„Grenzen zu überschreiten, ist genial“

„Natural Bodybuilding“-Meisterin  Sina Weiß im Interview

Nienburg - Von Max Brinkmann. Dass Sina Weiß sportlich aktiv sein muss, ist auf den ersten Blick erkennbar. Dass sie sogar eine Deutsche Meisterin ist, nicht unbedingt. Doch am vergangenen Samstag hat die Nienburgerin, die aus Haßbergen kommt, an den Deutschen Meisterschaften im „Natural Bodybuilding“ teilgenommen – und gewonnen, zweimal sogar.

In der Bikini-Klasse bis 165 Zentimeter hat sie sich gegen 14 Konkurrentinnen durchgesetzt und ist außerdem Gesamtsiegerin geworden. Ein beachtlicher Erfolg dafür, dass sie erst im Mai diesen Jahres bei ihrem ersten Wettkampf gestartet ist. „Ich hab damit nicht gerechnet, aber es war ein großartiges Gefühl“, erinnert sich Weiß an den Moment der Siegerehrung zurück.

Seit 2012 betreibt die 25-Jährige den Fitness-Sport. Schnell ist es professioneller geworden. Im vergangenen Jahr äußerte sie dann erstmals den Wunsch, an Wettkämpfen teilzunehmen. Dass es so schnell, so steil nach oben geht, hat sie wohl selbst nicht erwartet. Mit dem Sieg bei den Deutschen Meisterschaften hat sie gleichzeitig auch die Erlaubnis gewonnen, bei internationalen Wettkämpfen starten zu dürfen.

Das Interview 

2012 hat Sina Weiß das erste Mal ein Fitnessstudio betreten. Seitdem hat sich bei ihr einiges verändert: Mittlerweile ist ihr Alltag auf Sport und gesunde Ernährung ausgerichtet. Im Interview mit Max Brinkmann sprach sie über ihre jüngsten Erfolge, ihren Lifestyle und vieles mehr. 

Wie war das Gefühl als Sie die deutsche Meisterschaft gewonnen haben?

Großartig, Ich hatte nicht damit gerechnet. Ich habe mich unter den Top 5 gesehen. Als Platz 4 belegt war dachte ich schon: „Super, du hast es in die Top 3 geschafft.“ Als dann mein Name bei Platz 2 nicht gefallen ist, konnte ich es kaum fassen.

Was genau ist überhaupt „Natural Bodybuilding“? 

Was ist der Unterschied zu „normalem“ Bodybuilding? Es ist Bodybuilding ohne, dass die Sportler Präparate nehmen. Es werden viele Dopingkontrollen gemacht – auch nach meinem Gewinn wurde ich zum Beispiel direkt rausgezogen. Das Starterfeld bei dem Verband für „Natural Bodybuilding“ ist anders als bei anderen. 

Was macht besonders Spaß daran? 

Es gibt für mich kaum Hobbys bei denen man investiert und am Ende so viel rausbekommt. Es gibt keine Faktoren die man nicht beeinflussen kann. Wenn man Vollgas gibt, bekommt man auch das gewünschte Resultat. Beim Training finde ich es genial, Grenzen zu überschreiten und sich stetig zu verbessern. Auch der Ausgleich zum Alltag ist schön. 

Wie sieht Ihr Training aus? 

Ich trainiere nach einem Ober- und Unterkörper-Plan. Das heißt, es werden immer verschiedene Körperpartien trainiert. Ich bin sechs bis sieben Mal die Woche im Fitnessstudio, immer mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Ergänzend dazu gehe ich ab und zu joggen. 

Kann jeder mit Bodybuilding anfangen oder braucht man bestimmte (körperliche) Voraussetzungen?

Ich denke, jeder ist dafür geeignet. Es tut wahrscheinlich auch jedem gut, gewisse Stärken zu haben. Ich kann es nur empfehlen. Es ist eine Leidenschaft von mir geworden, darum muss ich mich nicht ins Fitnessstudio zwingen, sondern habe Spaß daran. Das macht das Ganze leichter. 

Wie sind Sie zum Bodybuilding gekommen? Haben Sie zuvor anderen Sport gemacht? 

Als Kind war ich Reiterin. Es hat sich aber nie wirklich eine Reitbeteiligung ergeben, deshalb hab ich mich abgewandt und ein bisschen mit Fitness angefangen. 2012 war das. Am Anfang war ich dreimal die Woche und das hat sich dann immer gesteigert. 

Wann ist es professionell geworden?

Irgendwann hab ich mir gedacht: „Wenn ich jetzt noch auf die Ernährung achte, hab ich noch mehr Erfolg“. So hat sich alles nach und nach ergeben. Im vergangenen Frühjahr kam der Wunsch, mal auf der Bühne zu stehen. Ich habe mir einen Coach gesucht. Die Zusammenarbeit hat nicht so gut geklappt, da sie sehr weit weg wohnte. Danach hab ich das erstmal auf Eis gelegt. Irgendwann habe ich Nico Hack kennengelernt, der mich auf meinen Wettkampf im Mai vorbereitet hat. Beim Jetzigen war ich zum ersten Mal auf mich allein gestellt und bin im Juli in die Diät gestartet. 

Wie lässt sich der Sport mit dem Alltag vereinbaren?

