Umstrittenes Kölner Ausgleichstor

Foul an Jiri Pavlenka oder nicht? Werder Bremen fühlt sich in Köln vom Video-Schiedsrichter um den Sieg gebracht

Die Aufreger-Szene des Spiels von Werder Bremen gegen den 1. FC Köln: Jiri Pavlenka wird vor dem Ausgleich vom Kölner Emmanuel Dennis (irregulär?) gestört.
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Die Aufreger-Szene des Spiels von Werder Bremen gegen den 1. FC Köln: Jiri Pavlenka wird vor dem Ausgleich vom Kölner Emmanuel Dennis (irregulär?) gestört.

Köln – Nach dem Spiel gab es nur ein Thema: War es ein Foul an Jiri Pavlenka oder nicht? Für Florian Kohfeldt gab es da keine zwei Meinungen, der Coach des SV Werder Bremen hielt den Ausgleich des 1. FC Köln für irregulär, ärgerte sich vor allem über den Video-Assistenten (VAR) und urteilte nach dem 1:1 (0:0): „Das ist für mich eine Fehlentscheidung – sowohl inhaltlich als auch eingreifend. Und das ist die spielentscheidende Szene, die uns das Unentschieden bringt und den Sieg nimmt.“ Sein Kölner Kollege Markus Gisdol sah das ganz anders: „Ich glaube, niemand kann sich großartig beschweren, dass dieses Tor gegeben wird.“

Es ging um die Szene in der 83. Minute. Werder Bremen führte durch das Tor von Josh Sargent mit 1:0 (65.), als eine Flanke von Noah Katterbach in den Bremer Strafraum segelte. Eigentlich eine sichere Angelegenheit für Jiri Pavlenka, doch der Keeper bekam den Ball nicht zu packen, sondern ihn im Luftkampf mit Emmanuel Dennis auf den Kopf. Und so konnte der eingewechselte Jonas Hector die Kugel anschließend mühelos zum 1:1 ins leere Tor schießen (83.). Es sah im ersten Moment wie ein schlimmer Torwartfehler aus. Doch die TV-Bilder zeigten, dass Dennis mit seiner Hand weit oben in der Luft Pavlenkas Arm berührt und damit die Fangbewegung entscheidend gestört hatte.

Foul oder nicht? Jiri Pavlenka-Szene sorgt bei Bundesliga-Spiel zwischen Werder Bremen und dem 1. FC Köln für Ärger

„Dennis drückt den Arm von Pavlenka weg – und ein Torwart braucht schon beide Arme, um den Ball zu fangen“, analysierte Florian Kohfeldt bei Sky und fasste später noch mal kurz zusammen: „Wenn man ihm die Arme nimmt, dann ist das irregulär.“ Dabei sei es auch unerheblich, wo sich die Aktion abspiele – in diesem Fall außerhalb des Fünfmeter-Raums. „Es geht gar nicht um eine Schutzzone für einen Torwart. Aber ein Torwart darf im Strafraum die Hand nehmen. Wenn ihm aber die Hand weggedrückt wird, dann kann er den Ball nicht fangen, deshalb ist es ein klares Foul.“

Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck sah es anders, seine Pfeife blieb still. Aber dann wurde es interessant und aus Sicht des SV Werder Bremen ziemlich ärgerlich. „Herr Jöllenbeck hat mir auf dem Platz gesagt, dass er die Szene nur auf Handspiel überprüft und es sich deshalb nicht noch mal angeguckt hat“, berichtete Kohfeldt. So hatte es auch der offizielle Schiedsrichter-Kanal des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verkündet. Der Werder-Coach nahm Jöllenbeck dabei ausdrücklich in Schutz, dessen Assistenten vor den Bildschirmen, in diesem Fall Bastian Dankert, dafür aber in die Pflicht: „Das muss der Video-Schiedsrichter sehen. Da gibt es aus meiner Sicht keine Diskussion.“

Florian Kohfeldt: „Fehlentscheidung“ - Hätte der VAR für Jiri Pavlenka bei Werder Bremen gegen Köln eingreifen müssen?

