Vertrag endet 2021

Sportchef Frank Baumann bei Werder Bremen auf Bewährung

Sportchef Frank Baumann bleibt dem SV Werder Bremen erhalten - allerdings auf Bewährung. Sein Vertrag läuft im kommenden Sommer aus - Verlängerung offen.
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Sportchef Frank Baumann bleibt dem SV Werder Bremen erhalten - allerdings auf Bewährung. Sein Vertrag läuft im kommenden Sommer aus - Verlängerung offen.

Bremen – Ein Jahr ist im Fußball eine halbe Ewigkeit: Vor knapp zwölf Monaten schien es so, als hätte Sportchef Frank Baumann schon den Stift für eine Vertragsverlängerung beim SV Werder Bremen in die Hand gedrückt bekommen. Doch passiert ist nichts – und wird es auch so schnell nicht.

Frank Baumann darf zwar trotz der völlig verkorksten Saison mit Werder Bremen mit der ganz späten Rettung genauso wie Trainer Florian Kohfeldt weitermachen, sein am 30. Juni 2021 auslaufender Kontrakt wird bis Ende des Jahres aber sehr wahrscheinlich nicht mehr angefasst. Baumann spielt auf Bewährung – aus mehreren Gründen.

„Wir werden im August im Aufsichtsrat das genaue Verfahren besprechen“, berichtet Marco Bode auf Nachfrage der DeichStube. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, der den Sportchef einstellt, betont aber zugleich: „Wir sind absolut von der Arbeit von Frank Baumann überzeugt.“ Ansonsten wäre die große Analyse nach der Katastrophen-Saison auch nicht in eine weitere Zusammenarbeit mit dem Sportchef gemündet. Aber natürlich will auch das Kontrollgremium die sportliche Entwicklung abwarten. Deswegen ist selbst eine Entscheidung im August sehr unwahrscheinlich, da die Saison erst Mitte September beginnt, es also noch gar keine relevanten Ergebnisse auf dem Platz gibt.

Werder Bremen: Frank Baumann auf Bewährung  - Im Herbst steht die Wahl des Aufsichtsrats an

Es geht aber nicht nur darum. Im Herbst stehen bei der Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen die Wahlen des sechsköpfigen Aufsichtsrates an. „Wir haben in der Analyse nicht darüber gesprochen, ob sich der Aufsichtsrat komplett wieder zur Wahl stellen wird“, sagt Bode. Wohl wissend, dass für die Vorauswahl ohnehin der Wahlausschuss des Vereins zuständig ist. 

Der hat seine Arbeit gerade aufgenommen, erste Gespräche mit den möglichen Kandidaten geführt. Zwei Aufsichtsratsmitglieder werden direkt vom Präsidium bestimmt, aktuell sind das Axel Plaat (Schatzmeister des Vereins) und Unternehmer Marco Fuchs. Von den Mitgliedern gewählt wurden vor vier Jahren Ex-Profi Marco Bode, die Unternehmer Kurt Zech und Thomas Krohne sowie Kommunikationsexperte Andreas Hoetzel.

Werder Bremen: Sportliche Talfahrt verhinderte Vertragsverlängerung mit Frank Baumann

Es wäre nun nicht gerade glücklich, wenn der aktuelle Aufsichtsrat schnell noch den Vertrag mit Frank Baumann verlängern würde, um dann nicht mehr zur Wahl anzutreten. So eine weitreichende Entscheidung gehört eigentlich in die Hände des neuen Kontrollgremiums, das natürlich durchaus auch das alte sein kann. Aber wer weiß das jetzt schon. Deswegen spielen Bode und Co. im Fall Baumann nachvollziehbar auf Zeit. Frühestens im November nach den Wahlen könnte Bewegung in diese Geschichte kommen.

Der Sportchef selbst will sich dazu nicht äußern. Frank Baumann möchte sich auf seine Arbeit konzentrieren, die Fehler der Vergangenheit ausmerzen und Werder Bremen zurück in die Spur bringen. Ohnehin nimmt sich der 44-Jährige selbst dabei nicht so wichtig. Als vor knapp einem Jahr die vorzeitige Vertragsverlängerung von Trainer Florian Kohfeldt bis 2023 nicht nur bekannt gegeben, sondern vom Verein geradezu öffentlich gefeiert wurde, rückte auch Baumanns Kontrakt in den Fokus. Der endet wie Kohfeldts altes Arbeitspapier ebenfalls 2021. Es wurde eigentlich erwartet, dass der Sportchef schnell nachzieht. Er selbst deutete zwar durchaus an, dass er sich noch viele weitere Jahre bei Werder vorstellen könne, aber Druck übte der Ehrenspielführer deshalb nicht aus. Als wäre es ihm egal, wann sein Arbeitsverhältnis auf dem Papier endet. „Es ist doch noch Zeit“, lautete dann immer seine Antwort.

Werder Bremen: Frank Baumann-Vertrag endet 2021 - Verlängerung offen

Der Aufsichtsrat hatte nach Kohfeldts Verlängerung vor einem Jahr angekündigt, sich auch mit dem Thema Frank Baumann zu beschäftigen. Doch dann kam alles anders. Werder Bremen stürzte in die Krise, fand sich im Herbst im Tabellenkeller wieder. Da passten Gespräche mit dem Sportchef über die Zukunft nicht wirklich ins Bild. Dem Kontrollgremium war es schon schwer genug gefallen, die Vertragsverlängerung mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, Klaus Filbry, zu verkünden. Dessen Kontrakt wäre Ende 2020 ausgelaufen und beinhaltete, dass 15 Monate zuvor eine Entscheidung getroffen sein muss. Die wurde dann mit einer Verlängerung bis 2024 auch gefällt, der Öffentlichkeit aber erst im Frühjahr mitgeteilt. Die Hoffnung, dass die sportliche Krise bis dahin überwunden sei, hatte sich nicht erfüllt.

