Sieg über Nigeria

WM-Viertelfinale: Frankreich ist Deutschlands Gegner

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Frankreich hat Nigeria  mirt 2:0 im Achtelfinale besiegt. Und wäre Deutschlands möglicher Gegner im Viertelfinale der WM.

Brasília - Ein später Treffer von Goldköpfchen Paul Pogba und ein Eigentor haben Frankreich das erste WM-Viertelfinale seit 2006 beschert und ein Duell gegen Deutschland möglich gemacht.

Trotz der bisher schwächsten Turnierleistung gewann der lange Zeit wankende Weltmeister von 1998 am Montag in Brasília 2:0 (0:0) gegen Nigeria. Pogba (79. Minute) und ein Eigentor von Joseph Yobo (90.+2) in dessen 100. Länderspiel sorgten noch für den Erfolg gegen die mindestens gleichwertigen Nigerianer. Am Freitag (18.00 Uhr MESZ) wartet auf Frankreichs Fußball-Auswahl in Rio de Janeiro der Sieger des abendlichen Achtelfinales zwischen dem DFB-Team und Algerien - was demzufolge Deutschland sein wird. „Ich bin sehr zufrieden. Ins Viertelfinale zu kommen, das ist ein ganz großer Moment für mich“, kommentierte der als bester Spieler ausgezeichnete Pogba.

Die Nigerianer verpassten es auch im dritten Anlauf, erstmals zu den besten acht Mannschaften der Welt zu gehören. Trainer Stephen Keshi ließ danach offen, ob er im Amt bleibt. „Ich weiß nicht“, sagte Keshi nach dem Spiel. Seine Analyse fiel treffend aus: „Das war ein gutes Spiel, aber dass wir verloren haben, das ist schlecht.“ Yobo fügte hinzu: „Wir haben alles gegeben, aber so ist Fußball. Wir hätten es heute besser machen können. Am Anfang haben wir gut gespielt, nur unsere Chancen bicht genutzt.“

Die 67.882 Zuschauer im Estadio Nacional sahen eine erste Halbzeit mit nur wenigen Höhepunkten, in der vor allem Favorit Frankreich enttäuschte. Der Weltmeister von 1998 agierte vorsichtig und strahlte nur Gefahr aus, wenn das Mittelfeld schnell überbrückt wurde. Torjäger Karim Benzema von Real Madrid konnte sich nach seiner starken Vorrunde ebenso wie Sturmspitze Olivier Giroud nur selten durchsetzen und verstolperte sogar einige Male den Ball.

Aufreger im WM-Achtelfinale

Die größten Aufreger vor der Pause gab es binnen drei Minuten. Emmanuel Emenike stand knapp im Abseits, als er eine Eingabe von Ahmed Musa ins Netz drückte (19.). Bei der besten Chance der „Bleus“ in der ersten Halbzeit scheiterte Pogba mit seinem Volleyschuss an Nigerias glänzend reagierendem Keeper Vincent Enyeama (22.).

Auf der anderen Seite war Hugo Lloris nur bei einem Fernschuss von Emenike gefordert (44.). Der Afrikameister trat im dritten Achtelfinale seiner WM-Historie wie bisher schon in Brasilien vorsichtig und kompakt auf. Auch Ballverteiler John Obi Mikel vom FC Chelsea bevorzugte angesichts der gefürchteten französischen Konterstärke lieber den Sicherheitspass. Lange Zeit sicher stand die Innenverteidigung mit dem am Ende unglücklichen Jubilar Yobo. Mit seinem zehnten Einsatz bei einer Endrunde stieg der Kapitän zu Nigerias WM-Rekordspieler vor dem einstigen Frankfurter Jay-Jay Okocha auf.

Der Außenseiter bestimmte bei guten äußeren Bedingungen überraschend auch nach der Halbzeit das Geschehen. Peter Odemwingie zwang Lloris mit einem straffen Distanzschuss erneut zum Eingreifen (64.).

Frankreich dreht spät gegen Nigeria auf

Frankreichs Trainer Didier Deschamps reagierte kurz zuvor auf die ausbleibende Gefahr in der Offensive und nahm den wirkungslosen Giroud vom Platz. Dafür kam Antoine Griezmann, der bis dahin zweikampfschwache Benzema rückte vom linken Flügel in die Spitze - und hatte nach Zusammenspiel mit Griezmann prompt die bis dahin größte Möglichkeit: Torhüter Enyeama war jedoch dazwischen, Victor Moses schlug den Ball dann knapp vor der Torlinie weg (70.).

Urplötzlich dominierte der WM-Finalist von 2006 und hatte Pech, als Johan Cabaye aus 22 Metern nur die Unterkante der Latte traf (77.). Benzema scheiterte danach per Kopf an Enyeama (78.), den folgenden Eckball verlängerte der Keeper unglücklich zu Pogba, und der Mittelfeldspieler von Juventus Turin nickte das Leder ins leere Tor ein. Die letzten Bemühungen der unglücklichen Nigerianer in der Schlussphase blieben wirkungslos, Yobo drückte den Ball dann zur Entscheidung über die eigene Torlinie.

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dpa

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