Was auffiel: Florian Kohfeldt blieb bei allem Ärger über das höchst umstrittene Gegentor ziemlich ruhig, äußerte seine Kritik sehr sachlich – ohne große Emotionen. Und auf Werders Internetseite gibt es nur Aussagen des Trainers zum Thema des Tages. Spieler wie Torschütze Sargent oder Abwehrchef Toprak werden zwar auch zitiert, aber nicht in Zusammenhang mit der von Kohfeldt deutlich ausgesprochenen „Fehlentscheidung“. Möglicherweise will Werder Bremen das Fass nicht zu weit aufmachen, um in der entscheidenden Saisonphase bei der Schiedsrichter-Gilde nicht in Ungnade zu fallen.

Der inzwischen sehr bekannte Schiedsrichter-Podcast „Collinas Erben“, deren Betreiber auch als Experten für Sky arbeiten, urteilten übrigens direkt nach dem Spiel so: „Für mich ist es ein regelkonformer Zweikampf in der Luft, den Jiri Pavlenka verliert. Dennis setzt den Arm in der Sprungbewegung zum Kopfball ein und nicht, um den Torwart zu behindern. Dass Pavlenka nicht an den Ball kommt, weil da der Arm ist, macht es nicht irregulär.“ Der Tweet sorgte vor allem bei Werder-Fans für große Empörung – und dürfte gewiss auch beim Coach des SV Werder Bremen für ein Kopfschütteln sorgen. (kni/csa)

Lest dazu: Foul oder Patzer: Gegenwind für Werder-Keeper Pavlenka durch Bremer Torwart-Legenden Oliver Reck, Tim Wiese und Andreas Reinke

Letzte Meldung vom 7. März 2021:

„Kein korrektes Tor“ – Werder Bremen ärgert sich über Video-Schiri

Für Florian Kohfeldt war die Sache nach dem höchst umstrittenen Ausgleich des 1. FC Köln gegen seinen SV Werder Bremen zum 1:1-Endstand klar: „Für mich war es kein korrektes Tor.“ Kölns Angreifer Emmanuel Dennis hatte Werder-Keeper Jiri Pavlenka nach einer Flanke mit der Hand am Arm berührt. Pavlenka konnte den hohen Ball dadurch nicht fangen, bekam ihn auf den Kopf – und davon profitierte Jonas Hector, der ins leere Tor schießen konnte. 

„Dennis drückt den Arm von Pavlenka weg – und ein Torwart braucht schon beide Arme, um den Ball zu fangen“, analysierte Florian Kohfeldt bei Sky. Der Werder-Coach blieb dabei überraschend gefasst, andere Kollegen wären in dieser Situation wahrscheinlich wesentlich ungehaltener gewesen. Denn die Geschichte war noch viel bitterer für Werder Bremen. Eigentlich hätte Video-Assistent (VAR) Bastian Dankert dem Unparteiischen Matthias Jöllenbeck zur Seite springen müssen, die TV-Bilder waren ziemlich eindeutig, was das Foul des 1. FC Köln betrifft. Doch dabei ging es in der Kommunikation zwischen den Schiedsrichtern offenbar gar nicht.

Umstrittenes Werder Bremen-Gegentor gegen den 1. FC Köln: Foul oder Fehler?

„Herr Jöllenbeck hat mir auf dem Platz gesagt, dass er es nur auf Handspiel überprüft hat und es sich deshalb nicht noch mal angeguckt hat“, berichtete Kohfeldt. So hatte es auch der offizielle Kanal des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für seine Schiedsrichter verkündet.

Für Florian Kohfeldt und Werder Bremen war das nicht nachvollziehbar: „Ich habe Herr Jöllenbeck gesagt, dass ich seine Spielleitung grundsätzlich sehr gut finde. Aber das muss er sich einfach angucken, da gibt es keine Diskussion aus meiner Sicht. Es geht gar nicht um eine Schutzzone für einen Torwart. Aber ein Torwart darf im Strafraum die Hand nehmen. Wenn ihm aber die Hand weggedrückt wird, dann kann er den Ball nicht fangen, deshalb ist es ein klares Foul.“ Torschütze Hector sah das anders: „Für mich war das kein Foul – das wurde dann ja auch so gesehen, deswegen kann ich damit leben.“ (kni) Auch interessant: Werder Bremen in Noten gegen den 1. FC Köln: Josh Sargent stark, Kevin Möhwald blass.

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