"Terrier" Vogts wird 65 - und hat immer noch Biss

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Berti Vogts ist Nationaltrainer in Aserbaidschan

Köln - Berti Vogts wird am Freitag 65 Jahre alt. Der "Terrier" will sich nun doch in Aserbaidschan durchbeißen. Frühere Kritik an seiner Person hat der Ex-Bundestrainer oft mit Selbstironie gekontert.

2004 legte Berti Vogts bei einem Barbecue in den USA den Grundstein für die erfolgreiche Zukunft des deutschen Fußballs. Der ehemalige Bundestrainer überredete unter der kalifornischen Sonne seinen einstigen Schützling Jürgen Klinsmann, das nach dem Rücktritt von Rudi Völler vakante Amt des höchsten deutschen Fußballlehrers zu übernehmen. Damit leitete Vogts, der am Freitag (30. Dezember) seinen 65. Geburtstag feiert, eine äußerst erfolgreiche Ära der deutschen Nationalmannschaft ein, die unter dem ehemalige Klinsmann-Assistenten und heutigen Chefcoach Joachim Löw bei der EM 2012 ihre Krönung erfahren soll.

Was die Bundestrainer seit 1964 verdient haben

Was die Bundestrainer seit 1964 verdient haben

Helmut Schön (r.), Bundestrainer zwischen 1964 und 1978, verdiente umgerechnet 80.000 Euro im Jahr. © Getty
Jupp Derwall, Bundestrainer zwischen 1978 und 1984, verdiente umgerechnet 100.000 Euro im Jahr. © Getty
Franz Beckenbauer, Teamchef zwischen 1984 und 1990, verdiente umgerechnet 200.000 Euro im Jahr. © Getty
Berti Vogts, Bundestrainer zwischen 1990 und 1998, verdiente umgerechnet 300.000 Euro im Jahr. © Getty
Erich Ribbeck, Bundestrainer zwischen 1998 und 2000, verdiente 1,2 Millionen Euro im Jahr. © Getty
Rudi Völler, Bundestrainer zwischen 2000 und 2004, verdiente 1,5 Millionen Euro im Jahr. © Getty
Jürgen Klinsmann, Teamchef zwischen 2004 und 2006, verdiente 2,5 Millionen Euro im Jahr (inklusive einer Million Euro garantierter Werbe-Einnahmen). © Getty
Jogi Löw, Bundestrainer seit 2006, verdient bisher 3 Millionen Euro im Jahr. © Getty

„Dem deutschen Fußball stehen goldene Zeiten bevor“, prophezeite der frühere Bundestrainer, „mit Joachim Löw, Oliver Bierhoff und auch Matthias Sammer ist der deutsche Fußball hervorragend aufgestellt. Zudem macht sich jetzt die gute Jugendarbeit bezahlt“, sagte der Europameister-Coach von 1996 bereits vor geraumer Zeit.

Nachdem die DFB-Auswahl bei der WM in Südafrika noch den ganz großen Wurf verpasst hatte, traut Vogts ihr bei der EURO in Polen und der Ukraine den Titel zu. „Deutschland ist einer der ganz großen Favoriten“, sagt das Geburtstagskind, das in der EM-Qualifikation als Nationaltrainer von Aserbaidschan zweimal auf seine ehemalige Mannschaft getroffen ist (1:6, 1:3).

Entgegen seiner ersten Planung wird der Terrier, wie er wegen seiner aggressiven Spielweise während seiner aktiven Laufbahn genannt wurde, noch zwei weitere Jahre „als Entwicklungshelfer“ in Baku bleiben, wo er vor einigen Monaten noch von einigen hirnlosen Kritikern beschimpft und tätlich angegriffen wurde. Klinsmann hält große Stücke auf seinen einstigen Chef: „Berti Vogts ist auch heute noch ein Mann voller Pläne, Visionen und Umtriebigkeit.“

Hans-Hubert Vogts, wie der Welt- und Europameister (1974/1972) mit vollständigem Namen heißt, will in der Tat nicht kapitulieren, sondern am Kaspischen Meer noch einiges aufbauen, wie er berichtete. Dass er über fußballerischen Sachverstand verfügt, steht außer Frage, wie auch Klinsmann betont: „Er gehört zu den Trainern, die trotz des immensen Tagesgeschäftes auch immer den wichtigen Weitblick haben für die Zukunft.“

Vogts, der mit Borussia Mönchengladbach fünf Meistertitel und zweimal den UEFA-Cup gewann, steht sich aber manchmal auch selbst im Weg, obwohl er laut Klinsmann nicht nur „eine ungemein ehrliche Persönlichkeit ist, dem die Gerechtigkeit über alles geht“, sondern „auch über viel Witz verfügt“.

In der Öffentlichkeit überwiegt aber zumeist die Selbstironie. „Wenn ich übers Wasser gehe, sagen die Leute: Nicht einmal schwimmen kann er“, sagte Vogts, als er sich einmal über mangelnde Wertschätzung beklagte. Der Rekordspieler von Borussia Mönchengladbach, über deren Aufwärtstrend er sich nach der schlimmen Vorsaison unglaublich freut, fühlte sich oftmals falsch bewertet.

„Wenn der Franz Beckenbauer in einen Raum kommt, dann geht das Licht an. Ich muss erst einmal den Schalter suchen“, beschrieb er mal treffend den Unterschied zu der deutschen Lichtgestalt, für die er jahrelang als Aktiver mit anderen die Drecksarbeit auf dem Platz verrichtete.

Der Spitzname Terrier kommt deshalb nicht von ungefähr und ist eine Auszeichnung, auch wenn er von der Strahlkraft nicht an den Adelstitel Kaiser von Beckenbauer heranreicht. „Ich kam immer über die Athletik, die Willenskraft und den Kampf. Ich musste mich immer behaupten“, sagte Vogts, der nicht nur für Klinsmann den deutschen Fußball „wesentlich geprägt“ hat.

sid

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