Werder vor Saisonstart

Wer hat bei Werder die besten Startelf-Chancen? Der Stürmer-Check

Milot Rashica und Davie Selke verstehen sich. Haben die beiden Angreifer auch Chancen, zum Saison-Start gemeinsam für Werder Bremen in der Startelf zu stehen?
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Milot Rashica und Davie Selke verstehen sich. Haben die beiden Angreifer auch Chancen, zum Saison-Start gemeinsam für Werder Bremen in der Startelf zu stehen?

Lohne/Bremen – Wahrscheinlich ist es ratsam, mit der Begeisterung über diese eine Halbzeit gut zu haushalten. Denn irgendwie bleibt nach der Vier-Tore-Gala des SV Werder Bremen gegen den FC Groningen die Frage, ob die Bremer tatsächlich so gut oder die Niederländer so schlecht waren.

Es kam wohl beides zusammen. Aber auch gegen einen schwachen Gegner muss man erstmal vier Tore binnen 45 Minuten erzielen – Werder Bremen hat es getan. Und weil bei dem Test im niedersächsischen Lohne eines schöner war als das andere, nahm Trainer Florian Kohfeldt einen Packen positiver Eindrücke mit nach Bremen. „Mir wird nicht langweilig beim Überlegen, wer da in zwei Wochen spielt“, sagte der Werder-Coach und präsentierte zu den Worten einen mehr als zufriedenen Gesichtsausdruck.

Insgesamt fünf Treffer hatte der Tag in Lohne geliefert – erst das 4:0 gegen Groningen, dann noch das 1:0 gegen den FC St. Pauli. Weil sich die Treffer auch noch auf fünf Schützen verteilten und der im Sturm als gesetzt geltende Niclas Füllkrug noch nicht mal unter ihnen war, lässt sich nachvollziehen, dass Kohfeldt für das erste Pflichtspiel am 12. September im DFB-Pokal bei Viertligist FC Carl Zeiss Jena wirklich über viele Namen nachdenken muss. Zum Beispiel:

Tahith Chong

Natürlich wurde er von Manchester United ausgeliehen, um bei Werder Bremen sofort eine Rolle zu spielen. Das wird er auch – oder pardon: Er macht es schon. Sein Tor gegen Groningen, es war das 4:0, bestätigte jedenfalls alles, weshalb Werder ihn verpflichtet hat. Tempo, starkes Dribbling, toller Abschluss. Tahith Chong startete sein Solo nach einem Fehlpass des Gegners etwa 40 Meter vor dem Tor. Zwei Gegenspieler ließ er beim Parallellauf zur Strafraumkante stehen, bevor der dritte kam, zog er ab. Mit links, nicht sonderlich platziert, aber hart und deshalb kaum zu halten. Ein sehr schönes Tor, zudem Chongs erstes im Werder-Trikot.

„Der Junge wird uns offensiv Spaß machen, keine Frage“, sagte Kohfeldt, bemängelte aber auch, dass der Niederländer „uns in ein, zwei Situationen defensiv Probleme gemacht“ hat, „aber auch da fand ich ihn schon deutlich verbessert“. Sportchef Frank Baumann hatte Chongs Leistung so gesehen: „Er war gut im Spiel, hat sich sehr gut eingefügt, die Mitspieler gut eingesetzt und sich mit dem Tor belohnt. Das war absolut in Ordnung.“ Kurzum: Der 20 Jahre alte Rechtsaußen hat beste Chancen, beim ersten Pflichtspiel in der Startelf zu stehen.

Milot Rashica

Und plötzlich haute er einen raus! Ein kurzer Sprint als Anlauf, dann der Schuss aus 22 Metern, wuchtig mit rechts abgefeuert. Der Ball wölbte das Tornetz bis zum Anschlag, und Milot Rashica hatte nach einigen Wirrungen endlich sportlich auf sich aufmerksam gemacht. Sein Tor war der Siegtreffer gegen den FC St. Pauli und ein guter Hinweis darauf, dass Werder Bremen tatsächlich weiter mit ihm planen sollte, solange kein anderer Verein den Kosovaren wegkaufen sollte.

