Brisante Vorwürfe gegen Ex-Chefs

"Vetternwirtschaft": Referee Gräfe greift Fandel und Krug an

+
Mann deutlicher Worte: Schiedsrichter Manuel Gräfe aus Berlin. 

Vorwürfe wegen Gemauschels und Vetternwirtschaft gibt es im Schiedsrichterwesen schon lange. Der Bundesliga-Unparteiische Manuel Gräfe hat den Vorwürfen nun neuen Nährboden gegeben. 

Berlin - Mit brisanten Vorwürfen hat der Berliner Referee Manuel Gräfe das deutsche Schiedsrichterwesen erschüttert. In ungewöhnlicher Offenheit griff Gräfe vor seinem ersten Bundesliga-Einsatz in dieser Saison die früheren Schiedsrichter-Chefs Hellmut Krug und Herbert Fandel an.

"Es ging zu oft nach Gusto und nicht nach Leistung", sagte Gräfe dem "Tagesspiegel". "Die beiden haben sich ihre Schiedsrichterliste so zusammengebastelt, wie sie es wollten." Er stellte in dem Interview die Frage, ob Fandel und Krug den jetzigen FIFA-Schiedsrichter und früheren Gräfe-Assistenten Felix Zwayer wegen dessen bedingungsloser Loyalität bevorzugt hätten.

"Diese Vetternwirtschaft sollte aufhören"

Trotz eines sofortigen Rüffels durch den jetzigen Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich legte Gräfe in der "Bild am Sonntag" nach: "Diese Vetternwirtschaft sollte aufhören", verlangte der 43-Jährige, der seit 2004 in der höchsten deutschen Spielklasse pfeift und am Sonntag für die Partie zwischen dem SC Freiburg und Eintracht Frankfurt angesetzt war - sein 222. Spiel in der Bundesliga. Zwayer pfiff am Samstag beim Schalker 2:0-Sieg über RB Leipzig.

Krug war zuletzt von der Deutschen Fußball Liga als Schiedsrichter-Manager zum Deutschen Fußball-Bund zurückgekehrt, Fandel war nach der vergangenen Saison als Vorsitzender der DFB-Schiedsrichterkommission zurückgetreten, Fröhlich ist sein Nachfolger. "Seitdem er die Verantwortung trägt, geht es ausschließlich nach Leistung", sagte Gräfe.

Schon kurz nach der Veröffentlichung der Vorwürfe am Samstag pfiff Fröhlich in einer DFB-Stellungnahme seinen früheren Assistenten Gräfe zurück. "Bei allem Verständnis zu einer öffentlichen Meinungsäußerung geht es entschieden zu weit, wenn ein Schiedsrichter einen Kollegen öffentlich und in dieser Form attackiert", sagte Fröhlich. Noch in der neuen Woche solle es ein offenes Gespräch mit allen geben. Gräfe hat Fandel und Krug seine Sichtweise nach eigenen Worten schon mehrfach persönlich mitgeteilt, es habe sich aber nichts geändert und erst unter Fröhlich einen Neuanfang gegeben.

Unter Fröhlings Führung wurde Bibiana Steinhaus befördert

In den vergangenen Jahren seien alle, "die nicht uneingeschränkt auf einer Wellenlänge mit der Führung lagen, also nicht zu allem Ja und Amen gesagt haben, auf verschiedenen Ebenen bearbeitet" worden, sagte Gräfe und nannte als ein Beispiel Ex-Referee Babak Rafati. "Er empfand die Atmosphäre als so bedrückend und belastend, dass er sich das Leben nehmen wollte" - auch wenn Rafati nicht in allem recht gehabt habe.

Während einerseits Leute in Positionen gekommen seien, für die sie nicht gut oder weit genug gewesen seien, wären andere unter ihren Möglichkeiten eingesetzt worden. So auch die in diesem Jahr als erste Frau in die Bundesliga aufgestiegene Bibiana Steinhaus, deren Hochstufung aus Gräfes Sicht nach einem Jahr unter Fröhlichs Führung exemplarisch für die neue Herangehensweise ist.

"Das möchte ich gar nicht bewerten, weil ich gar nicht zurückgucken möchte", sagte die 38-Jährige aus Hannover am Samstagabend im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF. Gräfe unterstrich, er habe persönlich nichts gegen Fandel und Krug und auch keine persönlichen Motive. Es gehe ihm nur um die Sache.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Politik

Mugabes Nachfolger Mnangagwa verspricht Jobs und Demokratie

Mugabes Nachfolger Mnangagwa verspricht Jobs und Demokratie
Welt

Argentinische Marine: "Keine Spur des verschollenen U-Boots"

Argentinische Marine: "Keine Spur des verschollenen U-Boots"
Karriere

Die fünf bestbezahlten Berufe, für die Sie kein Studium brauchen

Die fünf bestbezahlten Berufe, für die Sie kein Studium brauchen
Auto

Porsche Cayenne Turbo im Test: Der geht voll auf den Zeiger

Porsche Cayenne Turbo im Test: Der geht voll auf den Zeiger

Meistgelesene Artikel

Ex-Torjäger Lineker leitet Auslosung der WM-Gruppen

Ex-Torjäger Lineker leitet Auslosung der WM-Gruppen

Beschuldigter begeht nach Vorwürfen im FIFA-Prozess Suizid

Beschuldigter begeht nach Vorwürfen im FIFA-Prozess Suizid

WM der Frustierten? US-Verband denkt über Gegen-Veranstaltung nach

WM der Frustierten? US-Verband denkt über Gegen-Veranstaltung nach

Nach Italiens WM-Aus: Dänen testen schon gebuchtes Hotel

Nach Italiens WM-Aus: Dänen testen schon gebuchtes Hotel

Kommentare