Werder Bremen in der Krise

„Niemand hat die Lage unterschätzt“: Werder-Boss Marco Bode im DeichStube-Interview über den Absturz, Baumann und Kohfeldt

Aufsichtsratschef Marco Bode bezeichnet die aktuelle sportliche Situation von Werder Bremen als „kritisch“, glaubt aber weiterhin fest an den Klassenerhalt.
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Aufsichtsratschef Marco Bode bezeichnet die aktuelle sportliche Situation von Werder Bremen als „kritisch“, glaubt aber weiterhin fest an den Klassenerhalt.

Bremen – Natürlich hatte auch er sich eine deutlich ruhigere Saison gewünscht, wäre mit Werder Bremen viel lieber längst in sicheren Gefilden unterwegs, doch einmal mehr ist es anders gekommen: Die Realität heißt Abstiegskampf.

Im Gespräch mit der DeichStube erklärt Aufsichtsratschef Marco Bode (51), wie er die aktuelle sportliche Lage des SV Werder Bremen einschätzt, welchen Anteil Sportchef Frank Baumann und Trainer Florian Kohfeldt daran tragen – und warum er das Duo nach wie vor für Werders beste Zukunftslösung hält.

Herr Bode, seit dem 0:1 gegen Mainz muss Werder Bremen wieder um den Klassenerhalt fürchten. Wie bewerten Sie die aktuelle sportliche Situation?

Wir haben noch alles in der eigenen Hand, aber dennoch ist die Situation für uns kritisch. Wir sind durch die vergangenen Wochen jetzt mittendrin im Abstiegskampf. Wir wussten allerdings die ganze Zeit, dass wir noch nicht auf der sicheren Seite sind. Schon im Sommer war klar, dass es eine komplizierte Saison werden kann. Zum Teil ist die Negativserie auch damit zu erklären, dass wir eine Menge Top-Teams vor der Brust hatten. Trotzdem haben wir uns erhofft, dass wir hier und da einen Punkt holen gegen die Großen und vor allem in den Spielen gegen Stuttgart und Mainz Siege einfahren. Das ist uns leider nicht gelungen. Jetzt müssen wir alle Kräfte bündeln, um auch in diesem Jahr wieder in der Liga zu bleiben. Um nichts anderes geht es. Ich bin aber überzeugt, dass wir es schaffen werden.

Das offizielle Saisonziel lautete im Sommer, den Klassenerhalt „stabil“, also ohne große Sorgen, perfekt zu machen, was einen Fortschritt im Vergleich zum Vorjahr bedeutet hätte. Damit dürfte es sich bereits erledigt haben, oder?

Um ehrlich zu sein, ist es jetzt nicht interessant, ob wir dieses Attribut „stabil“ umsetzen konnten. Man kann aber sagen, dass es uns in den letzten Wochen nicht gelungen ist, stabil in der Bundesliga zu punkten. Auf das Saisonziel blicken wir erst, wenn die Saison beendet ist. Wir haben jetzt ein sehr wichtiges Spiel in Berlin vor uns, und wenn es uns gelingt, dort einen Sieg einzufahren, sieht die Situation schon besser aus. Niemand bei uns hat die Lage unterschätzt. Klar hatten wir die Hoffnung, zum jetzigen Zeitpunkt einen oder zwei Schritte weiter zu sein und mehr Punkte zu haben. Die Mannschaft hat gegen Mainz zwar nicht enttäuscht, aber es war spürbar, dass die letzte Sicherheit nicht da ist. Jetzt ist wieder jedes Spiel ein Endspiel für uns.

Werder Bremen: Für Marco Bode ist es nicht die schlechteste Phase der Geschichte

Sechs Mal in Folge hatte Werder zuvor noch nie in der Bundesliga verloren – eine schlechtere Phase gab es also bisher nicht. Hätten am Mittwochabend Fans im Weserstadion gesessen, das Pfeifkonzert wäre wohl beachtlich gewesen. Nun machen viele Anhänger in den einschlägigen Internetforen Ihrem Unmut Luft. Können Sie die Kritik nachvollziehen?

