dann steht es vielleicht 2:1 und dann haben wir ein anderes Spiel. Für mich aber ganz wichtig: Das Wort ‚verpfiffen‘ ist komplett deplatziert.“

Handspiel-Ärger zwischen Schalke und FC Bayern: Diskussionen im Sport1-Doppelpass

In der Experten-Runde war aber schnell klar: Warum hat der VAR nicht eingegriffen? „War da gestern Bondage-Abend und alle waren gefesselt?“, fragte Michael Makus von der Bild. Das Publikum reagierte mit Lachern, auch in den sozialen Netzwerken waren die Fans amüsiert.

Gute Laune machte auch eine TV-Panne bei Sky. Dort kam der Reporter bei den Ivans aus der kroatischen Nationalmannschaft durcheinander - und verpasste Bayern-Neuzugang Ivan Perisic prompt einen neuen Nachnamen, wie tz.de* berichtet. Einen weiteren Neuzugang, den man schon sicher glaubte, scheint der FC Bayern dagegen verprellt zu haben. Bleibt Timo Werner doch in Leipzig?* Außerdem kam es am Rande des Schalke-Spiels zu einem kuriosen Zwischenfall. Ein Fan verfuhr sich auf dem Heimweg vom Stadion auf der Autobahn und tauchte erst zwei Tage später wieder auf.

*tz.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

akl

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