Der Abstieg drohte, die Zukunft des Vereins stand auf dem Spiel. Frank Baumann hielt an Kohfeldt fest und erhielt dafür auch die Rückendeckung vom Aufsichtsrat. Am Ende ging alles gut, Werder Bremen schaffte den Klassenerhalt. Kohfeldt und Baumann dürfen weitermachen, sind dabei allerdings vertraglich unterschiedlich lang abgesichert – der Trainer ziemlich gut bis 2023, der Sportchef nur bis 2021. Dabei wird es vorerst auch bleiben. (kni)

Zur letzten Meldung vom 11. Juli 2020:

„Ich habe nur mit Werder Bremen gesprochen“ - Florian Kohfeldt bleibt Coach, Frank Baumann Sportchef 

Jetzt hat es auch der Club offiziell vermeldet: Florian Kohfeldt bleibt Trainer des SV Werder Bremen, Frank Baumann behält seinen Posten als Sportchef. So kam es zur Entscheidung.

Die Nachricht gab der SV Werder Bremen am Freitag zu Beginn einer Pressekonferenz bekannt, an der neben Florian Kohfeldt und Frank Baumann auch der Aufsichtsratsvorsitzende Marco Bode und Baumanns Geschäftsführer-Kollegen Klaus Filbry und Hubertus Hess-Grunewald teilnahmen.

Werder Bremen: Florian Kohfeldt und Frank Baumann machen weiter

„Ich muss mich bei allen Personen bedanken, die hier sitzen. Die mir sowohl intern und extern den Rücken gestärkt haben, die nie einen Zweifel daran gelassen haben, dass sie von mir überzeugt sind und damit nie Zweifel bei der Mannschaft haben aufkommen lassen“, sagte Florian Kohfeldt. Der Cheftrainer des SV Werder Bremen stellte klar: „Es war zu keinem Zeitpunkt so, dass ich Forderungen gestellt und meinen Werder-Verbleib an Bedingungen geknüpft habe. Vielmehr ist durch diese Saison eine neue Situation entstanden - natürlich finanziell  und durch die sportlich katastrophale Saison. Es wird in der neuen Saison ein anderer, intensiver Weg. Ich habe extrem viel Lust, diesen Weg zu gehen.“

Florian Kohfeldt: „Ich habe nur mit Werder Bremen gesprochen“

Die Entscheidung, bei Werder weitermachen zu wollen, sei relativ schnell gefallen, so Kohfeldt schmunzelnd: „Heidenheim, Bier trinken, Bus, Flieger. Schlafen, ein Gespräch mit Frank - und dann war ich eigentlich durch.“ Auf die Frage, ob es Interesse von anderen Bundesliga-Clubs am Trainer des SV Werder Bremen gegeben habe, sagte Florian Kohfeldt: „Ich habe nur mit Werder gesprochen - und das sagt eigentlich alles.“ Insbesondere die TSG Hoffenheim soll sich zuletzt mit einer Verpflichtung Kohfeldts beschäftigt haben.

Werder Bremen: Sportchef Frank Baumann will sich nicht „wegducken“

In Bremen geht es also mit Kohfeldt und auch mit Frank Baumann weiter. Der Sportchef des SV Werder Bremen dazu: „Als Geschäftsführer Fußball übernehme ich intern und extern die Gesamtverantwortung für die Saison. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich gerade in schlechten Zeiten nicht wegducke.“

Bereits am Donnerstag hatte die DeichStube vom Verbleib Kohfeldts und Baumanns berichtet. Die Entscheidungen fielen nach der umfassenden Analyse einer Horror-Saison, an deren Ende sich Werder Bremen in der Relegation gegen den 1. FC Heidenheim zum Klassenerhalt zitterte. (han/tst)

Letzte Meldung vom 9. Juli 2020:

Alles klar: Florian Kohfeldt bleibt bei Werder Bremen - Was macht Clemens Fritz?

Die Entscheidung ist gefallen: Florian Kohfeldt bleibt Trainer des SV Werder Bremen. Auch Sportchef Frank Baumann behält sein Amt.

Darauf haben sich Aufsichtsrat, Geschäftsführung und Trainer am Donnerstag nach einer mehrtägigen Analyse der katastrophalen Saison, die beinahe mit dem Abstieg geendet hatte, geeinigt. Am Freitagmittag wird Werder Bremen die Entscheidung offiziell auf einer Pressekonferenz verkünden. Mit dabei sein wird Aufsichtsratsvorsitzender Marco Bode, die komplette Geschäftsführung (Baumann, Klaus Filbry, Hubertus Hess-Grunewald) und Trainer Florian Kohfeldt.

Mit dieser großen Besetzung der Pressekonferenz will Werder Bremen vor allem eines demonstrieren: Einigkeit! Denn es ist alles andere als üblich im Fußball-Geschäft, dass ein Club nach so einem Absturz der sportlichen Führung weiter vertraut. Dazu wird es auch kritische Stimmen geben. Doch der Aufsichtsrat wollte unbedingt Trainer Florian Kohfeldt behalten. Er wird weiter als der Coach der Zukunft bei den Grün-Weißen angesehen. Dass Bundesliga-Konkurrent TSG 1899 Hoffenheim bis zuletzt intensiv um die Dienste des 37-Jährige buhlte, bestätigte das Kontrollgremium in seiner Einschätzung. Frank Baumann war als Sportchef ohnehin von der Arbeit Kohfeldts überzeugt. Der Coach nimmt die zentrale Rolle in der Vision des Ex-Profis ein, Werder zumindest wieder in die Nähe des internationalen Geschäfts zu führen. Vor einem Jahr wäre das fast geglückt, dann folgte der Absturz.

