Werder-Spieler über die Coronavirus-Krise

Werder-Profi Ludwig Augustinsson: „Fußball ist jetzt nicht das Wichtigste“

Ludwig Augustinsson hält sich - wie die gesamte Mannschaft das SV Werder Bremen - aktuell wegen der Coronavirus-Pandemie mit Laufeinheiten und Training in Kleingruppen fit.
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Ludwig Augustinsson hält sich - wie die gesamte Mannschaft das SV Werder Bremen - aktuell wegen der Coronavirus-Pandemie mit Laufeinheiten und Training in Kleingruppen fit.

Bremen – Das Essen stand auf dem Tisch, das aktivierte iPad auch – und schon hatten Ludwig Augustinsson und seine Freundin kürzlich Besuch in ihrer Bremer Wohnung: Virtuell hatte sich die Familie des Werder-Profis aus Schweden zugeschaltet. „Für ein gemeinsames Dinner“, wie Augustinsson am Dienstag in einer Online-Medienrunde des SV Werder Bremen berichtete.

„In dieser besonderen Zeit entwickeln sich eben neue Routinen.“Der Abwehrspieler sprach außerdem darüber, wie er persönlich mit der Coronavirus-Krise umgeht, was er über den möglichen Neustart der Bundesliga mit Geisterspielen denkt und wie er die Lage in seinem Heimatland Schweden bewertet. Außerdem stellte er Werder Bremen für den Fall der Fälle einen weiteren Gehaltsverzicht der Spieler in Aussicht. Ludwig Augustinsson über...

...seinen Umgang mit der Coronavirus-Krise

Anfangs, als die Krise gerade begann, da konnte Ludwig Augustinsson gar nicht genug Informationen über das Thema bekommen. Permanent hielt er sich in den ersten Tagen und Wochen über Zahlen und Entwicklungen auf dem Laufenden. Das hat inzwischen nachgelassen. „Ich habe mir wirklich viele Gedanken gemacht. Es wusste ja keiner, was passiert, wie es weitergeht und wie lange es dauert“, sagte er. „Jetzt versuche ich, nicht mehr allzu viel darüber nachzudenken, denn darin kann man sich auch verlieren. Ich schaue jetzt von Tag zu Tag.“ Zum Einkaufen geht der Linksverteidiger übrigens schon seit Längerem mit Maske und Handschuhen..

...den möglichen Neustart der Bundesliga

Die Fußballbranche schaut gebannt auf den morgigen Donnerstag. Dann entscheidet die Politik, ob es in der Bundesliga grundsätzlich mit Geisterspielen weitergehen kann oder nicht. Als Leistungssportler hofft Augustinsson natürlich inständig darauf – aber nicht um jeden Preis, wie er klarstellte: „Fußball ist jetzt nicht das Wichtigste. Es geht darum, so viele Menschenleben zu retten, wie möglich.“ Dass der Profifußball für sein Vorhaben, die Saison trotz bestehender gesellschaftlicher Einschränkungen fortzusetzen, zuletzt heftig kritisiert wurde, kann Augustinsson durchaus nachvollziehen. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) habe aber lediglich versucht, zu erarbeiten, wie es theoretisch weitergehen könnte. „Jetzt muss die Regierung entscheiden, ob es einen sicheren Weg gibt, sodass wir spielen können. Ist dem so, dann sollte es weitergehen. Wenn nicht, dann müssen wir weiter warten“, sagte Augustinsson.

...die Angst vor einer Ansteckung auf dem Platz

Es klingt paradox, irgendwie nur schwer vorstellbar, und auch Ludwig Augustinsson hielt bei diesem Gedanken kurz inne: Bisher dürfen er und seine Mitspieler nur in Vierergruppen trainieren – und womöglich schon in wenigen Tagen sollen sie sich dann wieder beherzt in Zweikämpfe unter Wettbewerbsbedingungen stürzen. „Klar, das wäre ein großer Sprung für uns, ein riesiger Unterschied zur momentanen Situation. Wenn es durch das Hygiene-Konzept der DFL aber möglich sein sollte, dann müssen wir bereit sein“, sagte Augustinsson. Angst davor, dass er sich womöglich auf dem Platz anstecken könnte, hat er nicht – „aber durchaus Respekt“. Sollte es grünes Licht für die Geisterspiele geben, vertraut der Profi darauf, dass der Schutz der Spieler bestmöglich ist. Den von der Politik ins Spiel gebrachten 9. Mai als möglichen Starttermin hält er jedoch für schwierig: „Wenn es geht, sollten wir zwei bis drei Wochen Mannschaftstraining haben, bevor wieder gespielt wird.“

