Nach drei Jahren auf Bundesebene

VCN meldet 1. Damenmannschaft „Schweren Herzens“ ab

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Das war's: Thomas Plathner und seine erfolgreiche Damenriege kehren der Dritten Liga ihren Rücken

Nienburg - von Lutz Ritter. Es ist so schön gewesen. Vor sechs Jahren übernahm Thomas Plathner die 1. Damenmannschaft des VC Nienburg. Sofort kratzten die Nordertörschen an der Regionalliga, holten den knapp verpassten Aufstieg eine Saison später nach und blieben - was viel zu schnell in Vergessenheit geriet - zwei Spielzeiten in Folge ohne Punktverlust. Die folgerichtige Herausforderung „Dritte Liga“ hätte kaum größer ausfallen können.

„Alle waren nervös, keiner wusste was passieren würde“, erinnert sich Plathner. Doch es passierte etwas ganz Besonderes. „Kleine Nienburgerinnen“ entwickelten sich zu umjubelten Drama Queens. Getragen von einem denkwürdigen Publikum standen die (Heim-)Spiele der Lila Veilchen stets unter dem Zeichen der Begeisterung; auf und eben auch abseits des Feldes.

Es war so bitter. Diese Zeit ist aus und vorbei. Der Verein hat sein Frauenteam zurückgezogen. Endgültig. Eine Meldung für die Regional- oder Oberliga wurde seitens der Aktiven ausdrücklich nicht gewünscht. „Bei Saisonende standen mir elf Spielerinnen zur Verfügung. Nach der Pause wollten sechs von ihnen aufhören, drei den Trainingsaufwand reduzieren. Bei einer Mannschaft, die zu 20 Prozent vom Talent aber ansonsten von der Arbeit lebt, habe ich dem Vorstand die Empfehlung ausgesprochen, den Spielbetrieb einzustellen“, klärt Plathner auf, selbst kein weiteres Traineramt bekleidend.

Es ist so ernüchternd. Viele Gründe sind in der Summe verantwortlich für den sportlichen Status Quo des einstigen Aushängeschilds. Doch egal, ob man unsere Kreisstadt als Durchgangsstation in Sachen Volleyball betrachtet, die eigene Jugendarbeit als ausbaufähig ansieht, das „Projekt ausländischer Spielerinnen“ als Löcher stopfend bewertet, auf personelle Abgänge und Ehrenamtlichkeit verweist oder sogar den Vorwurf der „mangelnden Professionalität“ in den Raum stellt… all dies wird - ob richtig oder falsch - nichts mehr an dem ändern, was da bleibt. Und das ist fraglos mehr als schöne Erinnerung. Es ist zudem eine Welle der sportlichen Begeisterung. Doch droht diese zeitnah am Fels der Ernüchterung und des Vergessens zu brechen.

Es wird so desillusioniernd sein. „Schweren Herzens“ war vor zwei Jahren dem Statement der VC-Verantwortlichen zu entnehmen als die „Kleine Nienburgerin“, Deutschlands größtes Volleyball-Jugendturnier, sein Ende fand. „Schweren Herzens“ ist dem Statement der VC-Verantwortlichen zu entnehmen, als vom Rückzug des Drittligisten berichtet wurde. Quo vadis VCN? Das einzige Flaggschiff des Kreis-Nienburger Volleyballs gleicht momentan eher einem U-Boot, dem der Sauerstoff entweicht. „Wären wir in dieser Konstellation ins nächste Jahr auf Bundesebene gegangen, hätten wir mehr als Punkte liegen gelassen. Unsere Reputation, die wir uns über so lange Zeit aufgebaut haben, hätte schwerste Kratzer nehmen können“, reflektiert Plathner die Abmeldung seiner erfolgreichen Damenriege. Sprachlich rational, unausgesprochen emotional. Dennoch: „Was mir am meisten fehlt, ist die Arbeit mit den Menschen. Die Möglichkeit, etwas zu bewegen“, entfährt es dem 47-jährigen am Ende des Gesprächs. Diese Chance war da. Wurde sie genutzt? Ja, sechs Jahre lang.

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