Werder Bremen: Florian Kohfeldt bleibt Trainer - Muss Co-Trainer Ilia Gruev gehen?

Es ist aber kein einfaches „Weiter so“. Das hatte vor allem Florian Kohfeldt direkt nach der Rettung durch das 2:2 im Relegations-Rückspiel in Heidenheim ausgeschlossen. Er war damit so etwas wie der Antreiber eines am Ende zumindest kleinen Reformprozesses. Die Protagonisten werden zwar bleiben, andere Köpfe dagegen verschwinden, neue dazukommen. Das Trainerteam wird umgebaut, mindestens ein Assistent muss gehen – sehr wahrscheinlich Ilia Gruev. Der Ex-Profi war vor einem Jahr als neuer Spezialtrainer für die Standards geholt worden, doch genau in diesem Bereich bekam das Team riesengroße Probleme.

Auch das Thema Athletik wird neu behandelt. Axel Dörrfuß wurde bereits im Februar von seinen Aufgaben als Leiter Athletik und Performance bei den Profis entmachtet. Welche Rolle Fitnesscoach Günter Stoxreiter künftig spielen darf, ist noch nicht bekannt. Der Österreicher besitzt allerdings immer noch ein hohes Ansehen bei Werder Bremen, weil er die Mannschaft zumindest in der Corona-Pause wieder fit bekommen hat. Da war er dann ohne Dörrfuß alleinverantwortlich gewesen.

Werder Bremen-Veränderungen: Clemens Fritz als Teammanager oder Sportdirektor?

Veränderungen hat es schon im medizinischen Bereich gegeben. Dort ersetzte Dr. Daniel Hellermann den erst im Sommer verpflichteten Dr. Benjamin Schnee, der zurück in seine Heimat Berlin wollte. Unfreiwillig musste im Winter Chef-Physiotherapeut Uwe Schellhammer gehen, auch von Sportpsychologe Andreas Marlovits trennte sich Werder Bremen. Letzterer wurde durch Mathias Kleine-Möllhoff aus dem Nachwuchsleistungszentrum ersetzt. Zudem wurde Jörg Löhr als Mentalcoach verpflichtet. Es ist durchaus denkbar, dass auch auf diesem Gebiet noch etwas passiert.

Neu geschaffen wird wohl die Position eines Teammanagers – besser gesagt – Sportdirektors. Tim Barten wird seine Aufgabe als Teammanager, der sich um alles Organisatorische rund ums Team kümmert, behalten. Aber Clemens Fritz rückt möglicherweise künftig näher an die Mannschaft. Der Ex-Profi hatte im Sommer Tim Steidten als Leiter der Scouting-Abteilung ersetzt, nachdem dieser von Bayer Leverkusen abgeworben worden war. Im Abstiegskampf holte Kohfeldt den langjährigen Kapitän Fritz schon mehrfach zur Mannschaft, um von dessen Erfahrung zu profitieren. Nun soll der 39-Jährige aber nicht nur ein Berater für Trainer und Spieler sein, sondern auch ein Sprecher, um damit Florian Kohfeldt zu entlasten. Sebastian Kehl von Borussia Dortmund gilt dabei als Vorbild. Das wäre die sichtbarste Veränderung nach der großen Saisonanalyse.

Werder Bremen: Trainer Florian Kohfeldt sagt Ja und zahlt Vertrauen zurück

Seit Dienstag hatten Aufsichtsrat, Geschäftsführung und Trainer miteinander gesprochen, Fehler analysiert, Lösungen erarbeitet. Sportchef Frank Baumann genoss dabei die Rückendeckung des Kontrollgremiums um dessen Vorsitzenden Marco Bode. Am Ende lag es wohl vor allem an Kohfeldt. Der 37-Jährige musste sich entscheiden, ob er sich weiter für den aktuell besten Trainer für Werder Bremen hält, wie er es mal im Abstiegskampf gesagt hatte, oder ob er sich freiwillig zurückzieht, um seinem Herzensclub auf diese Weise zu helfen. Dabei dürfte gewiss auch das lukrative Angebot aus Hoffenheim eine Rolle gespielt haben.

Dort hätte Kohfeldt eine ziemlich fertige Mannschaft vorgefunden, die sich gerade für die Europa League qualifiziert hat. Zudem sind die finanziellen Möglichkeiten beim Club von Mäzen Dietmar Hopp gewiss andere als bei Werder Bremen – gerade in diesen schwierigen Corona-Zeiten. Kohfeldt, der bei Werder ohnehin noch einen Vertrag bis 2023 besitzt, sagte Ja zu Werder und zahlt damit auch das Vertrauen zurück, dass er vom Verein in der so schwierigen vergangenen Saison bekommen hat. (kni)

Zur letzten Meldung vom 9. Juli:

Am Freitag sagt Werder Bremen, ob es mit Florian Kohfeldt und Frank Baumann weitergeht

Bremen - Der Zeitplan war ambitioniert, wird aber eingehalten: Der SV Werder Bremen will am Freitag nach einer dreitägigen Saisonanalyse verkünden, ob es mit Sportchef Frank Baumann und Florian Kohfeldt weitergeht oder nach neuen Lösungen in der sportlichen Führung gesucht werden muss.

Nach Informationen der DeichStube ist die Entscheidung noch nicht gefallen, wenngleich es eine klare Tendenz zu einer weiteren Zusammenarbeit mit den aktuellen Protagonisten gibt. Zum einen müssen noch Detailfragen geklärt werden, zum anderen geht es um die absolute Überzeugung, dass diese Konstellation für die Zukunft des SV Werder Bremen wirklich das Beste ist. Das gilt wohl vor allem für Florian Kohfeldt selbst, der weiter heftig von 1899 Hoffenheim umworben wird.

Werder Bremen: Veränderungen geplant - Weiter mit Florian Kohfeldt und Frank Baumann?

