Nach dem Flaschenwurf: Guerrero droht die Kündigung

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Paolo Geurrero sind beim Spiel gegen Hannover nach dem Abpfiff die Sicherungen durchgebrannt.

Hamburg - Nach dem skandalösen Flaschenwurf von Paolo Guerrero ist beim Hamburger SV richtig Feuer unterm Dach.

Das Verhältnis zwischen Spielern und Fans ist belastet, Trainer Bruno Labbadia geschwächt und die Vereinsführung in der prekären Situation zu drastischem, aber auch besonnenem Handeln gezwungen. Die drohende schwere Strafe gegen den Peruaner durch seinen Verein und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) steht noch aus - doch Guerreros Aussetzer nach dem 0:0 am Sonntagabend im Nordduell gegen Hannover 96 ist das deutlichste Sinnbild für die gegenwärtige Krise des HSV.

„Das ist völlig inakzeptabel. Es wird entsprechende Konsequenzen geben“, kündigte Vereinschef Bernd Hoffmann nach Studium der Fernsehbilder an. Guerreros Attacke, in deutschen Stadien bislang beispiellos, machte das lasche Derby doch noch zum Aufreger des Oster-Wochenendes in der Fußball-Bundesliga. Vor dem wichtigen Viertelfinal-Rückspiel in der Europa League an diesem Donnerstag bei Standard Lüttich muss die aufgeheizte Stimmung beim HSV dringend deeskaliert werden. „Es ist etwas passiert, was nicht passieren darf“, sagte Labbadia, nach der medialen Dauerkritik der vergangenen Tage selbst angeschlagen, „er ist extremst beschimpft worden, aber wir müssen dem standhalten und professioneller reagieren.“

Mannschaft, Trainer und Vorstand hatten sich nach der Nullnummer mehr als eine halbe Stunde in der Kabine verschanzt, um den Eklat zu besprechen. Guerrero war durch den Stadion-Hinterausgang davongeschlichen und in seinem Ferrari geflüchtet. Die erschütternde HSV-Leistung gegen den Tabellenvorletzten hatte die Langmut der Fans bis an die Schmerzgrenze strapaziert. Anschließend brachte Guerrero mit seinem unentschuldbaren Ausraster gegen einen Zuschauer das Fass zum Überlaufen. Unter dem Pfeifkonzert der enttäuschten Besucher soll ihn ein Fan auf den teureren Plätzen beschimpft haben. Der 26-Jährige feuerte daraufhin seine fast volle Trinkflasche in das Gesicht des Zuschauers und wollte sogar auf die Tribüne klettern, um gegen den Mann Hand anzulegen. Teamkollege Joris Mathijsen hielt den Stürmer nur mit Mühe zurück und bugsierte ihn in die Katakomben.

Das Opfer der Wurfattacke hat sich von Sanitätern im Stadion untersuchen lassen, schlimmere Verletzungen sollen nicht festgestellt worden sein. Dennoch werden sich der DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit dem Eklat befassen. DFB-Sportdirektor Matthias Sammer erinnerte in der Talkshow des Bezahlsenders Sky an Guerreros „Vorbildfunktion“. So etwas dürfe „nie passieren“, sagte Sammer. „Bei allen Emotionen muss man seine Nerven im Griff haben.“ Als der frühere HSV-Spieler Thimothee Atouba den eigenen Fans einst den „Stinkefinger“ zeigte, wurde er vereinsintern für zwei Spiele gesperrt. Guerrero, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, muss sogar mit der Kündigung rechnen.

Geradezu erschreckend waren die Reaktionen, die aus der Mannschaft nach Guerreros Fehlleistung laut wurden. Der sonst als moralische Instanz des HSV bekannte Frank Rost meinte, der Stürmer habe das nicht grundlos gemacht. „Damit muss man auch als Zuschauer rechnen, wenn man sich so äußert. Das ist Fußball, das gehört dazu.“ Der Torhüter zog die Attacke gar ins Lächerliche: „Er hat ihn sauber getroffen. Die New York Yankees würden ihn sicher sofort verpflichten.“

Waren Mannschaft und Fans noch vor Monaten eine Einheit, so trennt sie jetzt ein breiter Riss. In den vergangenen sieben Spielen gelang den Schützlingen von Bruno Labbadia nur ein Sieg gegen den Tabellenletzten Hertha BSC. Ursprünglich wollte und sollte das Team um den Titel und die Champions-League-Plätze mitspielen, jetzt gerät auch die Qualifikation für die Europa League in Gefahr. Die Fans werden von Spieltag zu Spieltag unzufriedener - und lauter.

„Wir hatten uns mehr Unterstützung gewünscht. Ab der 20. Minute haben die Zuschauer schon gepfiffen“, beschwerte sich Abwehrspieler Dennis Aogo und verstand den Unmut der zahlenden Gäste nicht. „Wir hatten ein schweres Spiel in den Beinen“, entschuldigte er den einfallslosen Auftritt drei Tage nach dem knappen 2:1 im Hinspiel gegen Belgiens Meister Standard Lüttich.

Ralf Bednarek, Chef der 61000 Mitglieder umfassenden HSV-Fan- Vereinigung Supporters, sieht Guerreros Tat nicht als Reaktion auf Zuschauer-Unmut an. „Die Mannschaft versucht, von eigenen Problemen abzulenken“, meinte der Rechtsanwalt. Am vergangenen Montag hatte der Vereinsvorstand mit Mannschaft und Trainer bereits einen Krisengipfel wegen der sportlichen Talfahrt abgehalten.

„Guerrero sind die Nerven durchgebrannt, weil die Mannschaft unter Strom steht“, erklärte Bednarek und legte Wert darauf, dass die beleidigenden Worte nicht von den Stehplätzen der Hardcore-Fans in der Nordkurve, sondern aus dem Schnittchen-Bereich des Stadions gekommen waren. Die Supporters wollen jedoch „den Ball flachhalten“ und das Gespräch suchen.

Quelle: kreiszeitung.de

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