Was passiert mit dem Ex-Werder-Trainer?

Werder Bremen und Ex-Coach Florian Kohfeldt: Das teure Warten auf eine glückliche Fügung

Nach der Entlassung von Florian Kohfeldt muss Werder Bremen zunächst zwei Trainer-Gehälter zahlen.
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Nach der Entlassung von Florian Kohfeldt muss Werder Bremen zunächst zwei Trainer-Gehälter zahlen.

Bremen – Fast genau einen Monat ist es her, als eine besondere Beziehung in die Brüche ging: Der SV Werder Bremen trennte sich von Florian Kohfeldt, stellte den Chefcoach vor dem letzten Spieltag von seinen Aufgaben frei. Der Abstieg wurde damit allerdings nicht verhindert – und richtig weg ist Kohfeldt auch nicht.

Der 38-Jährige steht weiterhin auf der Gehaltsliste des SV Werder Bremen. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Eine Auflösung des bis zum 30. Juni 2023 datierten Vertrags ist nach Informationen der DeichStube kein Thema. Werder wartet auf eine glückliche Fügung in Form eines neuen Jobs für Kohfeldt bei einem anderen Club – nicht unbedingt mehr in diesem Sommer, aber gerne im Herbst oder spätestens im Winter. Dabei geht es wie so oft im Fußball ums Geld. Eigentlich kann es sich Werder gar nicht leisten, neben dem neuen Trainer Markus Anfang auch noch den alten zu bezahlen. Aber eine andere Lösung gibt es aktuell nicht. Und was macht Florian Kohfeldt? Wie denkt er darüber? Was hat er vor?

Der Anschluss ist frei, doch niemand nimmt den Anruf entgegen. Es klingelt durch. Kohfeldt ist anders als früher nicht erreichbar. Werder-Sportchef Frank Baumann berichtet auf Nachfrage, dass der Ex-Trainer nach seiner Entlassung erstmal in den Urlaub gefahren ist, dann wieder in Bremen war, aber die nächste Reise schon geplant wurde. Kohfeldt, so heißt es, wolle Abstand gewinnen und öffentlich nicht groß in Erscheinung treten – schon gar nicht mit Interviews. Das Aus als Werder-Coach hat ihn getroffen. Schließlich ist er seit über 20 Jahren im Club, die letzten dreieinhalb als Chefcoach. Er hatte sich vom Torwart der dritten Mannschaft nach ganz oben gearbeitet – mit Werder Bremen fast sogar die Rückkehr ins europäische Geschäft erreicht. Dann folgte der Absturz. Hinter ihm liegen zwei ganz schwierige Jahre mit knallhartem Abstiegskampf. Einmal ging es gut, einmal nicht. Gründe dafür gibt es viele, einen Alleinschuldigen nicht.

Werder Bremen: Wohin wechselt Trainer Florian Kohfeldt? Berater Marc Kosicke ist umtriebig

Florian Kohfeldt, der im Frühjahr 2019 vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Trainer des Jahres 2018 ausgezeichnet worden war, hat zuletzt gewiss an Reputation und Popularität eingebüßt. Fußball ist eben ein Ergebnissport. Trotzdem wurde er bereits bei diversen Clubs als neuer Coach gehandelt. Erst im Frühjahr bei Borussia Mönchengladbach. Damals sah es mit Werder noch nach einem sicheren Klassenerhalt aus. Die Borussia holte letztlich Adi Hütter von Eintracht Frankfurt. Und schon war Kohfeldt dort ein Thema – später auch bei Bayer Leverkusen, Hertha BSC, dem VfL Wolfsburg und wie fast in jedem Jahr bei der TSG 1899 Hoffenheim. Die Aktie Kohfeldt ist zwar gesunken, aber ihr Kurs in der Branche offenbar noch hoch genug. In Marc Kosicke hat Kohfeldt zudem einen umtriebigen Berater, der schon die Karrieren von Jürgen Klopp und Julian Nagelsmann erfolgreich begleitet hat. Gerade eben erst brachte der 50-Jährige den in der vergangenen Saison auf Schalke gescheiterten David Wagner beim Schweizer Meister Young Boys Bern unter.