„Ein Weiter-So kann und wird es nicht geben“, hatte Florian Kohfeldt nach dem Klassenerhalt am Montag in Heidenheim gesagt. Der 37-Jährige gab sich selbstkritisch, übernahm die Verantwortung für den Absturz von Werder Bremen, wollte aber auch nicht alleinverantwortlich sein. Darum ging es auch in den Gesprächen mit dem Aufsichtsrat und der Geschäftsführung. Es sollte ein Weg gefunden werden, um es vor allem gemeinsam wieder besser zu machen. Dafür wurden von allen Seiten Veränderungen vorgeschlagen – auch personelle. Und das nicht nur in eher verborgenen Bereichen wie der medizinischen Betreuung inklusive Physiotherapie, Reha-Training etc., sondern auch sichtbare Neuerungen. So dürfte es einen neuen Verantwortlichen für den Bereich Athletik geben. Auch im Trainerteam wird sich offenbar etwas ändern, der vor einem Jahr extra für die Standards verpflichtete Ilia Gruev hat wohl keine Zukunft mehr bei Werder.

Werder Bremen: Clemens Fritz Kandidat für Teammanager-Posten

Dafür könnte bei Werder ein Teammanager dazukommen. Diesen Posten gibt es in Person von Tim Barten zwar eigentlich schon, doch der kümmert sich vornehmlich um organisatorische Dinge rund ums Team, tritt öffentlich nicht auf. Deswegen trifft die Bezeichnung Sportdirektor die neue Position möglicherweise besser. Claudio Pizarro könnte sich nach seinem Karriereende sehr gut vorstellen, der Mannschaft und dem Verein künftig auf diese Weise zu helfen. Ein Kandidat ist allerdings auch Clemens Fritz, der aktuell als Leiter der Scouting-Abteilung tätig ist. Möglicherweise wird diese Personalie aber auch noch vertagt, um weitere Möglichkeiten zu prüfen. (kni)

Letzte Meldung vom 7. Juli 2020:

Trainer Florian Kohfeldt: Weiter mit Werder Bremen, aber kein „Weiter so“

Dieser kurze Moment der Ruhe. Eingeschoben in den obligatorischen Interview-Marathon nach dem Spiel – Florian Kohfeldt sorgte damit am späten Montagabend unbewusst für ein Bild, das die soeben beendete Saison des SV Werder Bremen nahezu perfekt umriss, schwebte es in seiner Wirkung doch irgendwo zwischen grenzenloser Erleichterung und gewaltiger Erschöpfung.

Im leeren Heidenheimer Stadion stützte sich der Trainer des SV Werder Bremen mit beiden Unterarmen auf eine Werbebande, blickte erst versonnen über das Spielfeld, dann gen Nachthimmel, senkte den Kopf und atmete mehrfach tief durch: geschafft! Für seine Mannschaft war es tatsächlich gutgegangen. Das 2:2 (1:0) im Relegationsrückspiel gegen den 1. FC Heidenheim hatte ausgereicht, um den zweiten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte auf den letzten Drücker abzuwenden. 

„Sorry für die scheiß Saison, aber wir sind erstklassig“, sagte Florian Kohfeldt, nachdem er an die Mikrofone zurückgekehrt war – und teilte das nun anstehende Prozedere mit. Zusammengefasst: Erstmal feiern, kurz, „aber so was von“. Dann aufarbeiten, Fehler finden – und entscheiden, wie es weitergeht. „Dieser analytische Teil ist unglaublich wichtig für die Zukunft von Werder Bremen“, betonte Kohfeldt, wohl wissend, dass er selbst im Zentrum der großen Bilanz stehen wird.

Werder Bremen-Tendenz: Florian Kohfeldt und Frank Baumann bleiben im Amt

Natürlich waren die Fragen bereits in Heidenheim aufgetaucht. Nach diesem letzten Spiel einer ebenso langen wie fürchterlichen Bremer Saison ging es schließlich nicht mehr ums Erklären von taktischen Feinheiten oder vergebenen Großchancen – es ging um Wesentliches. Nämlich darum, wie Werder nun mit dem allseits unerwarteten Absturz, der nur um ein Haar nicht die Ligazugehörigkeit gekostet hatte, umzugehen gedenkt. Bleibt der Trainer? Bleibt der Sportchef? Finale Antworten darauf lieferte die Heidenheimer Nacht erwartungsgemäß nicht. Aber zumindest die Tendenz wurde mehr als deutlich: Sie bleiben beide. Und trotzdem soll alles anders werden.

„Wir haben Florian immer das Vertrauen ausgesprochen und das auch in schwierigen Phasen öffentlich dokumentiert. Er hat gezeigt, dass er auch solche Situationen meistern kann“, sagte Sportchef Frank Baumann, der sich – auch wenn die Rettung am Ende knapp und glücklich war – darin bestätigt fühlen durfte, stoisch am Trainer festgehalten zu haben. Kein Wunder also, dass er seinen Standpunkt jetzt erst recht nicht änderte: „Für mich gibt es da keine Frage. Ich bin weiterhin voll von Florian überzeugt.“ 

Werder Bremen: Frank Baumann rechnet mit Verbleib von Florian Kohfeldt

Das breite Grinsen, das Baumann bei diesen Sätzen übers Gesicht huschte, war ein dezenter Hinweis darauf, dass er intern nicht mit allzu vielen Gegenargumenten von seinen Geschäftsführerkollegen und dem Aufsichtsrat des SV Werder Bremen rechnet. Schon vor dem Rückspiel in Heidenheim hatte es innerhalb der Vereinsführung eine klare Tendenz pro Kohfeldt gegeben, die wohl nur ein desaströser Auftritt inklusive Abstieg auf dem Schlossberg hätte erschüttern können.