Das fragen mich viele, aber es ist gar nicht so schwer. Ich habe mein Training so eingeteilt, dass ich anderthalb Stunden im Studio bin. Das Training geht für mich immer vor. Trotzdem kann ich meine sozialen Kontakte pflegen. Selbst in der Vorbereitungsphase konnte ich mit Freunden essen gehen, ich weiß dann halt nur, was ich bestellen darf und was nicht (lacht).

Was machen Sie beruflich? 

Ich bin Verwaltungsfachangestellte in der Gemeindeverwaltung. Der komplette Kontrast zum Sport. 

Worauf achten Sie bei der Ernährung besonders? 

Durch die letzte Wettkampf-Diät habe ich die pflanzliche Ernährung für mich entdeckt. Ich achte darauf, dass ich mich ausgewogen ernähre. Dadurch, dass ich gerne koche, komme ich immer wieder auf neue Ideen. Es ist weniger eine Diät, als eine ausgewogene gesunde Ernährung. Mit der Zeit habe ich auch gar nicht mehr das große Verlangen nach Süßigkeiten wie früher. Natürlich esse ich auch gerne mal ein Eis, gerade jetzt nach dem Wettkampf war es die ein oder andere Leckerei, die ich wohlverdient genossen habe. Alkohol trinke ich aber zum Beispiel gar nicht. Habe ich vorher schon nicht gerne. Das letzte Mal das ich mehr als ein Gläschen Alkohol getrunken habe ist so zwei bis drei Jahre her. 

Haben Sie auch einen Ernährungs- und Fitnesstipp für unsere Leser?

Man sollte schauen, was auf dem Teller liegt: Zwei Fäuste voll Gemüse, eine Faust mit Kohlenhydratenquellen – also zum Beispiel Kartoffeln, Nudeln oder Reis und ein bis zwei Fäuste voll Eiweiß (Fleisch, Ei oder Tofu) sind gut. Wichtig ist auch, nicht zu wenig zu essen. Ich selbst esse sehr große Mengen. Man kann keine Muskeln aufbauen, wenn man zu wenig Nahrung zu sich nimmt. Außerdem sollte man nicht jeden Tag Süßigkeiten essen. Was Fitness angeht, sollte man an zwei bis drei Tagen gezielte Kraftübungen machen. 

Wie sieht Ihr Tagesablauf aus? 

Eigentlich ganz normal: Morgens fahre ich zur Arbeit, direkt danach zum Sport und abends koche ich meist etwas. Am Wochenende mach ich am liebsten gleich nach dem Aufstehen Sport und frühstücke anschließend ausgiebig. Ruhezeiten sind sehr wichtig. Feiern gehe ich sowieso eher selten und passe auf, dass ich genügend Regeneration bekomme. 

Haben Sie neben Bodybuilding noch andere Hobbys? 

Ich kann gar nicht mehr sagen, dass Bodybuilding bei mir noch ein Hobby ist. Es ist eine Lebenseinstellung. Es ist für mich nicht mehr Wegzudenken. Zu anderen Hobbys kann ich nicht so viel sagen. Es gibt zwar Dinge, die ich gerne mache, aber am Wichtigsten ist es mir, Zeit mit der Familie und Freunden zu verbringen. Das darf neben dem Lifestyle nicht zu kurz kommen. 

Was sagt ihr Umfeld dazu, dass Sie so intensiv Sport machen?

Am Anfang war es schwieriger, mittlerweile weiß ich, dass meine Familie bei allem hinter mir steht. Meine Eltern machen sich schon Sorgen und fragen, warum ich immer auf mein Essen achte und sagen dann: „Iss doch mal worauf du Lust hast“, „Ruh dich doch mal aus“ und solche Dinge. Ich denke aber durch meinen Erfolg beim Wettkampf haben sie gesehen, dass mein Herz dafür schlägt und es sich auch auszahlt. Meine Freunde machen entweder selber Bodybuilding (lacht) oder respektieren das.

Was sind ihre neuen Ziele, nachdem Sie die jetzigen mit dem Gewinn der Meisterschaft erreicht haben?

Eigentlich wollte ich nach dem Wettkampf erstmal ein bis zwei Jahre Pause machen. Nach dem Sieg schwebt mir jetzt natürlich die Idee im Kopf , dass ich auch an internationalen Wettkämpfen teilnehme.

Den Blog von Sina Weiß ist im Internet unter www.gesundekurven.com zu finden. Dort verfasst sie regelmäßig Beiträge über ihr Sportlerleben und gibt Rezepttipps. Auf Instagram ist sie unter @sina_whitepeach finden Neben ihrem Job in der Gemeindeverwaltung ist Weiß seit kurzem als Trainings- und Ernährungsbetreuerin tätig. Im August hat sie die Prüfung zur Ernährungsberaterin bestanden. Nähere Informationen dazu finden Interessierte ebenfalls auf ihrer Website.

Das könnte Sie auch interessieren

Auto

So fährt es sich im Ford Mach-E

So fährt es sich im Ford Mach-E
Leben

Desserts mit Gemüse zubereiten

Desserts mit Gemüse zubereiten
Technik

Die Samsung Galaxy S21 im Test

Die Samsung Galaxy S21 im Test
Reisen

Rüstige Rentner statt Hippies und Hare Krishna

Rüstige Rentner statt Hippies und Hare Krishna

Meistgelesene Artikel

Doppelsieg und vorzeitiger Superstock 1000-Titel

Doppelsieg und vorzeitiger Superstock 1000-Titel

Kommentare