Zweitligist hat Geldsorgen

HSV-Corona-Pleite: Insolvenz oder Rettung? Wettstein redet Klartext

Die Corona-Pandemie kostet Fußballvereine der ersten und zweiten Bundesliga Millionen. Auch der HSV ist betroffen. Finanzchef Frank Wettstein macht Ansage.

  • Beim HSV fehlen aufgrund der Corona-Pandemie mehrere Millionen an Einnahmen.
  • Finanzchef Frank Wettstein muss Sparpotentiale finden.
  • Übersteht der HSV die Krise oder hat er echte Existenz-Sorgen?

Update vom Dienstag, 9. Februar 2021, 7:55 Uhr: Hamburg – Dass der Hamburger SV, was die finanzielle Situation angeht, nicht gerade rosige Zeiten erlebt, dürfte jedem Fußballfan mittlerweile bekannt sein. Jetzt verschärft die Corona-Krise diese Situation zusätzlich. Weil wegen der Pandemie keine Fans ins Volksparkstadion dürfen, verliert der HSV jeden Heimspiel-Tag wichtige Einnahmen in Millionenhöhe. Mittlerweile hat der Verein den Dauerkartenverkauf endgültig abgesagt und geht davon aus, dass er die Saison ohne Zuschauer zu Ende spielen wird. Aber packt der Verein das auch finanziell?

Die Sorgen sind groß bei den Fans des HSV. Immerhin kostet jedes Geisterspiel den Verein 1,5 Millionen Euro. Bei 17 Heimspielen würde das einen Verlust von 25,5 Millionen Euro bedeuten. Gut, dass in der Hinrunde zumindest ein paar Spiele vor wenigen Zuschauern ausgetragen werden konnte. Fans, die einen Dauerkartenpfand eingezahlt hatten, können diesen Betrag in Höhe von 50 Euro auch jetzt dem Verein überlassen. Das Geld soll dann auf die nächste Dauerkarte angerechnet werden. Finanzvorstand Frank Wettstein äußerte sich nun zu einer möglichen Pleite oder Insolvenz des Vereins und versprach: „Diese Pandemie wird die Existenz des HSV nicht bedrohen“.

Fußballverein:Hamburger SV
Gegründet:29. September 1887
Stadion:Volksparkstadion
Kapazität:57.000
Ligazugehörigkeit2. Fußball-Bundesliga
Cheftrainer:Daniel Thioune

HSV-Corona-Pleite: Holt Finanzchef Wettstein den Verein aus der Krise?

Hamburg – Die Zahl steht schon seit langem im Raum – und sie ist das, was man gemeinhin so gern mit den Worten „eine echte Hausnummer“ betitelt: rund 25 Millionen Euro an Einbußen musste der Hamburger SV* in der laufenden Zweitliga-Saison 2020/2021 bereits hinnehmen, weil wegen der Corona-Pandemie keine – oder kurzzeitig nur eine geringe Zahl – Zuschauer zu den Heimspielen im Volksparkstadion* zugelassen sind. Das Coronavirus macht quasi die Kassen leer – und HSV-Finanzchef Frank Wettstein muss die Aufgabe leisten, nochmal neue Mittel und Wege zu finden, weiter zu sparen.

HSV: Präsident Marcell Jansen will Handlungen „immer wieder anpassen“

„Wir müssen weiter wachsam bleiben und gegebenenfalls unsere Handlungen immer wieder auf die Entwicklungen und Auswirkungen der Pandemie anpassen“, sagt HSV-Präsident Marcell Jansen, der zugleich auch Aufsichtsratsvorsitzender der „Rothosen“ ist und momentan einen heftigen Machtkampf im Präsidium an der Backe hat, in dem es auch um die Rolle von Investor Klaus-Michael Kühne geht – wieder einmal. Nur gut, dass wenigstens Finanzchef Wettstein in diesen Streit, zumindest öffentlich, noch nicht hinein geraten ist.

HSV-Finanzchef Frank Wettstein muss das Geld zusammenhalten und eventuell neue Möglichkeiten finden, an Kohle zu kommen. (24hamburg.de-Montage)

Denn so kann der „Mann des Geldes“ immerhin das machen, was für den HSV wichtig ist: die Kasse und damit auch den HSV selbst am Laufen halten, mögliche Einspar-Potenziale sichten und umsetzen – und vielleicht hinter den berühmten verschlossenen Türen auch darüber nachdenken, welche Methode es noch geben könnte, mit der der Traditionsverein aus Hamburg* wenigstens den einen oder anderen weiteren Euro ins klamme Portemonnaie bekommt.