Der Ball, er liegt nun also beim Trainer, der grundsätzlich weiterhin zur Verfügung stehen, in den folgenden Gesprächen aber klare Forderungen stellen dürfte. „Es kann kein Weiter-so geben, und es wird kein Weiter-so geben“, kündigte Florian Kohfeldt an. Dafür waren auch schlicht viel zu viele Dinge viel zu schiefgelaufen.

Werder Bremen und die Seuchensaison - Florian Kohfeldt: „Verletztenmisere einer der Hauptgründe“

Die beispiellose Verletztenmisere (Kohfeldt: „Einer der Hauptgründe für diese Saison“), das späte Erkennen der Abstiegsgefahr und freilich auch die sportlichen Fehler des Trainers dürften dabei ebenso auf den Tisch kommen, wie ein Thema, das Florian Kohfeldt besonders geärgert hat. Viel zu oft musste er die abseits des Rasens liegenden Interessen des Vereins in der Öffentlichkeit vertreten, ja einklagen, während aus den Führungsgremien höchstens leise oder gar keine Stimmen zu hören waren. In einer Saison, die rund läuft, sicher kein Problem für einen rhetorisch starken Trainer wie Kohfeldt, der damit dann sogar punkten kann. Wird es allerdings sportlich existenziell, kostet es zusätzlich Kraft, die dann an anderen Stellen fehlt.

Kohfeldts Berater Marc Kosicke wird darauf gewiss hinweisen. Und nicht nur darauf. Er wird seinem Klienten auch aufzeigen, dass es möglicherweise an einem anderen Standort, wo die emotionale Bindung zum Verein nicht so groß ist, einfacher für den mit 37 Jahren immer noch recht jungen Coach sein könnte. Hoffenheim zum Beispiel. Der Europa-League-Teilnehmer hat immer noch keinen Ersatz für den entlassenen Alfred Schreuder präsentiert. Dem Vernehmen nach warten die Kraichgauer darauf, wie es mit Florian Kohfeldt weitergeht. Kosicke ist bekannt dafür, Trainer-Karrieren perfekt zu planen – siehe Jürgen Klopp. Kosicke ist aber auch ein Werder-Fan, daraus hat er nie einen Hehl gemacht. Vor Jahren wäre er beinahe mal Sportchef des Bundesligisten geworden.

Werder Bremen-Trainer Florian Kohfeldt: „Die Saison hat an mir gezehrt“

Stand jetzt, sieht es insgesamt also danach aus, dass es Florian Kohfeldt nicht zum Bruch mit seinem Herzensverein Werder kommen lassen wird. Er dürfte auch in der neuen Saison der Mann an der Außenlinie sein. Nur zur Erinnerung: Dass er seinen bis 2023 laufenden Vertrag erfüllt, so lange Werder es so will, hatte er einst versprochen. Und das gilt weiterhin, auch wenn der Trainer aktuell eher in kleineren Zeiträumen denkt.

„Die Saison hat an mir gezehrt, ich merke, wie sich der Druck abbaut, aber nicht so schnell. Das wird etwas Zeit brauchen“, sagte der 37-Jährige, der nun den Urlaub mit seiner Familie „irgendwo an einem Strand, wo mich niemand erkennt“, herbeisehnt. Wie lang dieser Urlaub sein wird, steht noch nicht fest. Das ist, so erklärte es Kohfeldt, ebenfalls Teil der Gespräche mit der Vereinsführung. Klar ist: Würde er nicht weitermachen wollen, müsste er dieses Thema nicht mehr mit seinen Vorgesetzten verhandeln. (dco)

Zur letzten Meldung vom 6. Juli 2020:

Werder weiter mit Trainer Florian Kohfeldt? Sportchef Baumann geht fest davon aus

Florian Kohfeldt wollte sich noch nicht zu seiner Zukunft als Trainer des SV Werder Bremen äußern und verwies nach der Rettung im Krimi beim FC Heidenheim auf die geplanten Gespräche mit der Geschäftsführung und den Aufsichtsrat in den nächsten Tagen.

Frank Baumann wollte nicht so lange warten, der Sportchef des SV Werder Bremen legte sich in einer Presserunde nach dem Spiel bereits auf eine Zukunft mit Florian Kohfeldt fest und geht auch davon aus, dass der Coach genauso denkt.

Werder Bremen: Sportchef Frank Baumann glaubt weiter an Verbleib von Trainer Florian Kohfeldt

„Wir haben Florian immer das Vertrauen ausgesprochen und das auch in schwierigen Phasen öffentlich dokumentiert. Fast alle haben uns gesagt, wir werden das so nicht schaffen, wir brauchen einen neuen Impuls, einen neuen Trainer. Aber Florian hat gezeigt, dass er auch solche Situationen meistern kann“, meinte Frank Baumann mit einem deutlichen Seitenhieb an alle Kritiker und stellte dann ganz trocken fest: „Für mich gibt es da deshalb keine Frage, ich bin weiterhin voll von Florian Kohfeldt überzeugt.“

Der Coach soll unbedingt bleiben. Aber will der 37-Jährige das überhaupt? In den vergangenen Wochen wirkte Florian Kohfeldt schon schwer gezeichnet von dieser anstrengenden Saison mit Werder Bremen. Baumann ist das nicht entgangen, trotzdem meinte er: „Ich gehe davon aus, dass er die Lust hat, den Weg weiterzugehen. Florian hat genügend Kraft und Power, um das auch in der neuen Saison mit aller Überzeugung und Energie anzugehen.“ Dabei verwies der Ex-Profi auch darauf, dass Kohfeldt noch einen bis 2023 gültigen Vertrag besitzt. (kni)

Zur letzten Meldung vom 6. Juli 2020:

Wie geht es bei Werder Bremen mit Florian Kohfeldt  weiter? Baumann kündigt Entscheidung an

Ganz egal, was am Montagabend passiert, ob der SV Werder Bremen nun als Erst- oder als Zweitligist das Stadion des 1. FC Heidenheim verlässt, die Abläufe nach dem Relegationsrückspiel sind bereits strikt durchgeplant.

