Durchwachsene Bilanz

Löw: "Müssen uns zu Siegerteam entwickeln"

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Jogi Löw zieht eine durchwachsene Bilanz

München - Als "ein wenig durchwachsen" bezeichnet Bundestrainer Joachim Löw das Jahr 2012 für die DFB-Auswahl. Erkenntnis: Noch sei seine Mannschaft "ein ganzes Stück weit vom Zenit entfernt".

Silvester verbrachte Joachim Löw mit Freunden. So ganz ohne Fußball. Doch schnell wurde auch der Bundestrainer wieder vom Alltag eingeholt. Der Start ins neue Jahr sei für ihn „eine gute Gelegenheit, um zu reflektieren, um nachzudenken“, wie das alte Jahr gelaufen sei. „Aber natürlich richte ich auch den Blick auf die kommenden Aufgaben“, sagte der 52-Jährige.

Allzu lange will sich Löw nicht mehr aufhalten mit dem Jahr 2012, das er als „ein wenig durchwachsen“ einstuft und in dem die deutsche Nationalmannschaft auch die „ein oder andere Grenzerfahrung“ machen musste. Vielmehr erhofft er sich vom viel diskutierten Halbfinal-Aus bei der EURO oder dem denkwürdigen 4:4 in der WM-Qualifikation gegen Schweden einen nachhaltigen Lerneffekt: „Wir wollen so etwas nicht noch einmal erleben.“

Das gerade begonnene Jahr, an dessen Ende die Qualifikation für die WM 2014 stehen soll, sei deshalb „ein Jahr der Konzentration und dient als Vorbereitung auf das Turnier in Brasilien“, sagt Löw. Auch wenn er keine Titelgarantie geben könne, sehe er gute Perspektiven. „Für uns wäre es das Allergrößte, wenn wir 2014 Weltmeister werden“, betont der Bundestrainer. Noch aber sei seine junge Mannschaft nicht „am Zenit, sie ist noch ein ganzes Stück weit davon entfernt in ihrer Entwicklung, auch bei einzelnen Spielern. Wir werden die Dinge so vorbereiten, dass wir 2014 absolut konkurrenzfähig sind.“

Was die Bundestrainer seit 1964 verdient haben

Was die Bundestrainer seit 1964 verdient haben

Helmut Schön (r.), Bundestrainer zwischen 1964 und 1978, verdiente umgerechnet 80.000 Euro im Jahr. © Getty
Jupp Derwall, Bundestrainer zwischen 1978 und 1984, verdiente umgerechnet 100.000 Euro im Jahr. © Getty
Franz Beckenbauer, Teamchef zwischen 1984 und 1990, verdiente umgerechnet 200.000 Euro im Jahr. © Getty
Berti Vogts, Bundestrainer zwischen 1990 und 1998, verdiente umgerechnet 300.000 Euro im Jahr. © Getty
Erich Ribbeck, Bundestrainer zwischen 1998 und 2000, verdiente 1,2 Millionen Euro im Jahr. © Getty
Rudi Völler, Bundestrainer zwischen 2000 und 2004, verdiente 1,5 Millionen Euro im Jahr. © Getty
Jürgen Klinsmann, Teamchef zwischen 2004 und 2006, verdiente 2,5 Millionen Euro im Jahr (inklusive einer Million Euro garantierter Werbe-Einnahmen). © Getty
Jogi Löw, Bundestrainer seit 2006, verdient bisher 3 Millionen Euro im Jahr. © Getty

Um erstmals seit dem EM-Triumph 1996 wieder den großen Wurf zu landen, will Löw daran arbeiten, „auf diesem schmalen Grat einige Details weiterzuentwickeln.“ Es sei wichtig, betont er, „dass die Lernkurve unserer jungen Mannschaft weiter nach oben geht. Unsere Fußball-Könner, um die wir beneidet werden, müssen sich noch mehr zu einer Siegermannschaft bei einem Turnier entwickeln. Das bleibt das Ziel.“

Siegertypen habe er „auf jeden Fall“ in seinem Team, sagte der Bundestrainer: „Unsere Mannschaft hatte in vielen wichtigen Spielen die richtigen Lösungen parat. Wir hatten oft diese Mentalität auf dem Platz. Wichtig wird aber sein, dass wir diese Top-Performance ständig abrufen, um dann bei der WM bis zum krönenden Abschluss durchzukommen. Da fehlen uns noch ein paar Prozent.“

Am 6. Februar 2013 in Paris gegen Frankreich und in den danach folgenden Spielen bleibt laut Löw vor allem die Defensive das Thema: „Das müssen wir stabilsieren.“ Die offensive Spielphilosophie soll aber dabei nicht vernachlässigt werden: „Die Balance ist wichtig.“ Gerade in brenzligen Situationen müsse die Mannschaft „unserem Spielstil, unserem Können treu bleiben“.

Auch Löw will sich treu bleiben, obwohl es 2012 erstmals Kritik an seiner Arbeit und der Nationalmannschaft gab: „Wir sind von unseren Plänen und Zielen absolut überzeugt. Auch die Spieler sind diesen Weg mitgegangen und wollen diesen auch weiter mitgehen. Das ist das alles Entscheidende.“ Er habe das Jahr deshalb auch nicht als das schwierigste seiner Amtszeit empfunden. Es sei klar, dass Dinge hinterfragt würden, „aber so etwas wirft mich nicht aus der Bahn. Ich habe großes Vertrauen in die Mannschaft und stehe zu unserer Philosophie.“

Der Vertrag des Bundestrainers läuft bis nach der WM 2014 in Brasilien, seine Zukunft lässt er weiter offen. „Vor Ende 2013 wird es in dieser Hinsicht keine Gespräche geben. Dazu gibt es auch keine Veranlassung“, sagte Löw dem SID. Zunächst einmal heiße die Zielsetzung WM-Qualifikation, „dann wird man in Ruhe mit dem Verband überlegen, welche weiteren Schritte man einleitet“.

Auch der Antwort auf die Frage, ob er die grundsätzlichen Voraussetzungen für eine Verlängerung sehe, wich Löw aus. „Was man immer beachten muss: Wie ist das grundsätzliche Verhältnis zur Mannschaft? Sind alle bereit, diesen Weg weiterzugehen? Gibt es eine Weiterentwicklung?“, sagte er: „Aber jetzt darüber nachzudenken, was nach 2014 kommt, macht wenig Sinn. Als Trainer muss man sich in erster Linie an den Ergebnissen messen lassen.“ Deshalb will Löw in einem Jahr auch erst mal sehen, wie 2013 gelaufen ist.

sid

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