Neues Tool schafft mehr Transparenz

So sehen Sie, was Google über Sie weiß

Mountain View/Hamburg  - Google will seinen Nutzern mehr Transparenz bieten. Mit einem neuen Tool können alle von Google automatisch gespeicherten Aktivitäten eingesehen und gelöscht werden.

Bisher wurde Online-Werbung bei Google über zwei verschiedene Systeme personalisiert. Jetzt werden sie zusammengeführt und damit auch mehr Anzeigen auf Websites anderer Anbieter angepasst. Bei Nutzern wird aber vorher ihre Zustimmung eingeholt.

Google will Daten seiner Nutzer auch auf Webseiten anderer Anbieter zur Personalisierung von Werbung einsetzen - wird sie aber um Erlaubnis dafür fragen. Die Änderungen der Kontoeinstellungen würden den Anwendern in den kommenden Wochen vorgeschlagen, teilte ein Google-Sprecher am Mittwoch in Hamburg mit. Bei einer aktiven Zustimmung („opt-in“) würden die Kontoinformationen bei Google selbst auch beim Anzeigen von Werbung außerhalb von Google-Websites berücksichtigt, wenn dort Anzeigen aus dem Werbenetzwerk Doubleclick erscheinen.

Bislang nutzt Google für die Werbeschaltungen zwei verschiedene Systeme, die nach Angaben des Unternehmens nicht miteinander verbunden sind. Auf Seiten wie google.de oder YouTube werden die Informationen aus dem Google-Benutzerkonto ausgewertet. Bei externen Seiten im Werbepartner-Netzwerk wird der Anwender über eine kleine Datei („Cookie“) von Doubleclick wiedererkannt und mit personalisierter Werbung versorgt. Anwender können in beiden Systemen einer personenbezogenen Werbung widersprechen.

„Wir stellen nun unsere Nutzer vor die Wahl, ob sie diese beiden Systeme zusammenführen wollen“, erklärte der Sprecher. In Zeiten einer sehr viel komplexeren und über viele Endgeräte verteilten Internetnutzung habe das Nebeneinander der Systeme zu Schwierigkeiten geführt. Wenn ein Nutzer beispielsweise in seinen Anzeigeneinstellungen die interessenbasierte Werbung ausgeschaltet habe, werde dieses „Opt-out“ in einem Cookie gespeichert. Das funktioniere aber nicht geräteübergreifend, sondern müsse auf jedem Endgerät einzeln umgesetzt werden.

Mit der neuen Option erhielten die Anwender „mehr Transparenz und volle Kontrolle über die Anzeigen, die sie sehen“, erklärte der Sprecher. Die Entscheidung zur Zusammenführung der Systeme sei „opt-in“ (aktive Zustimmung des Anwenders), nicht etwa „opt-out“ (Widerspruch des Anwenders gegen eine Voreinstellung). Wer zustimme, bekomme Anzeigen zu sehen, die für ihn relevanter sei als zufällig ausgewählte Werbung.

Facebook zieht nach

Auch Google-Rivale Facebook baut gerade seine Reichweite bei personalisierter Werbung aus. Auch Internet-Nutzern, die nicht Mitglieder des weltgrößten Online-Netzwerks sind, solle auf sie zugeschnittene Anzeigen bekommen. Dafür werden wie bei Doubleclick Cookies im Web-Browser abgelegt. Die Funktion kann blockiert werden, wie Facebook bei der Ankündigung Ende Mai erklärte.

Mit diesem Schritt wird Facebook stärker zum Kanal für die Auslieferung von Online-Werbung über die rund 1,65 Milliarden eigenen Mitglieder hinaus. Noch ist Google weit voraus: Bei Facebook wuchsen die Anzeigen-Erlöse im vergangenen Quartal im Jahresvergleich um 57 Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar. Bei Google legten sie um 16 Prozent auf 18 Milliarden Dollar zu.

Seinen Mitgliedern zeigt Facebook über die Plattform „Audience Network“ auch auf anderen Webseiten personalisierte Werbung an. Seit Ende Mai können sie dies abschalten.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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