Ein Wechsel ins Ausland ist auch bei Kohfeldt nicht abwegig. Bei einem Spitzenclub zum Beispiel in der Schweiz, Österreich oder den Niederlanden könnte der 38-Jährige endlich wieder seinen Offensiv-Fußball spielen lassen. Doch inzwischen sind fast alle Türen zu – in der Bundesliga sowieso. Das soll einerseits an den Clubs gelegen haben, denen Kohfeldts Rauswurf kurz vor dem Abstieg noch zu frisch erschien, um mit ihm eine Euphorie im eigenen Verein zu entfachen. Andererseits habe es auch Florian Kohfeldt vorgezogen, sich nicht gleich in die nächste Aufgabe zu stürzen und dafür lieber die zurückliegenden Monate genauer zu analysieren und sich zu reflektieren.

Werder Bremen: Entlassener Trainer Florian Kohfeldt bekommt weniger Gehalt, aber immer noch sehr viel

Werder Bremen rechnet jedenfalls schon damit, in den nächsten Monaten zwei Trainer zu bezahlen. Dabei hilft indirekt sogar der Abstieg. Denn wie bei den Spielern muss nun auch Kohfeldt auf 40 bis 60 Prozent seines Gehalts verzichten. Aus den knapp zwei Millionen Euro sollen somit etwas weniger als eine Million pro Saison werden. Für einen Zweitliga-Coach wäre das allerdings immer noch sehr viel – für einen freigestellten sowieso. Zum Vergleich: Markus Anfang bekommt bei Werder geschätzte 500.000 Euro im Jahr – plus Prämien. Sollte ihm der Aufstieg gelingen, dürfte sein Gehalt enorm steigen. Im Fußball-Oberhaus wird vor allem dank wesentlich höherer TV-Einnahmen eben ganz anders bezahlt.

Davon hat zum Beispiel auch Florian Kohfeldt vor zwei Jahren bei seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung profitiert. Nach einer starken Saison mit Platz acht war der junge Trainer heiß begehrt. Werder wollte ihn nicht nur für weitere Jahre behalten, sondern sich auch mit einer Ausstiegsklausel absichern. So etwas hat natürlich seinen Preis.

Vertragsauflösung mit Florian Kohfeldt kein Thema - Werder Bremen hofft auf Interessenten im Herbst

Dieser Trainer ist bei Werder Bremen nun praktisch Vergangenheit, die Klausel theoretisch dagegen noch da. Nach dem Abstieg liegt sie bei fünf Millionen Euro. Zahlen wird diese Summe für einen aussortierten Trainer sicherlich niemand mehr. Aber wer weiß schon, was im Herbst passiert, wenn die ersten Clubs nach einem schlechten Saisonstart ihre Ziele in Gefahr sehen? Dann dürfte der Blick schnell wieder auf einen Coach wie Florian Kohfeldt fallen. Genau darauf hofft Werder. Deshalb wird auch nicht über eine Vertragsauflösung gesprochen. Ganz abgesehen davon, dass sich der finanziell durch die Corona-Pandemie und den Abstieg stark angeschlagenen Verein eine dann sofort fällige Abfindung im hohen sechsstelligen, vielleicht sogar siebenstelligen Bereich für Kohfeldt gar nicht leisten könnte.

Es wird also noch ein paar Monate dauern, ehe das Kapitel Kohfeldt bei Werder Bremen tatsächlich geschlossen wird. Als immer noch junger Trainer, der keine lukrative Profi-Karriere als Spieler hinter sich hat, dürfte der 38-Jährige diese finanzielle Absicherung für zwei Jahre sicher genießen. Aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass Trainer auch schnell vergessen werden können und dann nicht mehr auf die große Bühne zurückkehren. Es dürfte daher auch im Interesse von Florian Kohfeldt sein, nach einer gewissen Auszeit zügig wieder auf eine Trainerbank zurückzukehren. (kni)

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