...einen möglichen weiteren Gehaltsverzicht

Durch die Coronavirus-Krise brechen den Werder und Co. die Einnahmen weg – ein mögliches Mittel, um für etwas Entlastung zu sorgen, ist der Gehaltsverzicht der Profis. Ende März hatten die Werder-Spieler, das Trainerteam und die Geschäftsführung des Vereins erklärt, in den kommenden drei Monaten auf einen gewissen Prozentsatz ihres Einkommens verzichten zu wollen. Zahlen nannte Werder nicht. Im Bundesliga-Vergleich bewegt sich der Verzicht in anderen Vereinen zwischen zehn und 20 Prozent. Irgendwo dort dürfte sich auch Werder Bremen wiederfinden. Augustinsson kann sich sogar vorstellen, noch einmal nachzulegen. „Wenn wir nicht spielen können, wäre das ein großes Problem“, sagte er, „dann müssen wir einen Weg finden, um dem Verein zu helfen“. Gespräche in diese Richtung habe es bereits gegeben.

...den Umgang mit dem Coronavirus in Schweden

Die gute Nachricht: Augustinssons Familie in der Heimat ist gesund. „Wir haben fast täglich Kontakt“, berichtete der Fußballer, der zuletzt vor sechs Monaten in Schweden war und den Umgang seines Heimatlandes mit dem Coronavirus aus der Ferne verfolgt. Im Vergleich zu den meisten anderen Ländern pflegen die Skandinavier einen eher lockeren Umgang mit dem Virus. Bars und Restaurants sind geöffnet, im Juni soll die Fußballiga wieder beginnen – mit Fans in den Stadien. „Jedes Land geht einen anderen Weg“, sagte Ludwig Augustinsson. „Welcher davon der bessere oder schlechtere ist, kann ich nicht sagen. Ich hoffe nur, dass so viele Menschen wie möglich geschützt werden.“ (dco)

Zur ersten Meldung (11.30 Uhr):

Augustinsson kann sich weiteren Gehaltsverzicht vorstellen

Die Fußballbranche - und damit auch der SV Werder Bremen - schaut mit bangem Blick auf den kommenden Donnerstag. Dann entscheidet die Politik, ob Geisterspiele in der Bundesliga während der Coronavirus-Krise grundsätzlich erlaubt werden oder nicht.

Die Vereine hoffen inständig darauf, für einige von ihnen geht es ums wirtschaftliche Überleben. Das weiß auch Werder-Profi Ludwig Augustinsson, der seinem Club und Arbeitgeber für den Fall der Fälle nun ein weiteres Entgegenkommen der Mannschaft signalisiert hat. „Jeder kennt doch die wirtschaftlichen Probleme“, sagte der 26-Jährige in einer Medienrunde am Dienstagmittag und stellte einen weiteren Gehaltsverzicht der Spieler in Aussicht.

„Wenn wir nicht spielen können, wäre das ein großes Problem“, sagte Augustinsson, „dann müssen wir einen Weg finden, um dem Verein zu helfen“. Gespräche in diese Richtung habe es bereits gegeben. Ende März hatten die Profis von Werder Bremen, das Trainerteam und die Geschäftsführung des Vereins erklärt, in den kommenden drei Monaten auf einen gewissen Prozentsatz ihres Einkommens verzichten zu wollen. Zahlen nannte Werder nicht. Im Bundesliga-Vergleich bewegt sich der Verzicht in anderen Vereinen zwischen zehn und 20 Prozent. Irgendwo dort dürfte sich auch Werder Bremen wiederfinden.

Werder Bremen: Ludwig Augustinsson hofft darauf, bald wieder spielen zu können

Als Leistungssportler hofft Augustinsson natürlich darauf, sich schon bald wieder im Wettbewerb messen zu können. Der Linksverteidiger hat dabei die allgemeine gesellschaftliche Lage aber stets im Blick. „Fußball ist jetzt nicht das Wichtigste. Es geht darum, so viele Menschenleben zu retten, wie möglich. Ich verstehe auch die Kritik, die es zuletzt an der Branche gegeben hat.“ Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) habe aber lediglich versucht, zu erarbeiten, wie es theoretisch weitergehen könnte. „Jetzt muss die Regierung entscheiden, ob es einen sicheren Weg gibt, sodass wir spielen können. Ist das so, dann sollte es weitergehen. Wenn nicht, dann müssen wir weiter warten“, sagte Augustinsson.

Werder Bremen: Ludwig Augustinsson hat „Respekt, aber keine Angst“

Sorgen um seine eigene Gesundheit macht er sich beim Gedanken daran, bald auf dem Platz womöglich wieder in Zweikämpfe zu gehen, übrigens nicht: „Ich habe Respekt, aber keine Angst.“ Die Idee, dass die Profis eventuell Schutzmasken während der Spiele tragen, hält er für abwegig: „Ich glaube, das ist schwer umsetzbar. Es wäre sehr hart, damit zu laufen.“ (dco)

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