Sie beginnen mit dem nächtlichen Rückflug in den Norden und finden ihren Höhepunkt am Ende der Woche. Dann will Werder Bremen das Ergebnis der großen Saison-Analyse präsentieren, in deren Zentrum natürlich die Fragen stehen: Bleibt Trainer Florian Kohfeldt? Bleibt Sportchef Frank Baumann?

Werder Bremen: Das ist der Fahrplan nach dem Heidenheim-Endspiel

Wenn das Rückspiel des SV Werder Bremen in Heidenheim beendet ist, muss es für die Bremer unabhängig vom Ausgang einigermaßen schnell gehen. Schließlich wartet ein Charterflugzeug, das Spieler, Betreuer und Verantwortliche zurück in die Heimat bringen soll - inklusive eines erzwungenen Umwegs. Weil auf dem Bremer Flughafen ein Nachtlande-Verbot herrscht, steuert die Maschine den Militärflughafen in Cuxhaven an, von wo aus es in Bussen weiter nach Bremen geht. Ordentlich Aufwand. Für Werders Sportchef Frank Baumann aber dennoch die bessere Alternative.

„Nach Abendspielen kann man als Spieler und Verantwortlicher sowieso nicht früh schlafen“, erklärt der 44-Jährige. „Insofern würde ein längerer Aufenthalt im Hotel in Heidenheim die Nacht nicht verlängern.“ Heißt: Müde sind sie bei Werder Bremen am Dienstagmorgen so oder so, und da ist es einfach von Vorteil, schon in der Heimat zu sein, denn schließlich steht dort jede Menge Arbeit an.

Werder Bremen-Entscheidung über Zukunft von Florian Kohfeldt und Frank Baumann „Ende der Woche“

Zunächst wird die Mannschaft am Dienstag (Baumann: „Die Uhrzeit haben wir noch nicht festgelegt“) noch einmal zusammenkommen - zu einer Art Abschlussveranstaltung. Etliche Spieler werden das Bremer Trikot in der neuen Saison schließlich nicht mehr tragen. Ihr Werder-Abschied soll nicht von der Nacht zu Dienstag verschluckt werden, sondern in einem würdigen internen Rahmen vonstatten gehen. Danach geht der Blick dann umgehend in Richtung Zukunft.

„Wir werden relativ schnell in die Analyse der Saison gehen“, kündigte Baumann an. Gespräche der Geschäftsführung, des Aufsichtsrats, dann auch untereinander: bei Werder Bremen wird in der neuen Woche viel diskutiert werden. Ganz egal, ob die Bremer Grusel-Saison noch das spätest mögliche Happy-End gefunden hat oder tatsächlich im Abstieg gemündet ist. „Es wird einige Runden mit verschiedenen Gremien geben, deswegen brauchen wir ein paar Tage Zeit“, berichtete Baumann. Lange wird es allerdings nicht dauern, bis Werder Ergebnisse präsentieren wird: „Ich denke, dass wir am Ende der Woche damit an die Öffentlichkeit gehen“, sagte Baumann. Fragen nach der Zukunft von Trainer und Sportchef sowie möglicherweise einer generellen Neuausrichtung des Vereins dürften dann beantwortet werden. (dco)

Entscheidung um den Klassenerhalt: Verfolgt das Relegations-Rückspiel des SV Werder Bremen gegen Heidenheim live im TV!

Zur letzten Meldung vom 27. Juni 2020:

Werder-Trainer Florian Kohfeldt und der Kampf mit den Emotionen - Zukunft ungewiss

Vor gut einer Woche war der SV Werder Bremen abgestiegen. Zumindest machte Florian Kohfeldt erstmals den Eindruck, dass selbst er nicht mehr an den Klassenerhalt glaubte. Dem Trainer kamen fast die Tränen, als er die Bremer Pleite in Mainz erklären sollte. Doch der 37-Jährige hat sich wieder aufgerappelt.

Florian Kohfeldt will mit aller Macht die letzte Chance am Samstag gegen den 1. FC Köln nutzen, zumindest die Relegation zu erreichen. Geholfen haben ihm Sportchef Frank Baumann, seine Frau, seine Kinder – und vor allem seine ganz besondere Verbindung zum SV Werder Bremen.

„Ich weiß, dass es sich abgedroschen anhört, weil ich es hier schon zehn Mal gesagt habe“, bittet Florian Kohfeldt bei der Video-Pressekonferenz am Freitagvormittag fast schon um Entschuldigung für die nächsten Worte, die er dann umso konsequenter vorträgt: „Ich werde hier bis zur aller, aller, allerletzten Sekunde kämpfen und daran glauben, dass es funktioniert. Ich will mir nie nachsagen lassen, dass ich nicht gekämpft habe für den Verein und für die Mitarbeiter und für den Verbleib in dieser Liga. Und ich glaube daran, dass diese Mannschaft – jeder einzelne! – diesen Charakter auch hat.“

Werder Bremen: Florian Kohfeldt hat noch Rückendeckung - auch bei großen Teilen der Fans

Eigentlich eine übliche Kampfansage, böse gesagt sogar das Erwartbare. Ein Trainer muss Mut machen. Doch bei Florian Kohfeldt steckt mehr dahinter. Er ist so grün-weiß, dass ein großer Teil der Fans nicht nur wegen des ersten Bundesliga-Abstiegs seit 40 Jahren traurig wäre, sie wollen nicht auch noch ihn verlieren. Der ehemalige Torwart der dritten Mannschaft, die damals in der Verbandsliga kickte, hat sich beim SV Werder Bremen vom Nachwuchscoach bis auf die Bundesliga-Bank hochgearbeitet. Seine sympathische offene Art ist ansteckend. Kohfeldt kann den Fußball so gut erklären, dass an Stammtischen mittlerweile sogar über gegenläufige Bewegungen und Steil-Klatsch diskutiert wird. Er gibt auf jede Frage eine verständliche Antwort und versteckt sich nicht hinter Phrasen.

