Über seine Karriere, Tore und Netflix

Werder-Verteidiger Veljkovic im Interview: „Ich bin schon lange kein Talent mehr“

Vor dem Spiel des SV Werder Bremen gegen den 1. FC Köln spricht Milos Veljkovic im Interview über seine Rolle bei Werder, Tore und Netflix.
+
Vor dem Spiel des SV Werder Bremen gegen den 1. FC Köln spricht Milos Veljkovic im Interview über seine Rolle bei Werder, Tore und Netflix.

Bremen – Milos Veljkovic gehört inzwischen schon zum Inventar des SV Werder Bremen. Seit fünf Jahren ist der in der Schweiz geborene Serbe bereits an der Weser, hat 121 Bundesliga-Spiele für die Grün-Weißen absolviert – nur Theodor Gebre Selassie (259), Maximilian Eggestein (145) und Jiri Pavlenka (123) aus dem aktuellen Kader haben mehr mit der Raute auf der Brust absolviert.

Vor dem wichtigen Auswärtsspiel des SV Werder Bremen beim 1. FC Köln (Sonntag, 15.30 Uhr, Live-Ticker) sprach die DeichStube mit dem 25-jährigen Innenverteidiger über ungeahnte Traumtor-Qualitäten, sein Standing im Team und Netflix-Ablenkung im Kampf gegen die Langeweile.

Milos Veljkovic, wie oft haben Sie sich schon auf dem Youtube-Kanal der DeichStube Ihr Traumtor beim Training am Dienstag angeschaut?

Normalerweise bekomme ich so etwas gar nicht mit. Aber meine Freunde haben mir das per Whats-App geschickt – und natürlich habe ich es mir dann zwei, drei Mal angeguckt. Es war wirklich ein schönes Tor.

Steckt in Ihnen vielleicht doch ein Torjäger, hat Sie Trainer Florian Kohfeldt womöglich ganz falsch eingesetzt?

Es kann schon sein, dass ich die falsche Position spiele (lacht). Nein, nur Spaß. Im Training ist alles schon ein bisschen einfacher.

Stimmt, im Spiel hatten Sie zuletzt weniger Erfolg, da landeten ihre beiden Kopfbälle aus kurzer Distanz gegen Fürth und Freiburg nicht im Tor. Wie sehr beschäftigt Sie das noch?

Es ärgert mich, dass ich der Mannschaft nicht mit einem Tor helfen konnte. Aber es zeigt auch, dass ich im Vergleich zum Saisonbeginn viel besser in solche Positionen komme und gefährlicher bin. Ich muss nur noch konsequenter sein, dann treffe ich hoffentlich bald auch mal.

Werder Bremen: Milos Veljkovic fühlt sich als Stammspieler, aber schon lange nicht mehr als Talent

Fühlen Sie sich als Stammspieler?

Ja. Ich habe schon das Gefühl, dass ich spiele, wenn ich fit bin. Aber ich mache mir da auch nicht so viele Gedanken, weil das allein der Trainer entscheidet.

Und Florian Kohfeldt hat unlängst öffentlich betont, dass Sie genau diesen Status besitzen. Wie gut tut das?

Ganz ehrlich: Ich höre, sehe und lese nichts. Aber es ist immer schön, das Vertrauen vom Trainer zu haben.

Warum interessiert es Sie nicht, was über Werder und Sie berichtet wird, sind Sie da gar nicht neugierig?

Am Anfang meiner Karriere war ich das und habe auch viel verfolgt. Seit ein paar Jahren lasse ich das aber, weil ich mich direkt auf das nächste Spiel konzentrieren will. Es ist dabei auch egal, ob ich gut oder schlecht gespielt habe, ich mag diesen Rückblick nicht und schaue lieber nach vorne.

Okay, Sie werden es nicht gelesen haben, aber es wurde zuletzt viel über die starken Leistungen Ihrer Abwehrkollegen berichtet: Ömer Toprak und Marco Friedl. Ömer ist mit 31 Jahren sehr erfahren, Marco mit 22 Jahren noch sehr jung – wo ordnen Sie sich dort mit Ihren 25 Jahren ein, an welchem Punkt Ihrer Karriere stehen Sie?

Ich würde es mal so sagen: Ich bin schon lange kein Talent mehr. Mit meiner Erfahrung fühle ich mich sehr wohl.

