Tatort Weimar

Tatort „Der letzte Schrey“: Und Pech kommt dazu

Hier sieht es so unschuldig grün aus, ist aber mit Stich, Lessing und Dorn ein Tatort.
+
Hier sieht es so unschuldig grün aus, ist aber mit Stich, Lessing und Dorn ein Tatort.

„Der letzte Schrey“, ein punktgenau witzelnder Tatort aus Weimar.

  • Nora Tschirner und Christian Ulmen ermitteln in einem neuen Fall
  • „Der letzte Schrey“ ist ein punktgenau witzelnder Tatort (ARD*)
  • Viele Überraschungen im richtigen Moment

Wer ist denn nun eigentlich „der letzte Schrey“? Gerd Schrey, Strickmodeunternehmer in Thüringen und treuherziger Ehemann – er nennt sie „Knöllchen“ -, mit wasserblauen Kulleraugen gespielt von Jörg Schüttauf? Oder sein semmelblonder Sohn Maik, Julius Nitschkoff, der auf die Nachricht vom Tod seiner Stiefmutter verdächtig kühl, fast erfreut reagiert, aber verzweifelt ist ob der Entführung seines Papas? Dem wiederum ist sein Sohn so egal, dass sich sogar ein bisschen Familientragödie in der neuen Tatort-Komödie aus Weimar verbirgt.

Aber, fragen sich Lessing und Dorn, Christian Ulmen und Nora Tschirner, könnten Vater und Sohn nicht trotzdem als Auftraggeber hinter der Doppelentführung stecken? Denn der Firma Schrey geht’s schlecht, kurz-vor-Pleite-schlecht, und vor einigen Monaten wurde eine Versicherung abgeschlossen: Auf Gerd und Marlies Schrey, auf zwei Millionen Euro – dummerweise gibt’s nur noch eine Million, wenn eine der versicherten Personen, in dem Fall Marlies, ums Leben kommt oder auch ermordet wird.

Tatort aus Weimar in der ARD: Sehende Zeugen haben nichts gesehen, aber Blinde gehört

Das findet darum Zecke richtig doof, dass Komplizin Freya die Frau umbringt - Christopher Vantis und Sarah Viktoria Frick mit Verve als minderbemittelte Gelegenheitsgauner. Freya verliert beim finanziell unglücklichen Geisel-Mord auch noch einen zitronenfaltergelben Fingernagel. Den die Spusi aber später nicht dabei hat, wenn doch Lessing so eine schöne Gelegenheit hätte, ihn an die Hand einer Toten zu halten „wie im Fernsehen“.

Murmel Clausen, Buch, und Mira Thiel, Regie, sparen nach bewährter Weimar-Tatort-Manier nicht mit Klischees, um sich über Klischees lustig zu machen. Man sieht die Dinge kommen – dass Komissariatsleiter Stich, Thorsten Merten, im Kleinflugzeug furchtbar schlecht werden wird, dass Lessing ins Güllebecken wird klettern müssen (und nachher sauber und trocken ist, denn das ist auch ein Tatort, der’s locker nimmt), dass sowieso die Entführer zu doof für alles und zu impulsiv sind -, aber die Gags kommen so beiläufig daher, sind so geschwind vorbei, dass man manchmal meinen kann, sich versehen oder verhört zu haben. Hat Vater Schrey gerade von der „Rezension“ gesprochen und sein Sohn ihn sanft verbessert: „Rezession“? (Das freut die Rezensentin.) War das den Entführern zuerst zum Opfer gefallene Hundchen Ginger tatsächlich von Strickdesignerin Marlies im Partnerlook eingekleidet worden? Da muss man schon ziemlich schnell gucken, aber genau so ist es.

Tatort aus Weimar in der ARD hält mehr als eine Überraschung im richtigen Moment bereit

Die Geschichte scheint wunderbar simpel zu sein: Schon hat Lessing mitten im Feld den künstlichen gelben Fingernagel gefunden, schon Kira Dorn den Ordner mit der Versicherungspolice. Sehende Zeugen haben zwar gar nichts gesehen, aber eine Blinde kann anhand des Motorenklangs den Transporter der Kidnapper typgenau beschreiben.

Doch ist sind die Geschichte natürlich viel zu einfach, um in Wahrheit so einfach zu sein. Und Pech (hauptsächlich für die Entführer) kommt dazu. Und Zecke hat im Physikunterricht nicht aufgepasst, was - Achtung, Kinder - im Leben dann doch entscheidend sein kann.

Es wartet also so mancher Haken, es gibt mehr als eine Überraschung im richtigen Moment. Das ist zwar am Ende etwas über-konstruiert, aber das sind auch viele Sonntagabendkrimis, die es ernst meinen. „Der letzte Schrey“ aber meint es selbstverständlich nicht ernst. Das außerdem mit schöner Punktgenauigkeit und Professionalität.

„Tatort: Der letzte Schrey“, ARD, Pfingstmontag, 20.15 Uhr.

Von Sylvia Staude

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

„Der Kommissar und das Meer: Auf dunkler See“ in der ZDF-Mediathek. Laut unseres Kritiker ist das ein „Ein Film im Dienst-nach-Vorschrift-Modus“

Der München-Tatort „Lass den Mond am Himmel stehn“ (ARD) stellt die Kommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr vor ein Rätsel. Ein knallharter und wendungsreicher Film.

Das könnte Sie auch interessieren

Auto

Das Motorrad fit für die Saison machen

Das Motorrad fit für die Saison machen
Auto

Diese Autos werden 2020 zu Oldtimern - Ist Ihres dabei?

Diese Autos werden 2020 zu Oldtimern - Ist Ihres dabei?
Serien

Das sind die Serien-Highlights von 2020

Das sind die Serien-Highlights von 2020
Auto

Große Autoklassiker für kleines Geld

Große Autoklassiker für kleines Geld

Meistgelesene Artikel

Paradies gesucht, doch die Hölle gefunden: TV-Kritik zu „Terra X – Der Galápagos-Krimi“ (ZDF)

Paradies gesucht, doch die Hölle gefunden: TV-Kritik zu „Terra X – Der Galápagos-Krimi“ (ZDF)

Lena Gercke (GNTM): Baby-Alarm - Model präsentiert heiße Schwangerschafts-Kurven

Lena Gercke (GNTM): Baby-Alarm - Model präsentiert heiße Schwangerschafts-Kurven

Traumschiff (ZDF): So enttäuscht ist Florian Silbereisen - Schietwetter statt Sonnenbrand

Traumschiff (ZDF): So enttäuscht ist Florian Silbereisen - Schietwetter statt Sonnenbrand

Promi Big Brother (Sat.1): Alle Infos zur achten Staffel des TV-Knasts

Promi Big Brother (Sat.1): Alle Infos zur achten Staffel des TV-Knasts

Kommentare