Baumann hatte am Samstag das weiter bestehende Interesse von RB Leipzig an Rashica bestätigt, hatte allerdings auch betont, dass es bei den Preislimits der Clubs keine Schnittmenge gibt. Sprich: Ablöseforderung und Ablöseangebot liegen deutlich auseinander. Rashica geht mit dieser Situation offenbar sehr professionell um, das haben sein Auftritt und sein Tor gegen St. Pauli bewiesen. „Wenn wir in der Konstellation wirklich zusammenbleiben“, meinte Kohfeldt mit Blick auf einen möglichen Verbleib des 24-Jährigen, „dann haben wir vorne ein paar gute Probleme.“

Bislang hat der Coach die Karte Rashica in der Vorbereitung aber noch nicht wirklich ausgespielt. Eine Testspielformation mit ihm auf links, Chong auf rechts und Füllkrug in der Mitte hat es noch nicht gegeben. Vielleicht ja am Samstag gegen Hannover 96...

Johannes Eggestein

Bei schwächerer Konkurrenz ginge an ihm wohl kein Weg vorbei. Nach Toren gegen Linz und Lustenau traf Johannes Eggestein auch gegen Groningen. Für Kohfeldt war es gar das schönste Tor des Tages, was aber mehr an dem perfekten Pass von Patrick Erras lag. Eggestein vollstreckte sicher zum 2:0, war auch am 3:0 maßgeblich beteiligt und empfahl sich als Linksaußen für weitere Aufgabe. Kohfeldt: „Jojo macht überragende Laufwege und trifft regelmäßig.“ Eggesteins Problem könnte schlussendlich aber Milot Rashica sein.

Josh Sargent

Über ihn hatte Kohfeldt gerade noch gesagt, dass er sich derzeit „keine Startelf ohne Sargent“ vorstellen könne. Das sollte keine Garantie sein, einfach nur eine Wertschätzung und Momentaufnahme. Doch prompt lieferte Josh Sargent wieder ab. Stark, wie er sich beim 1:0 gegen Groningen um seinen Gegenspieler wand und perfekt abschloss. „Ein überragendes Tor“, urteilte Kohfeldt und hob auch Sargents Laufarbeit für das Team hervor. Sollte der US-Amerikaner etwa Niclas Füllkrug im Zentrum Konkurrenz machen können?

Niclas Füllkrug

Hatte gegen St. Pauli nicht die großen Momente wie die Kollegen gegen den FC Groningen. Im Duett mit Davie Selke kam er gegen die Dreierkette des Gegners nicht klar. Eine gute Ablage für Ilia Gruev war die auffälligste Aktion, ansonsten blieb das meiste im Ansatz stecken. Kohfeldt schob es aber darauf, dass er sich taktisch verzockt hatte. „Wir hatten St. Pauli mit einer Viererkette erwartet. So war es nicht das Spiel, das für die beiden gemacht war.“ Das Experiment mit Niclas Füllkrug und Selke hatte also kaum positive Erkenntnisse gebracht.

Davie Selke

Davon mal ab, dass die taktische Ausrichtung gegen St. Pauli nur suboptimal für ihn war: Davie Selke läuft nach wie vor den Erwartungen hinterher. Vielleicht würde man anders über ihn urteilen, wenn er Chancen wie die in der 80. Minute nutzen würde. Nach schönem Pass von Yuya Osako traf Selke nur das Außennetz. „Wenn wir ehrlich sind: Davie muss ein Tor machen“, sagte Kohfeldt.

Yuya Osako

Yuya Osako macht in der Vorbereitung bisher im Training und in den Testspielen einen verbesserten und entschlosseneren Eindruck als über weite Strecken der Vorsaison. Das freut auch Trainer Florian Kohfeldt, der sich nach wie vor ein bisschen an der öffentlichen Wahrnehmung des Japaners stört. „Wenn man gegen St. Pauli wieder gesehen hat, wie oft er gefoult wurde: Dass es irgendwann nicht mehr geht und er liegen bleibt, kann ich gut nachvollziehen. Ich bitte die Schiedsrichter: Schützt solche Spieler!“ Osako sei in der Lage, Pässe zu spielen, „die sonst keiner spielt.“ Nicht nur deshalb genießt der 30-Jährige weiterhin ein hohes Ansehen bei Werder. In den Testspielen kam er vornehmlich als hängende Spitze oder als Zehner in einer Mittelfeldraute zum Zug.

Nick Woltemade

In der Vorbereitung als einziger Stürmer noch ohne Tor, was aber nichts an der hohen Wertschätzung ändert, die er bei Trainer Florian Kohfeldt genießt. Bewies im Test gegen Groningen, dass er auch als offensiver Mittelfeldspieler über viel Potenzial verfügt, was seine Einsatzchancen erhöht. Könnte auch als Stürmer oder hängende Spitze zum Einsatz kommen. (csa)

Derweil wird für einen anderen Stürmer des SV Werder Bremen weiter händeringend ein Abnehmer gesucht: Martin Harnik.

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