Historischer Erfolg

Wahnsinn am Wörthersee: Ein Deutscher besiegt Deutschland

Franco Foda (M) und seine Co-Trainer Thomas Kristl (l) und Imre Szabics feiern den Sieg gegen Deutschland. Foto: Christian Charisius
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Franco Foda (M) und seine Co-Trainer Thomas Kristl (l) und Imre Szabics feiern den Sieg gegen Deutschland. Foto: Christian Charisius

Erst den WM-Gastgeber besiegt, nun sogar den Weltmeister geschlagen: Österreichs Fußballer können das 2:1 gegen Deutschland nur kurz feiern - in einer Woche kommen die Brasilianer nach Wien. Sogar der Kanzler gratuliert den ÖFB-Kickern zum historischen Sieg.

Klagenfurt (dpa) - Die schmerzlich verpasste WM ist vergessen, Österreich hat seine Fußball-Nationalelf nach dem Coup gegen den übermächtigen Nachbarn Deutschland wieder lieb. Kanzler Sebastian Kurz gehörte sogar zu den ersten Gratulanten.

«Was für ein Fußballabend und was für eine Aufholjagd!», twitterte der junge Regierungschef schon eine Minute nach dem historischen 2:1 (0:1) der Kicker aus der Alpenrepublik gegen den viermaligen Weltmeister.

«2:1! ÖFB-Wunder gegen Weltmeister Deutschland», befand das Nachrichtenportal «heute.at». Die Zeitung «Krone» titelte am Sonntag: «Traumabend in Klagenfurt: Danke für diesen historischen Sieg.» Auch Bundestrainer Joachim Löw gratulierte: «Der Sieg ist absolut verdient. Sie haben sich fußballerisch gut entwickelt, waren kämpferisch und in den den Zweikämpfen sehr stark. Respekt für die Leistung.»

Erstmals seit 32 Jahren hatte ein ÖFB-Team wieder eine DFB-Auswahl geschlagen - 29.200 Zuschauer waren im Wörthersee Stadion live dabei. Der Sieg für die Mannschaft des deutschen Trainers Franco Foda war nach der verpassten WM auch eine Kampfansage: Wir kommen wieder! Schon in einer Woche ist Rekordweltmeister Brasilien in Wien der nächste dicke Brocken.

«Die zweite Halbzeit war unglaublich. Was die Jungs da läuferisch, spielerisch und taktisch gemacht haben, war Wahnsinn!», meinte der gebürtige Mainzer Foda, der aber auch nach dem fünften Sieg in Serie unter seiner Regie ein Realist blieb. «Der Fußball ist schnelllebig. Wir müssen bodenständig bleiben, demütig bleiben. Wir sollten jetzt natürlich nicht durchdrehen», sagte der Ex-Nationalspieler, der 1987 zu zwei Länderspieleinsätzen im DFB-Trikot kam.

Der 52-Jährige hatte Ende Oktober - nach der verpassten WM-Qualifikation - die Nachfolge von Marcel Koller angetreten. Fodas wichtigstes Ziel ist die Teilnahme der Österreicher an der EM 2020, die in zwölf Ländern ausgetragen wird. In der Nationenliga (Gruppengegner Bosnien und Nordirland) kann sich das ÖFB-Team bereits im Herbst einen Platz für das Playoff-Turnier um ein weiteres EM- Ticket sichern. Die Auslosung für die EURO 2020 ist am 2. Dezember in Dublin.

Der erste Sieg gegen Deutschland seit 1986 war verdient und emotional, Foda sprach aber nur von «schönen Nebengeräuschen». Wichtig für ihn sei, «wie sich die Mannschaft in der zweiten Halbzeit präsentiert hat, mit welcher Leidenschaft und Begeisterung sie gespielt hat». Sein Credo: «Team vor Ego!» Anfang Juni hatte sein Team schon WM-Gastgeber Russland mit 1:0 bezwungen.

«Wir haben gesehen, dass wir gegen die ganz Großen mithalten können», sagte Bundesliga-Profi Martin Hinteregger, der nach der Gästeführung durch Mesut Özil (11. Minute) den Ausgleich erzielt hatte (53.). Für rot-weiß-roten Siegesjubel im Wörthersee Stadion sorgte 16 Minuten später Schalke-Profi Alessandro Schöpf.

«Der Sieg hat eine Riesen-Bedeutung», befand Bayern Münchens David Alaba, «einige von uns haben schon öfter bitter verloren gegen Deutschland, deshalb bin ich sehr froh, dass wir gewonnen haben.» Für ÖFB-Kapitän Julian Baumgartlinger bleibt ein Sieg einfach ein Sieg. «Historisch ist relativ. Wenn wir jetzt jedes Spiel gegen Deutschland gewinnen, ist es nicht mehr historisch», sagte der Bundesliga-Profi von Bayer Leverkusen.

Homepage Fußball-Bund

Kader ÖFB-Team

Tweet von Bundeskanzler Kurz

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