HSV: Es wird angeblich über einen weiteren Gehaltsverzicht der Mannschaft diskutiert

Zum besseren Verständnis: Mit den rund 1,5 bis zwei Millionen, die dem HSV pro Heimspiel an Zuschauer-Einnahmen fehlen, und die sich zu rund 25 Millionen Euro summieren, ließe sich laut BILD-Zeitung der komplette Gehalts-Etat der Profis stemmen. So aber soll angeblich ein weiterer Gehaltsverzicht der Mannschaft von Trainer Daniel Thioune* wie schon beim ersten Lockdown im Frühjahr diskutiert werden. Sportvorstand Jonas Boldt hatte zuvor bereits eine Gehaltsobergrenze von 600.000 Euro in Erwägung gezogen.

Eine fast so hohe Summe, wie sie durch die nicht vorhandenen Zuschauer-Einnahmen fehlt, gibt’s durch den Verkauf des Stadiongeländes. Die Verträge dazu sollen noch im Januar unterschrieben werden, das Geld bekommt der HSV dann im Sommer. Zudem, so die „Bild“-Zeitung, habe der HSV eine Kreditlinie in Höhe von 18 Millionen Euro an finanziellem Spielraum für die Rückrunde. Große Sprünge auf dem Transfermarkt aber wollen sich Sportvorstand Jonas Boldt* und Sportdirektor Michael Mutzel offenbar dennoch nicht leisten. Oder sie können es nicht.

HSV: Bislang sind keine Sponsoren wegen der Corona-Krise abgesprungen

Abseits des Rasenvierecks hat der Zweitligist in der Geschäftsstelle und im HSV-Campus neben dem Stadion die Kurzarbeit ausgebaut. Rund zwei Drittel der Mitarbeiter arbeiten derzeit lediglich zu 80 Prozent, der Stab rund um die Profi-Truppe und die leitenden Angestellten im Nachwuchs sind davon nicht betroffen. Ansonsten aber ist auch der Nachwuchs von der Corona-Krise betroffen– zumindest sportlich. Nur die U21 und die U19 dürfen noch in kompletter Mannschaftsstärke trainieren.

Ein Lichtblick in den schwierigen Zeiten für den HSV: die Sponsoren. Bis dato ist keiner der Partner in der näheren Vergangenheit abgesprungen. Vielleicht ist dies einer der Gründe dafür, dass Marcell Jansen* die Angst vieler um den Zweitligisten nicht teilen kann. „Ich sehe den HSV auf einem sehr guten, dem richtigen Weg“, sagt er. „Wir sind ein Verein, der nur vereint zu Erfolg kommt. Es ist wichtig, dass wir weiterhin Nachhaltigkeit und vor allem Stabilität reinbekommen“, ergänzt Marcell Jansen*.

HSV: Präsident Marcell Jansen geht davon aus, dass der HSV nicht in seiner Existenz bedroht ist

Noch mehr: „Nach allem, was wir derzeit wissen und absehen können, wird die Corona-Krise den HSV nicht in seiner Existenz bedrohen“, verspricht der HSV-Präsident, der zusammen mit Wettstein aber auch immer noch eine Option in der Hinterhand hat: weitere Anteile verkaufen und durch einen neuen Investor neue Kohle generieren. Dafür soll eine Umwandlung der HSV Fußball AG in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) her. Das Rechtsmodell, das Erstligist Borussia Dortmund für sich ausgewählt hat

„Fakt ist, dass wir eine inhaltlich starke Diskussion mit der Mitgliedschaft über die Rechtsform führen sollten“, sagt auch Marcell Jansen, der sich gegen Vorwürfe wehrt, er und Wettstein würden die Seele des Vereins verkaufen: „Der HSV ist kein reines Produkt Fußball. Wir müssen unsere Werte und Fan-Kultur schützen. Wie wir das sicherstellen wollen und können, das muss die Diskussion mit den Mitgliedern ergeben.“

HSV: Finanzchef Frank Wettstein berichtet vom Interesse eines ausländischen Investors

Dass der HSV exakt darauf achtet, machte Frank Wettstein schon im Dezember 2020 im Vereinsmagazin „HSV live“ klar: „Offensichtlich werden solche Maßnahmen als naheliegende Lösung zur Bewältigung der finanziellen Herausforderungen eingestuft“, sagte der Finanzvorstand dort und verriet: „Es gab zwar in der Zeit nach dem Abstieg ein konkretes Angebot eines ausländischen Investors, aber in diesem Fall hätte ich mir nicht vorstellen können, dass die Zusammenarbeit zu einer nachhaltigen Entwicklung des HSV positiv geführt hätte.“ *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © MIS/imago images & Oliver Ruhnke/imago images & Revierfoto/imago images

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