Erstmal glaube ich nicht, dass es die schlechteste Phase der Werder-Geschichte ist. Allein schon aus der noch frischen Erinnerung an die letzte Saison, als es vor und nach Weihnachten eine Phase gab, die für mich von den Leistungen her deutlich schlechter war. Ich versuche, trotz aller Bedeutung der Ergebnisse, auch auf die Leistung der Mannschaft zu schauen. Es kann niemand behaupten, dass die Mannschaft auseinanderfällt und sich aufgibt. Ich habe den höchsten Respekt vor unserem Publikum, das normalerweise im Stadion ist. Die Reaktion der Fans auf den Rängen ist enorm wichtig und für mich deutlich wichtiger als in den Foren und Social-Media-Kanälen. Ganz ehrlich: Dort habe ich in den vergangenen zwei Jahren nur sehr selten etwas Positives über Frank Baumann, Florian Kohfeldt oder mich gelesen. Wir wertschätzen die Meinung unserer Fans, aber die Foren sind für mich keine entscheidende Instanz. Ich bin mir gar nicht sicher, ob wir nach dem Spiel gegen Mainz so großen Unmut im Stadion erlebt hätten. Enttäuschung mit Sicherheit, aber wirklicher Unmut zeigt sich erst dann, wenn die Mannschaft desolat spielt und nicht bereit ist, zu kämpfen. Das war nicht der Fall.

Welchen Anteil tragen Trainer Florian Kohfeldt und Sportchef Frank Baumann aus Ihrer Sicht daran, dass Werder wieder zittern muss?

Die beiden sind natürlich die wichtigsten Kräfte im sportlichen Bereich, aber wir übernehmen da alle Verantwortung. Nach der Saison werden wir uns wieder darüber unterhalten, was gut und was schlecht gelaufen ist. Nochmal: Natürlich haben wir gehofft, nicht wieder in diese Lage zu kommen. Aber wir haben noch alle Chancen, unser Saisonziel zu erreichen. Deswegen werden wir zu diesem Zeitpunkt keine Saisonanalyse machen, sondern erst nach dem letzten Spieltag. Hoffentlich dann in dem Wissen, dass wir auch in der nächsten Saison in der Bundesliga spielen.

Marco Bode geht davon aus, dass Florian Kohfeldt und Frank Baumann bleiben

Ist es denn Stand heute das grundsätzliche Ziel des Vereins, auch in die neue Saison mit dem Cheftrainer Florian Kohfeldt und dem Sportchef Frank Baumann zu starten?

Davon gehe ich zumindest aus. Wir haben mit Frank ja erst im letzten Jahr den Vertrag um ein Jahr verlängert, und er hat seine Überzeugung im Hinblick auf den Trainer ja gerade erst einmal mehr öffentlich geäußert. Diese Einschätzung teile ich. Ich habe zum jetzigen Zeitpunkt auch keinen Anlass, mir über andere Dinge Gedanken zu machen. Wir werden jetzt keine Personaldiskussion führen. Jetzt zählt nur die Frage, ob wir die Saison erfolgreich zu Ende bringen – und davon bin ich überzeugt. Wir reden jetzt über vier enorm wichtige Wochen, in denen es gilt, dass alle zusammenzuhalten.

Frank Baumann und Florian Kohfeldt haben nach dem Fast-Abstieg im Vorjahr das Vertrauen für den Neuaufbau bekommen, stehen jetzt mit der Mannschaft aber wieder im Tabellenkeller. Ganz unabhängig davon, wie die Saison ausgeht: Kann es der richtige Weg sein, im Sommer nochmal zu sagen: Wir machen mir dieser Besetzung weiter?

Unser Fokus liegt derzeit nur auf den letzten Spielen, in denen wir den Klassenerhalt sichern wollen. Es ist jetzt überhaupt nicht unser Thema, über den Sommer hinauszublicken. Dafür sind einfach noch zu viele Fragen offen. Der Saisonausgang, die Mitgliederversammlung mit den Aufsichtsratswahlen. Was soll ich da jetzt irgendetwas behaupten, das uns nicht hilft.

Können Sie, für den Fall, dass es gegen Union Berlin die siebte Niederlage in Serie gibt, ausschließen, dass es kurzfristig zu einer Veränderung auf der Trainerposition kommt?

Frank Baumann ist der wichtigste Mann in der Beurteilung des Trainers, und er hat sich klar geäußert. Dem kann ich mich nur anschließen und das gleiche auch über Frank sagen. Wir wollen in dieser Konstellation den Klassenerhalt schaffen.

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