Florian Kohfeldt hat auch sportlich abgeliefert, rettete Werder Bremen vor zwei Jahren als Feuerwehrmann vor dem Abstieg, führte das Team in der Saison danach fast nach Europa. Er wurde vom DFB als Trainer des Jahres ausgezeichnet, hätte in dieser Saison bei Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach, VfL Wolfsburg oder 1899 Hoffenheim arbeiten können.

Werder Bremen und der Kampf um die Relegation - Florian Kohfeldt: „Es ist nicht aussichtslos“

Kohfeldt blieb und stürzte mit seiner Mannschaft ab. Seit dem 21. Dezember befindet sich Werder in der Abstiegszone, die Verantwortlichen haben ihn trotzdem nie infrage gestellt. „Viele sagen zu Recht, dass man an Ergebnissen gemessen wird, dass dafür der Trainer verantwortlich ist“, kann Florian Kohfeldt die kritischen Stimmen, von denen es natürlich auch nicht gerade wenige gibt, „sehr gut nachvollziehen“. Aber die Zustimmung ist immer noch größer. Die „Bild“ hat gerade im Internet eine Umfrage gemacht, ob Kohfeldt bleiben soll: Etwas mehr als 50 Prozent der Teilnehmer haben sich dafür ausgesprochen. Das dürfte in so einer Situation ein historisches Ergebnis bei dem Boulevardblatt gewesen sein – schließlich geraten gerade dort Trainer sofort in die Schusslinie, wenn es nicht läuft.

Und bei Florian Kohfeldt lief in dieser Saison ergebnistechnisch nicht viel zusammen. Mit 28 Punkten nach 33 Spieltagen muss ein Club normalerweise schon für die Zweite Liga planen. „Wir haben eine schlechte Saison gespielt, aber wir liegen nicht drei Punkte und zehn Tore zurück“, verweist Kohfeldt auf die Tabelle und hofft auf Schützenhilfe in Berlin, wo Union möglichst Düsseldorf schlagen muss. Bei einem Unentschieden würde Werder Bremen ein einfacher Sieg gegen den 1. FC Köln nicht reichen, dann müssen noch vier Treffer in der Tordifferenz aufgeholt werden. „Es ist nicht aussichtslos“, betont Kohfeldt nicht nur einmal.

Werder Bremen: Bleibt Florian Kohfeldt auch bei Abstieg Werder-Trainer?

Er glaubt wieder daran. Anders als noch in Mainz. „Ich habe so viele Emotionen für diesen Verein, da konnte ich in dem Moment nicht nüchtern und professionell antworten. Das bin ich nicht. Ich versuche, immer ehrlich zu sein“, sagt Florian Kohfeldt. Und ganz ehrlich gibt er dann auch zu, dass er es allein in dieser Woche vielleicht nicht geschafft hätte, wieder hochzufahren. Der 37-Jährige berichtet von Gesprächen mit Frank Baumann, aber auch mit seinen Kindern. „Die können sich allerdings noch nicht so ausdrücken“, sagt Kohfeldt, lacht und fügt noch schmunzelnd an: „Bei meiner Frau ist das natürlich anders.“

Solche lockeren, unterhaltsamen Momente gehören eigentlich fest zu Pressekonferenzen mit dem Werder-Coach. Nun ist es eine Ausnahme. Im Kampfmodus behält die Anspannung die Oberhand. Am Samstagabend könnte es schließlich vorbei sein – mit Werder Bremen und der Bundesliga und auch mit Werder und Florian Kohfeldt. Aufsichtsrat und Geschäftsführung wollen zwar grundsätzlich am Coach festhalten, doch es werden noch viele Gespräche folgen. Der Trainer selbst hat sich noch nicht festgelegt, sagt auch: „Der erste Schritt liegt beim Verein. Erst danach komme ich ins Spiel.“ Er will bis zu einer eigenen Entscheidung erst das nächste Spiel und dann hoffentlich noch die Relegation auf sich wirken lassen – und dabei lässt er gerade nur einen Gedanken zu: „Ich will das schaffen!“ (kni)

Zur letzten Meldung vom 24. Juni 2020:

Trainer-Diskussion: Werder Bremen und die große Frage nach der Zukunft von Florian Kohfeldt

Der SV Werder Bremen steht kurz vor dem Abstieg aus der Bundesliga. Wie geht es in der neuen Saison weiter? Bleibt Florian Kohfeldt Trainer oder wird er entlassen? Und was will der Coach selbst?

Spätestens nach dem kurzen Video, das mitten im heißen Sommer 2019 im Internet aufploppte, stand diese Frage im Raum: „Gelingt diesem Mann bei der Ausübung seines Berufs eigentlich alles!?“ 39 Sekunden sind es, aufgenommen von Radio Bremen. Sie zeigen, wie Florian Kohfeldt während des Trainingslagers von Werder Bremen im bayerischen Grassau nach getaner Arbeit den Platz verlässt – und für einen Moment sorgt, der ihm bundesweit (einmal mehr) reichlich Sympathiepunkte einbringen sollte.