Wird man den Status Talent überhaupt los, wenn man in einem Verein bleibt?

Ich denke schon. In der Mannschaft spüre ich viel Respekt – und nicht nur dort.

Werder Bremen-Interview: Milos Veljkovic gefällt „ekelige“ Spielweise

Was hat sich denn verändert im Vergleich zu den Zeiten als Talent?

Ich habe mich gut weiterentwickelt, bin vor und in den Spielen ruhiger geworden. Gerade in den ersten beiden Jahren war ich schon etwas nervöser. Das gehörte damals aber einfach dazu.

Was möchten Sie in Ihrem Spiel noch verbessern?

Die Torgefährlichkeit (lacht).

Was ist mit den Diagonalbällen, für die Sie bekannt sind, können Sie diese Waffe noch schärfen?

Wir arbeiten kollektiv daran. Aber im Spiel muss man sich auch an die Gegebenheiten anpassen. Wenn der Gegner zum Beispiel in einem 3:5:2-System spielt, ist es schwerer, den linken Flügel anzuspielen, weil es dort dann ein Mann-gegen-Mann gibt. Bei einer Viererkette ist das einfacher. Klar, Diagonalbälle gehören zu meinen Stärken, aber ich muss das nicht in jedem Spiel zeigen. Das habe ich gelernt. Ich kann jetzt besser die richtige Entscheidung treffen, welchen Ball ich wann spielen muss.

Gegen Frankfurt ging es vor allem auch darum, den Gegner mit Kompromisslosigkeit zu begegnen. Hat es Ihnen gefallen, dass Werders Spielweise hinterher als „ekelig“ bezeichnet wurde?

Definitiv. Wir waren alle ekelig und giftig gegen den Ball – und mit dem Ball dann zielstrebig und konsequent. So muss das sein.

Wie lässt sich dieser Teamgeist in Zeiten von Corona mit all den Beschränkungen immer wieder stärken?

Vor allem auf dem Trainingsplatz. Denn Teamabende wie früher kann es jetzt ja nicht geben.

Werder Bremen: Milos Veljkovic lenkt sich in Corona-Zeiten mit Netflix und „Narcos“ ab

Deswegen wurde am Dienstag auch viel länger trainiert als sonst...

...das tut manchmal auch gut, weil es einfach Spaß bringt. Da kann jeder machen, was er braucht. Da bilden sich dann ein paar Gruppen. Die einen scherzen rum, die anderen probieren noch Sachen aus.

Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Ich bin seltener in einer spaßigen Gruppe, denn wir Verteidiger üben lieber Diagonalbälle oder Kopfbälle. Die Stürmer und Mittelfeldspieler wollen eigentlich immer aufs Tor schießen – und da gibt es natürlich etwas mehr Spaß (lacht).

Wie lenken Sie sich in Zeiten von Corona vom Fußball ab?

Ich tausche mich viel mit meiner Familie über Facetime aus. Ansonsten geht es mir wie fast allen: Ich schaue viel Fernsehen, vor allem Netflix. Die Tage sind insgesamt eher langweilig.

Haben Sie denn wenigstens eine spannende Netflix-Serie entdeckt, die Sie empfehlen können?

Meine Lieblingsserie ist aktuell Narcos.

Worum geht es dabei?

Um Pablo Escobar, einen Drogenhändler. Das ist schon sehr interessant, aber eher etwas für Erwachsene.

Werder Bremen: „Kopfkino“ - Milos Veljkovic träumt vom DFB-Pokal-Finale in Berlin

Wie sehr vermissen Sie Ihre Familie?

Schon sehr. Ich war jetzt schon sieben, acht Monate nicht mehr in der Schweiz. Früher bin ich schnell mal nach Hause, wenn wir zwei Tage frei hatten. Das geht jetzt nicht mehr. Deswegen hoffe ich, dass diese ganze Sache bald vorbei ist.

Früher haben Sie durchaus private Dinge in den Sozialen Medien preisgegeben, auch mal entsprechende Fotos veröffentlicht, nun sind Sie dort nur noch rein sportlich unterwegs – warum?

Weil es ansonsten nichts zu berichten gibt. Ich kann ja nicht jeden Tag ein Foto von mir vom Sofa posten (lacht). Es passiert leider wenig Spannendes.