Gegenüber einer jungen Frau weigert sich der Trainer des SV Werder Bremen, auf einem Trikot von Bayern München zu unterschreiben („Es tut mir leid, es gibt Grenzen, hier sind Kameras“), um ihr dann kurzerhand ein Werder-Trikot plus Unterschrift zu schenken. Viel smarter, medienwirksamer, sympathischer geht es nicht. Deshalb: „Gelingt diesem Mann bei der Ausübung seines Berufs eigentlich alles!?“ Nun ja. Inzwischen weiß man, dass sich die Frage aufs Bitterste erübrigt hat. Ein knappes Jahr nach Grassau ist aus dem Höhenflieger Florian Kohfeldt der Bald-Absteiger Kohfeldt geworden, was wiederum neue Fragen aufwirft. Die mit Abstand drängendste lautet: „Und jetzt?“

Werder Bremen steht vor großer Trainer-Diskussion: Bleibt oder geht Florian Kohfeldt?

Natürlich, der guten Ordnung halber und weil es ja auch stimmt: Noch ist ein Spiel zu spielen! Noch hat Werder Bremen und damit Florian Kohfeldt die kleine (sehr, sehr kleine) Chance, das drohende Unheil namens Abstieg auf den letzten Drücker abzuwenden und sich zumindest erstmal in die Relegation zu retten. Die bevorstehende große Bremer Trainerdiskussion beeinflusst das allerdings nicht mehr. Denn unabhängig vom Ausgang der Saison ist es längst mehr als nur fraglich, dass Kohfeldt auch in der neuen Spielzeit noch Cheftrainer ist. In den vergangenen elf Monaten ist schließlich nahezu alles schiefgelaufen.

Wie schmerzhaft all das für den Coach des SV Werder Bremen  sein muss, wie viel Kraft es ihn gekostet hat – das stand Kohfeldt nach dem 1:3 in Mainz deutlich ins Gesicht geschrieben. Mehr noch: Es hat ihm die Sprache geraubt. „Es ist eine große Leere da“, sagte der Mann, der zuvor auch nach noch so bitteren Niederlagen quasi schon mit dem Abpfiff nachvollziehbare Erklärungen hatte liefern können. Rhetorik als Rüstzeug, offensive Offenheit. Es trug und trägt einen maßgeblichen Teil dazu bei, dass der Trainer Florian Kohfeldt bis heute – ungeachtet seiner miserablen sportlichen Ausbeute – ein hohes Ansehen in nahezu allen werder-relevaten Medien genießt. Oder anders ausgedrückt: Ein Sündenbock war er nie. Was bemerkenswert ist, weil es den meisten Trainern in vergleichbaren Situationen anders ergeht. In Mainz sah Kohfeldt trotzdem wie ein Coach aus, der kurz vor dem Ende seiner Amtszeit steht.

Werder Bremen: Glaubwürdiges „Weiter so!“ mit Trainer Florian Kohfeldt kaum möglich

Der Vertrag des 37-Jährigen läuft noch bis Sommer 2023. Erst im Vorjahr war er vorzeitig um zwei Jahre verlängert worden – eine Nachricht, die vom Verein groß inszeniert und von den Fans euphorisch aufgenommen wurde. Dazu das kohfeldtsche Versprechen: „Ich werde meinen Vertrag bis 2023 erfüllen, wenn Werder das so will.“ Ein Satz, ausgesprochen, als der Absturz des Clubs wohl nicht einmal dem größten Pessimisten in den Sinn gekommen wäre. Und der deshalb im Sommer 2020 neu gelesen werden muss. Weil Werder Bremen eben eventuell nicht mehr will. Oder sich Kohfeldt revidieren muss.

Dass Vereine trotz eines Abstiegs an ihrem Coach festhalten, hat Seltenheitswert, kommt aber vor. Siehe Mainz und Jürgen Klopp, siehe Freiburg und Christian Streich. Beide Fälle waren jedoch anders gelagert als der aktuelle Bremer, weil ein möglicher Abstieg jeweils von vornherein eingepreist war. Werder hingegen – nur zur Erinnerung – hat im Sommer vollmundig das Ziel Europa ausgerufen, was mutig und zum damaligen Zeitpunkt richtig war, nun aber für diese enorme Fallhöhe sorgt, die ein glaubwürdiges „Weiter so!“ mit Florian Kohfeldt erschwert. Und selbst wenn der Verein nach der für die kommende Woche angekündigten Großanalyse (Sportchef Frank Baumann: „Wir werden alle Facetten dieser Saison zusammentragen“) zu dem Schluss kommen sollte, dass für Kohfeldt nicht Schluss ist, bleibt die Frage: Was will der 37-Jährige eigentlich selbst?

Werder Bremen: Würde Trainer Florian Kohfeldt den großen Umbruch im Sommer schaffen?

Florian Kohfeldt, geboren zwar in Siegen und aufgewachsen in Delmenhorst, ist Bremer durch und durch, ist Werder durch und durch. Vom Nachwuchstrainer und Amateur-Torwart auf den Cheftrainer-Sessel – wenn der Begriff „Fußballmärchen“ nicht derart abgenutzt wäre, müsste man ihn noch einmal herauskramen. Kohfeldt lebt diesen Verein. Wenn es nur um seine Verbundenheit, um sein Verantwortungsbewusstsein gehen würde, dann wird er sicher weitermachen wollen. Er dürfte sich aber auch fragen, ob das nach so einer Saison noch vermittelbar ist und – noch viel wichtiger – ob er selbst die Kraft dafür hat, den großen Umbruch bei Werder Bremen über den Sommer hinweg in die neue Saison zu tragen. Eine Saison, in der er, egal ob in erster oder zweiter Liga, vom ersten Spieltag an wie auf Bewährung arbeiten müsste.

„Meine größte Angst ist es, dass ich hier irgendwann gehen muss. Denn es ist mein Verein. Das würde mich tief treffen“, hatte Florian Kohfeldt im Sommer 2019 kurz nach seiner Vertragsverlängerung während des Werder-Trainingslagers in Grassau gesagt. Wenig später entstand dann das charmante Video mit dem Autogrammwunsch auf dem Bayerntrikot. Und der ganze Schlamassel war noch weit, weit weg. (dco)

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