Das Pokalspiel gegen Regensburg musste verlegt werden, weil gleich acht Corona-Fälle beim Zweitligisten aufgetreten sind, darunter auch vier Infektionen mit Mutanten des Virus. Machen Sie sich Sorgen, dass die umfangreichen Schutzmaßnahmen für Sie als Profi doch nicht ausreichen könnten?

Nein. Bei uns hält sich jeder an die Regeln, mehr geht nicht. Natürlich kann immer etwas passieren, aber damit darf man sich auch nicht zu viel beschäftigen.

Beschäftigen Sie sich denn schon ein bisschen mit dem möglichen Pokalfinale, darf da ein bisschen geträumt werden?

Na klar. Ich habe mir auch die anderen Pokalspiele angeschaut. Natürlich hat man da Kopfkino, wir wollen in Berlin dabei sein. Trotzdem gilt: Wir müssen von Spiel zu Spiel denken. Auch wenn das vielleicht etwas langweilig klingt.

Schauen Sie denn zumindest persönlich etwas weiter in die Zukunft und denken darüber nach, was mit Ihnen im Sommer passieren könnte?

Nein. Im Fußball geht alles so schnell. Mein Fokus liegt auf den Spielen jetzt.

Werder Bremen: Milos Veljkovic hofft auf Verbleib von Florian Kohfeldt als Werder-Trainer

Die Coronakrise hat auch den Fußball hart getroffen. Sind Sie froh, dass Ihr Vertrag noch ein Jahr läuft und Sie dadurch abgesichert sind?

Natürlich. Es ist ein Privileg, einen Vertrag bei so einem Club in der Bundesliga zu haben. Dafür bin ich dankbar.

Sie sind schon seit über fünf Jahren bei Werder Bremen. Machen sie sich wegen der Folgen der Coronakrise Sorgen um die Zukunft Ihres Clubs?

Es ist doch für alle Vereine schwierig – außer vielleicht für Bayern und Dortmund. Natürlich bekomme ich das mit. Wir müssen alle versuchen, das Beste daraus zu machen.

Wie wichtig wäre es für Sie, dass Florian Kohfeldt auch in der nächsten Saison Ihr Trainer bleibt?

Florian ist ein Top-Trainer, wir verstehen uns gut. Ich würde mich freuen, wenn er auch mein Trainer bleiben würde.

Am Sonntag geht es gegen Köln. Kann da schon die Vorentscheidung im Abstiegskampf fallen?

Das weiß ich nicht. Es geht um drei wichtige Punkte. Wir wollen so auftreten wie gegen Frankfurt und natürlich punkten.

Mögen Sie Köln als Gegner?

Es ist kein Lieblingsgegner, aber auch kein normaler Gegner, denn ich habe gegen Köln schon mal getroffen. Also ich hätte nichts dagegen, wenn es wieder klappen würde.

Das könnte Sie auch interessieren

Fußball

Bescheidener Auftritt: DFB-Frauen nur 0:0 gegen Chile

Bescheidener Auftritt: DFB-Frauen nur 0:0 gegen Chile

Biathlon: Der Kader der deutschen Damen für die Saison 2021/22

Biathlon: Der Kader der deutschen Damen für die Saison 2021/22

Biathlon: Der Kader der deutschen Herren für die Saison 2021/22

Biathlon: Der Kader der deutschen Herren für die Saison 2021/22

Skispringen: Der Kader der deutschen Herren für die Saison 2021/22

Skispringen: Der Kader der deutschen Herren für die Saison 2021/22

Meistgelesene Artikel

Werder und Kohfeldt: Das teure Warten auf eine glückliche Fügung

Werder und Kohfeldt: Das teure Warten auf eine glückliche Fügung

Nach Eriksen-Kollaps: Italienischer Klubboss hat gute Nachrichten - er reagiert auch auf Impfgerüchte

Nach Eriksen-Kollaps: Italienischer Klubboss hat gute Nachrichten - er reagiert auch auf Impfgerüchte

Schweres Programm: Werder testet im Zillertal gegen einen Meister und einen Pokalsieger

Schweres Programm: Werder testet im Zillertal gegen einen Meister und einen Pokalsieger

Ungarn - Portugal JETZT im Live-Ticker: Ronaldo und Co. zunächst ideenlos - RB-Keeper zeichnet sich aus

Ungarn - Portugal JETZT im Live-Ticker: Ronaldo und Co. zunächst ideenlos - RB-Keeper zeichnet sich aus

Kommentare